Gedenken an George Floyd auf dem Königsplatz Über 25.000 Münchner demonstrierten gegen Rassismus

, aktualisiert am 08.06.2020 - 15:53 Uhr
Dicht an dicht protestieren die Demonstranten bei der Kundgebung am Königsplatz. Foto: imago images/ZUMA Wire

"Black lives matter": Bei einer Kundgebung auf dem Königsplatz und auf dem Karolinenplatz haben über 25.000 Münchner friedlich gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert. Angemeldet waren nur 200 Menschen.

 

München - Aus allen Richtungen strömen am Samstagnachmittag Menschen zum Königsplatz. Die meisten der vorwiegend jungen Leute tragen Schwarz als Zeichen der Anteilnahme und Solidarität mit dem Afroamerikaner George Floyd, der am 25. Mai in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme von Polizisten getötet worden ist. Viele der Demonstranten tragen Pappschilder. "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen), "I can’t breathe" (Ich kann nicht atmen) oder "Rassismus tötet" steht darauf.

Zu Beginn der Versammlung knien sich die Demonstranten schweigend nieder – acht Minuten und 46 Sekunden, so lange wie Georg Floyd mit einem Knie am Hals auf den Boden gedrückt wurde. Bis er erstickte.

Eigentlich sollte es ein kleiner, stiller Protest werden. 200 Teilnehmer waren genehmigt. Es wurden 25.000. Topmodel Papis Loveday und andere schwarze Redner berichteten auf dem Podium von ihren Erfahrungen mit Rassismus. "Ich habe in den USA, in Frankreich, Italien und Deutschland gelebt", ruft Loveday. "Und überall habe ich Hass erlebt." Der Publizist Jürgen Todenhöfer rief zum Kampf für Gleichheit auf.Die Münchner haben am Samstag ein eindrucksvolles Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt gesetzt. Es war eine der größten Demonstrationen in den vergangenen Jahren in München. Doch nach wie vor gelten Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln.

Veranstaltungen mit 10.000 Teilnehmern abgelehnt

In den vergangenen Wochen hatten die Gerichte Versammlungen stets mit maximal 1.000 Teilnehmern genehmigt. Veranstalter, die Demos mit 10.000 Teilnehmern organisieren wollten, um gegen Einschränkungen der Grundrechte zu demonstrieren, wurden stets abgelehnt. Begründung: Dann könnten die geltenden Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Genau das bestätigte sich am Samstag.

Mit so vielen Teilnehmern hatte allerdings niemand gerechnet. Zumindest nicht die Polizei. Man habe sich an Anti-Rassismus-Versammlungen in anderen Städten orientiert, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins zur AZ. Dort seien maximal 3.000 Menschen zusammengekommen.

Die Konsequenz der Fehleinschätzung war, dass die Polizei "nur" 600 Polizisten am Königsplatz eingesetzt hatte. Diese positionierten sich vor allem in den Straßen, die sternförmig zum Königsplatz führen. Als die Teilnehmerzahl etwa 1.000 erreicht hatte, sperrten die Polizisten die Straßen ab. Doch da immer mehr Menschen nachdrängten, räumten sie die Absperrgitter wieder weg. "Sonst hätte Gefahr für Leib und Leben bestanden", so der Polizeisprecher. Um mehr Platz zu schaffen, wurde der Karolinenplatz für den Verkehr gesperrt.

Trotzdem standen die Demonstranten bald wieder dicht an dicht. Durchsagen, die Abstandsregeln einzuhalten, wurden sinnlos. Selbst, wenn sie wollten, hätten die Teilnehmer keine 1,50 Meter zum Nebenmann oder der Nebenfrau einhalten können. Wenigstens trugen fast alle einen Mund-Nasen-Schutz.

Die Polizisten sahen über die massenhaften Verstöße hinweg. Nur wenn Demonstranten auf Laternen oder Mauern kletterten, wurden sie aktiv.

Darum hat die Polizei den Platz nicht geräumt

Den Platz zu räumen, war für die Polizei keine Option. Dabei hätte die Gefahr einer Massenpanik mit vielen Verletzten oder sogar Toten bestanden. Ein Einschreiten wäre "unverhältnismäßig" gewesen, so sagt es die Polizei.

So ging die Versammlung "ganz entspannt, friedlich und völlig störungsfrei" zu Ende. Ohne Gewaltanwendung oder Panik – obwohl ein paar Einzelne in der dicht gedrängten Menge vor den Propyläen Pyrotechnik zündeten.

Eindrücke von den Münchner Protesten sehen Sie in unserer Bilderstrecke oben.


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