Gegen Abriss in der Herzogstraße Bürgerprotest: Kampf um das alte Schwabing

Um das graue Haus links im Bild geht es: nicht nur von der Vorderansicht aus ist die Herzogstr. 49 um einiges unansehnlicher als der Nachbar mit der Nummer 51. Foto: Gabriela Weitenauer

In der Herzogstraße soll ein Mietshaus abgerissen werden. Die Nachbarn wehren sich - und fordern, dass ein Stück Schwabing der Jahrhundertwende geschützt statt zerstört wird.

Schwabing - Das Mietshaus in der Herzogstrasse 49 hat schon bessere Zeiten gesehen. 2011 mussten die letzten Bewohner ausziehen, seitdem steht es leer. Auch als das Haus noch bewohnt war, so berichten ehemalige Mieter, haben die Eigentümer nichts an dem Haus gemacht, ließen es regelrecht herunterkommen.

Jetzt soll das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Das erregt den Protest der Bürger. Sie fordern stattdessen eine Sanierung des immer noch schönen, alten Hauses, um "ein Stück Schwabing der Jahrhundertwende" zu retten.

An diesem Samstag um 14 Uhr wird deshalb vor Ort in der Herzogstraße 49 gegen den Abriss protestiert. Neben den Anwohnern sind auch das Bündnis Bezahlbares Wohnen, die Altstadtfreunde München und die Wählergruppe HUT mit dabei.

In dem Neubau sollen acht Wohnungen mehr entstehen, "aber wer soll sich die leisten können", fragt Gabriela Weitenauer, die mit ihren Nachbarn aus dem Haus Nummer 51 gegen den Abriss und den geplanten Neubau kämpft.

Dass der Bezirksausschuss, der Denkmalschutz und sämtliche zuständigen Behörden dieses Projekt durchgewunken haben, kann man in Schwabing nicht verstehen.

"Natürlich ist ein Abriss und Neubau oft günstiger", sagt Gabriela Weitenauer. Dennoch können die Nachbarn nicht verstehen, dass hier der Ensembleschutz derart missachtet wird. Sie finden, durch eine Sanierung würde das malerische Straßenbild wiederhergestellt werden.

Stattdessen würde durch den geplanten Neubau neben dem Gebäude Herzogstrasse 47, das ohnehin schon eine Bausünde aus den 70er Jahren darstellt, ein weiterer "sich nicht ins Straßenbild einfügender massiver Baukörper hinzugefügt".

Die Nachbarn sind sauer: Durch diese Missachtung des Ensembleschutzes werde hier nicht im Sinne der Schwabinger Historismus-Bebauung gehandelt.

Das gesamte Quartier zwischen Kaiser- und Clemensstraße, über die Belgradstraße hinaus sei mit seinen vorhandenen Gebäuden als städtisches Quartier von malerischer Schönheit zu erhalten. Die Häuser auf dem gegenübergelegenen Pündterplatz wurden, ebenso wie jene um den südwestlich gelegenen Kaiserplatz, von Architekt Anton Wörz um 1900 gebaut.

Die Nachbarn sorgen sich außerdem auch um ihr Anwesen:

Indem das neue Gebäude mehrere Meter über die bestehende Hausgrenze hinaus gebaut werden soll, werde das Gebot der Rücksichtnahme ignoriert.

Soll heißen: Der Neubauklotz würde das Grundstück nach Süden hin fast vollständig ausfüllen. "Das stellt für die Südseite des Hauses Herzogstraße 51 eine massive Einschränkung der Belüftung, Belichtung und der Besonnung dar", sagen die Nachbarn.

Auch die für den Neubau geplante Tiefgarage erregt Widerstand: Die Einfahrt der geplanten zweigeschossigen Aufzugs-Tiefgarage soll an das angrenzende Haus Nr. 51 verlaufen: Durch den unterirdischen Hohlkörper werde dies zu Vibrations- und Lärmbelästigung in den angrenzenden Wohnungen führen.

Die Abluft der Tiefgarage werde sich zudem in dem dann nahezu eingemauerten Innenhof - nur noch eine Südseitenöffnung ist dann unmittelbar vorhanden - von Haus Nr. 51 fangen.

Außerdem wissen die Anwohner der Nummer 51 bisher nicht, ob ein Tragwerksplan existiert und, ob der die Standsicherheit ihres Hauses während des Abrisses und der Baumaßnahmen garantiert.

Ob die Anwohner mit ihrer Protest-Aktion die schon beschlossenen Pläne stoppen können, muss sich zeigen. Die Nachbarn wollen gegen die Pläne klagen, außerdem fordern sie Einsicht in das Gutachten, das belegen soll, ob das Haus tatsächlich nicht sanierbar ist.

Max Heisler vom Bündnis Bezahlbares Wohnen findet die Aktion trotzdem wichtig: "Es ist wichtig die Münchner zu sensibilisieren, genauer hinzuschauen, etwa wenn ein Haus lange leersteht. Nur dann kann man dann frühzeitig alle Möglichkeiten, die die Bürger haben, ausschöpfen", sagt er. Und: "Das Stadtbild nicht dem Kommerz geopfert werden. 

 

33 Kommentare

Kommentieren

  1. null