Gegenentwurf für Radlstreifen Fraunhoferstraße: Laden-Betreiber stellt Alternative zum "Highway" vor

So könnte sie aussehen, die neugeplante Fraunhoferstraße. Foto: PW.QUADRAT Wagner Weinzierl Architekten

Laden-Betreiber Martin Kilian präsentiert einen Gegenentwurf für die Fraunhoferstraße in München – und bekommt Unterstützung aus dem Rathaus.

 

München - Manchmal bekommt er Tresore geliefert oder eine ganze Palette mit Schlössern: Martin Kilian, Inhaber vom Münchner Schlüsseldienst Kilian in der Fraunhoferstraße. "Meine Zulieferer parken jetzt immer halb auf dem Fahrrad- und halb auf dem Gehweg", sagt er. "So kann es auf keinen Fall bleiben." 

Der Konflikt: Seit der ersten Sommerferienwoche sind über 120 Autoparkplätze verschwunden. Radler haben jetzt mehr Platz. Ihre Fahrspuren sind rot markiert und zwei Meter breit.

Alternativ-Entwurf: Flächen für Kurzparkzonen

Kilian hat den Vorschlag am Dienstag in den Bezirksausschuss eingereicht. Seine Alternative, die er von einem Architekten als Fotomontage hat visualisieren lassen, sieht so aus: Die Fraunhoferstraße wird für die Autos verengt. Die Radlwege bleiben breit, aber wandern zur Straßenmitte.

Und die Gehsteige werden viel breiter: So breit, dass hier Bäume gepflanzt werden können und Flächen für Kurzparkzonen markiert sind. "Ich kann es zwar nicht messen, ob mir Kunden wegbleiben, weil ja Sommerferien waren, aber viele Kunden finden die Situation so sehr schwierig, wenn sie mit dem Auto kommen, um einen Schlüssel abzuholen", erzählt Kilian.

Der Mann fährt selbst oft Radl, auch seine Mitarbeiter in Laden und Werkstatt. Erschrocken hat er festgestellt, dass Autos auf der Fraunhoferstraße nun schneller unterwegs sind: "Manche fahren gefühlt 80 Stundenkilometer, seitdem die parkenden Autos weg sind. Die Fraunhoferstraße ist jetzt eine Art Highway", moniert er.

Gegenvorschlag für Fraunhoferstraße - Debatte erwartet

So gefährlich und chaotisch, wie die Fraunhoferstraße vorher war, will auch er sie nicht mehr: Kilians Gegenvorschlag soll für alle gut sein. Mit einer sicheren Spur für Radler, ab und zu steht ein Baum, alle 50 Meter kommt eine Parkzone.

Damit wären auch dem Fraunhofer, dem Radlladen oder Bilder Raab gedient, meint Kilian. Sein Vorschlag stößt auf offene Ohren – zumal die aktuelle Version für erstmal nur ein Jahr einer Probephase ist.

Mehr Parkmöglichkeiten und Grüninseln?

Manuel Pretzl (CSU), der Zweite Bürgermeister, ist die parkplatzfreie Straße inzwischen öfter mit Radl und Auto entlanggefahren. Er findet den Vorschlag von Geschäftsmann Kilian auf jeden Fall prüfenswert: "Einige Parkmöglichkeiten und Grüninseln, das wäre was. Ich habe den Eindruck, die Fraunhoferstraße wirkt jetzt trist und tot. Das Leben, das man früher gesehen hat, ist verschwunden", bedauert er.

Eine schmalere Autospur findet er gut, gerade wenn gerast wird: "Die Autofahrer könnten langsamer sein. Mit Tempo 30 hier habe ich kein Problem." 

Am 22. Oktober präsentiert Martin Kilian seine Fraunhoferstraße II offiziell im Bezirksausschuss. Dann wird sich zeigen, ob doch noch einmal Bewegung in die Debatte kommt.

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