Gaztro Nach Art der pockennarbigen, alten Frau

So schaut ein moderner Chinese aus: das LeDu in der Klenzestraße. Foto: ho

Gut gedämpft: In der Klenzstraße werden mit Dim Sum Klassiker der chinesischen Küche zum günstigen Preis serviert.

 

Isarvorstadt - Was hierzulande unter chinesischer Küche verstanden wird, hat mit dem Original meist wenig bis überhaupt nichts zu tun. Schweinefleisch süßsauer, Peking-Ente und Co. mögen zwar schmecken, doch echt chinesisch sind die Gerichte nicht.

Dim Sum sind da schon wesentlich typischer und diese gedämpften Gerichte gehören zu den Spezialitäten im LeDu in der Klenzestraße.

Das LeDu ist keines dieser chinesischen Restaurants im Zeichen des Jadedrachens, der feuriges Glutamat spuckt. Der Laden ist äußert geschmackvoll und modern eingerichtet. Auch der Service macht zunächst einen ausgesprochen guten Eindruck. Es gibt ein Glas Wein zur Begrüßung und eine sympathische Erläuterung der Karte.

Im LeDu kann der Gast seine Menüs selbst zusammenstellen und sich somit einen geschmacklichen Überblick über Dim Sum und Co. verschaffen. Die Wahl fällt auf ein individuelles Drei-Gänge-Menü für ziemlich günstige 19,90 Euro.

Der gewählte Wein (Riesling Fass 68 von Philipp Wittmann, 22 Euro für die Flasche) ist zwar teurer als das Essen, schmeckt allerdings ziemlich fein.

Die Vorspeisen werden recht schnell serviert und mindestens genauso schnell wird klar, dass im LeDu günstig und gut zusammenpasst. Weder an der Miso-Suppe noch am würzigen Hühnersalat Ji Si Sha La gibt es etwas auszusetzen.

Die Erwartung an den nächsten Gang sind entsprechend hoch – werden aber leider enttäuscht. Bei den Sojabohnen-Edamame hat die Küche das Salz vergessen und so sind die Bohnen ausgesprochen fad. Die gebratenen Dim Sum mit Rindfleisch sind optisch wegen ihrer fast schwarzen Farbe ein Hingucker, Aroma und Konsistenz sind dagegen unspektakulär.

Auch die nächsten Gerichte können leider nur teilweise überzeugen. Erstaunlicherweise hat das Ma Po Dou Fu, ein Tofugericht, mehr geschmackliche Nuancen als das Hühnerfleisch mit Pilzen und Gemüse (San bei Ji).

Aus Interesse wird die Übersetzung von Ma Po Dou Fu nachgeschlagen. Die Bedeutung lautet „pockennarbige alte Frau“. Eine clevere Idee, die Übersetzung nicht in die Karte zu schreiben.

Das LeDu kann durchaus gefallen – allerdings hauptsächlich optisch. Beim Essen und Service, der am Ende des Abends massiv abfiel und die halbleeren Teller einfach nicht mehr abräumte, müssen leider Abstriche gemacht werden.

Klenzestraße 62, Telefon 726 379 28, Mo bis Do 11 bis 24 Uhr, Fr bis So bis 1 Uhr, www.ledu-dimsum.de

 

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