Gehalt bei Frauen Frauen verdienen weniger für gleiche Leistung

Frauen werden immer noch schlechter bezahlt als Männer. In Deutschland ist die Lücke besonders groß. Foto: Christoph Maier

Verdienen Frauen, was sie verdienen? Frauen in Deutschland bekommen ein Viertel weniger als Männer. Selbst im gleichen Job und bei vergleichbarer Qualifikation bleibt eine Lücke

 

MÜNCHEN 98 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, dass Frauen und Männer gleich verdienen sollten, hat jüngst eine Umfrage des Bundesfamilienministeriums ergeben:  Doch genau diese Form der Gleichberechtigung scheint in Deutschland eine Utopie: Frauen verdienen hier durchschnittlich pro Stunde 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, so die gestern veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2011. In Bayern sind es sogar 25 Prozent. Selbst im gleichen Job und bei gleicher Qualifikation gehen Frauen mit acht Prozent auf dem Gehaltskonto weniger nach Hause.

Mit seinen 23 Prozent schneidet Deutschland so schlecht ab wie kaum ein anderes europäisches Land: In Frankreich liegt das Lohngefälle bei 16 Prozent, in Belgien bei 6,0 Prozent und in Italien bei 5,5 Prozent. Und selbst Deutschland konnte schon mal bessere Zahlen vorlegen: Im Jahr 2000 lag die Lücke bei 21 Prozent.

Doch seit 2006 scheinen die 23 Prozent in Stein gemeißelt – allen Debatten über die Frauen-Quote und Kinderbetreuung zum Trotz. Doch was sind die Gründe für den „Gender Pay Gap“, also die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern? Die AZ hat sich die Zahlen angeschaut, pünktlich zum morgigen „Equal Pay Day“, dem „Tag für gleiche Bezahlung“, an dem Frauen weltweit die Lohnkluft anprangern.

Zentrale Ursachen lassen sich tatsächlich in der Berufswahl und der Arbeitszeitstruktur von Frauen finden: In typischen Frauenberufen wie Erzieherin, Altenpflegerin oder Kosmetikerin ist das Gehalt schlichtweg niedriger. „Arbeitnehmerinnen gehen eher Tätigkeiten nach, die mit tendenziell geringeren Verdienstmöglichkeiten und Anforderungen verbunden sind“, so ein Sprecher des Statistisch

Hinzu kommt, dass Frauen wegen der Kinder oder der Pflege älterer Angehöriger oft in Teilzeit arbeiten. Das entscheidende Drittel beim Gehaltsunterschied aber erklärt all das nicht: Es bleiben immer noch acht Prozent Lohnunterschied. Im gleichen Job. Bei gleicher Qualifikation. Verhandeln Frauen schlechter? Geben Sie sich mit zu wenig zufrieden (mehr dazu siehe unten)? Es muss noch andere Gründe geben, warum schon seit Jahren Unternehmen Frauen weniger bezahlen als Männern.

„Auch Diskriminierung spielt eine Rolle“, sagt Reinhard Bispinck vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. So zeigen Zahlen des WSI, dass auch in akademischen Berufen Frauen gegenüber Männern benachteiligt werden. Und das sogar doppelt: Unter Frauen mit Uniabschluss schaffen es nur 43 Prozent in Führungspositionen, bei Männern sind es 59 Prozent. Und der Geschlechterunterschied setzt sich beim Gehalt fort: Weibliche Chefs verdienen in höheren Ebenen knapp ein Viertel weniger als Männer mit der gleichen Qualifikation und Berufserfahrung (s. unten).

Die Kluft wächst, je weiter die Hierarchie nach oben geht – auf Hauptabteilungsleiter-Ebene auf bis zu ein Drittel. Zentral scheint auch das Alter: „Bei Akademikern steigt die Lücke sogar im Alter bis 50 Jahre“, so Reinhard Bispinck. „Danach schließt sich die Lücke wieder leicht.“

 

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