Gedenkfeier in München Hier trauern die Angehörigen um die OEZ-Opfer

In der Trauer vereint: Die türkisch-islamische Gemeinde hat der Opfer des OEZ-Amokläufers gedacht - die Bilder. Foto: Bernd Wackerbauer

Etwa 1000 Verwandte und Freunde nehmen in der Sendlinger Moschee vor den aufgebahrten Särgen Abschied von den acht toten Jugendlichen und einer Erwachsenen.

München – In einer ergreifenden Zeremonie hat die türkisch-islamische Gemeinde München am Dienstag der neun Mordopfer vom Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum gedacht.

Vor der Sendlinger Moschee in der Schanzenbachstraße nahmen mehrere hundert Verwandte, Freunde, Bekannte, Helfer und Augenzeugen unter freiem Himmel Abschied von den acht Jugendlichen und einer Mutter.

Sieben der Todesopfer waren Muslime, die meisten von ihnen stammten aus türkischen und albanischen Familien. Die traditionelle Waschung der Toten hatte zuvor in der Pasinger Moschee stattgefunden.

Einfach aus dem Leben gerissen - "Lieber wäre ich an ihrer Stelle gestorben"

Am Rande des Hofes standen die Särge mit der getöteten Mutter Sevda Dag (45) und dem Schüler Selcuk K. († 15). Selcuk starb im McDonald’s wie auch sein Freund Can (14), der in derselben Straße wohnte und mit dem er am 22. Juli unterwegs war. Der Schüler spielte leidenschaftlich gern Fußball und trainierte Thaiboxen.

Die 45-jährige Sevda Dag war am Freitag mit Freundinnen an der Bushaltestelle vor dem Olympia-Einkaufszentrum verabredet gewesen. Die Mutter von zwei Söhnen (19, 24) wollte in dieser Woche in die Türkei in den Sommerurlaub reisen. Seit 35 Jahren lebte sie mit ihrem Mann Haci, der seit 33 Jahren bei BMW arbeitet, in Deutschland. Ihre Söhne sind in München groß geworden.

Sevda Dag und ihre Freundinnen wollten am Freitag zusammen Kaffee trinken gehen und anschließend Mitbringsel für die Türkei einkaufen. Die Freundinnen verspäteten sich etwas – sie überlebten. Sevda Dag wurde von dem Amokläufer erschossen. Ihre Familie erfuhr erst am Samstag um 8 Uhr, dass sie tot ist.. „Sie hatte so ein weiches Herz. Lieber wäre ich an ihrer Stelle gestorben“, sagte ihr Mann zur AZ.

Kein Hass entwickeln, füreinander da sein

Ein Imam zitierte während der Trauer-Zeremonie Verse aus dem Koran, seine Kollegen lasen ein Bittgebet und ein Totengebet. Die Trauergemeinde betete mit zum Himmel geöffneten Händen. Der Imam rief dazu auf, keine Hassgefühle zu entwickeln, sondern für einander da zu sein.

Nach der Zeremonie nahmen die engsten Angehörigen und Freunde noch einmal direkt an den mit der grünen Fahne des Islam und der türkischen Flagge bedeckten Särgen Abschied. Frauen und Männer weinten, stützten sich gegenseitig, hielten sich im Arm. Hunderte kondolierten den Hinterbliebenen. Zum Schluss tragen Verwandte und Freunde die Särge zum Leichenwagen. Am Mittwoch wollte Sevda Dag als Urlauberin in die Türkei reisen. Nun kehrt sie als Tote in ihre Heimat zurück – sie und Selcuk werden dann bestattet.

Die Opfer, die aus dem Kosovo und Griechenland stammen, wurden bereits in ihre Heimat überführt. Selcuks Freund Can wird ebenfalls heute auf dem Waldfriedhof bestattet.

Am Sonntag werden der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler einen großen ökumenischen Gottesdienst in der Frauenkirche zelebrieren. Beginn ist um 16 Uhr. Um 18 Uhr ist im Plenarsaal des Landtags der gemeinsame Trauerakt von Landtag, Staatsregierung und Stadt München geplant.

 

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