Gefährliche Telefonstreiche Swatting: Falsche Notrufe mit tödlicher Folge

Polizisten untersuchen am 29.12.2017 in Wichita (Kansas, USA) einen Einsatzort, nachdem ein Anrufer via Notruf angegeben hatte, er habe seinen Vater erschossen und seine Mutter als Geisel. Die Polizei rückt aus und erschießt einen Mann, der sich verdächtig verhält. Dann stellt sich heraus, dass Geiselnahme und Tötung nur erfunden waren. Foto: Fernando Salazar/The Wichita Eagle/dpa

Telefonstreiche sollten in der Regel lustig und harmlos für alle Beteiligten sein. Doch was, wenn diese Streiche zu weit gehen? Ein Beispiel für negative und teilweise gefährliche Konsequenzen stellt der Trend des "Swattings" dar.

"Swatting" hat seinen Ursprung in den USA. Der Begriff bezeichnet einen Telefonstreich, bei dem ein falscher Notruf bei der Polizei abgesetzt wird. Vom Anrufer werden falsche Kontaktdaten und Adresse hinterlassen. Ziel des Streichs ist es, ein Spezialkommando zu einem Opfer zu locken. "Swatting" wird von der amerikanischen Spezialeinheit Special Weapons and Tactics (SWAT) abgeleitet.

Swatting: Es begann mit einem Fehlalarm in Hollywood

Die ersten Fälle von "Swatting" begannen bereits 2012. In Hollywood wurden etliche Stars Opfer von diesen Telefonstreichen, darunter Tom Cruise, Paris Hilton, Miley Cyrus oder Justin Bieber. Im Januar 2013 löste ein falscher Notruf einen Großeinsatz bei Kim Kardashian aus. Die Polizei rückte mit dutzenden Streifenwagen und drei Helikoptern an und das Haus wurde umstellt.

Ein paar Wochen darauf wurde das Haus von Sängerin Rihanna gestürmt, weil sich bewaffnete Männer im Haus aufhalten sollten. Auch dieser Notruf stellte sich als falsch heraus.

Falsche Notrufe auch in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es "Swatting"-Fälle. Bei dem deutschen Youtuber "Drachenlord" stand im Juli 2015 während eines Livestreams 110 Feuerwehrleute in 20 Wagen, zwei Streifenwagen und zwei Rettungswagen vor dem Haus. Ein 25-jährige Anrufer hatte wohl aus Frust und Ärger über den Stream von "Drachenlord" einen Brand gemeldet. 

Solch ein Scherz kann schnell rechtliche Folgen haben. Im Fall von "Drachenlord" wurde der Täter zu 3,5 Jahren Haft verurteilt.

Erstes Todesopfer in den USA

Mittlerweile sind diese Streiche in der Online-Gaming-Szene besonders beliebt. Es ein Mittel, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen, damit dieser das laufende Spiel verliert, oder sich für ein verlorenes Spiel zu rächen. Dass das "Swatting" gefährlich und sogar tödlich enden kann, zeigt ein aktueller Fall aus den USA. Hier wurde am 30. Dezember 2017 ein Familienvater von der Polizei nach einem falschen Notruf erschossen.

Ein 25-jähriger hatte den Notruf angerufen und behauptet, seinen Vater erschossen zu haben und seine Mutter und seinen Bruder als Geisel zu halten. Außerdem drohte er damit, das Haus in Brand zu setzen. Die Polizei fuhr daraufhin zur angegebenen Adresse und traf vor dem Haus einen Mann vor. Durch eine Bewegung des Verdächtigen vermuteten die Polizisten fälschlicherweise eine Waffe und erschossen ihn.

Wie sich herausstellte, war der Notruf gefälscht. Der Anrufer hatte die Polizei offenbar nach einem Streit mit einem Computerspiel-Gegner zu dessen Adresse schicken wollen. Leider hatte er die falsche Adresse und schickte die Polizei zu einem Unbeteiligten. Der von der Polizei erschossene Mann hatte mit den beiden Spielern nichts zu tun.

Der Anrufer konnte verhaftet werden und steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

 

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