Gastro-Größen und Künstler interessiert Dachauer Straße 90: Ein neuer Platz zur Zwischennutzung

, aktualisiert am 07.02.2019 - 08:12 Uhr
Interessenten für das ehemalige Gesundheitshaus. Unter anderem mit dabei: Maximilian Heisler (l.) und Zehra Spindler. Foto: Daniel von Loeper

Im alten Gesundheitsamt an der Dachauer Straße sollen für fünf Jahre Künstler und Wirte einziehen. Viele Gastro-Größen des Münchner Nachtlebens interessieren sich.

 

München - Manche verstecken ihr Gesicht hinter Sonnenbrille und Mütze, manche sind redselig: Gastro-Größen des Münchner Nachtlebens huschen am Mittwoch zur Türe des früheren Gesundheitshauses an der Dachauer Straße 90. Sie wollen pünktlich zur Besichtigung um 13.30 Uhr erscheinen. Zuvor hatte das Kommunalreferat 21 Zwischennutzungs-Interessenten eingeladen.

Gebäude steht seit Mitte 2016 leer

Denn das Gebäude mit fast 9.000 Quadratmetern Nutzfläche steht seit Mitte 2016 leer und ist sanierungsbedürftig. Zuletzt wurde dort Blut gespendet. Abgezapft. Doch bald könnte hier Bier gezapft werden. Bevor das Haus wohl mittelfristig abgerissen wird, weil "derzeitige Kalkulationen darauf hindeuten, dass die Kosten einer Sanierung die Kosten eines Neubaus übersteigen würden", wie ein Sprecher des Kommunalreferats vor Ort sagt.

Aktuell nutzt das Landeskriminalamt das Haus am häufigsten, für Geiselnahme- und Terrorübungen, geschossen wird dann mit Farbpatronen. Damit es bis zum wahrscheinlichen Abriss nicht leer steht, wurde eine Ausschreibung angesetzt: Fünf Jahre lang soll das Areal genutzt werden.

Einige Interessenten bekannt von Münchens "Feierbanane"

Die Interessenten kommen teils zu zweit oder zu dritt. Etwa 50 Personen erscheinen am Mittwochmittag, um sich ein genaueres Bild zu machen. Einige Interessenten sind bekannt von der "Feierbanane" an der Sonnenstraße und hatten schon früher am Kunstpark Ost Clubs und Lokale.

Auch der Chef des Kulturstrandes am Vater-Rhein-Brunnen ist da. Ganz ungewohnt scheut Benjamin David das Gespräch und begibt sich direkt zum Eingang. Andere Gastro-Betreiber sowie Kunst- und Kulturschaffende stellen sich an diesem sonnigen Tag vor die Kamera und sprechen mit der AZ über ihre Idee, was sie aus dem bald größten Zwischennutzungsareal Münchens künftig machen wollen - mal etwas genauer, mal etwas vage.

Gastro-Größen aus München interessieren sich

Florian Schönhofer etwa wurde etwas genauer. Mit Zwischennutzung kennt er sich aus. Er betrieb zwischenzeitlich das ehemalige Café Forum im Glockenbachviertel und nannte es "404". Er könnte sich vorstellen, das dortige Projekt weiterzuführen und auszubauen. "Mir ist das Thema digitaler Wandel total wichtig", sagt der Co-Chef des Café Kosmos, "ich würde hier Debatten über die digitale Revolution organisieren, dazu natürlich Gastro und Kulturveranstaltungen packen." 

Viele Interessenten, aber noch keine Entscheidung

Ein wenig schreckt ihn die Legionellen- und Asbest-Belastung ab, die im Vorfeld öffentlich wurde. "Aber ich glaube, das bekommt man in den Griff", sagt er nach der Besichtigung, "das Gebäude ist in einem besseren Zustand, als ich dachte."

Zehra Spindler ist ebenfalls ganz offen. Sie möchte hier Kunst, Musik und Kulturveranstaltungen mischen. "Einige Kollegen wandten sich bei der Besichtigung an mich", erzählt sie, "es wäre durchaus ein Konglomerat vorstellbar, bei so einem großen Gebäude. Ich glaube, es stehen in nächster Zeit viele Gespräche mit der Stadt und Kollegen an."

Spindler ist bekannt vom ehemaligen Puerto Giesing an der Tegernseer Landstraße. Sie konnte das frühere Hertie-Haus einige Jahre zwischennutzen, bevor es abgerissen wurde. Unter Spindlers Leitung pulsierte das Eck als Kunst-, Kultur-, und Partyzentrale der Stadt. Im ehemaligen Gesundheitshaus möchte ich versuchen, Kunst, Musik aber auch digitalen Themen wie IT und Software einen Raum geben", sagt Spindler, "im Idealfall vernetzen sich die Menschen dann eigenständig."

Wer bekommt den Zuschlag für die Zwischennutzung?

Maximilian Heisler kennt man ebenfalls aus dem Münchner Nachtleben. Der Mieteraktivist betreibt die Geyerwally - und mit Brauer Tilman Ludwig das "Frisches Bier". Heisler spricht zwar mit der AZ über sein Interesse für das Gebäude, hält sich aber eher bedeckt. "Ich kann leider nicht mehr erzählen", sagt er, "ich komme heute nämlich gemeinsam mit Tilman Ludwig stellvertretend für eine Gruppe von etwa zehn Interessenten." 

Von dem Gebäude ist er begeistert. "Es ist innen nicht so schlimm wie befürchtet", sagt Heisler, "aber ich kann schon jetzt sagen: Wir haben Lust auf mehr." Innen wirkt das Gebäude tatsächlich relativ gut intakt und aufgeräumt, wenn auch etwas gespenstisch.

Auch ein Café könnte einziehen

An den Wänden sieht man die farbigen Paintball-Einschläge der Landeskriminalamt-Übungen. In einigen Monaten, sobald klar sein wird, wer den Zuschlag für die Zwischennutzung bekommt, könnten Künstler, Freiberufler und mindestens ein Café einziehen.
 


Das ehemalige Gesundheitshaus aus dem Jahr 1964 an der Dachauer Straße 90 liegt in der Maxvorstadt. Das Bürogebäude soll für fünf Jahre in sogenannter Erbbaupacht zur Zwischennutzung vergeben werden, ohne Verlängerung. Erbbaupacht bedeutet in dem Fall auch, dass die Interessenten in ihrer Bewerbung vorschlagen können und sollen, wie hoch die Pacht über die fünf Jahre sein soll. Den Zuschlag bekommt aber nicht das höchste Gebot, sondern das insgesamt schlüssigste Konzept. Bis zum 1. März 2019 haben nun die Interessenten Zeit, dem Kommunalreferat ihre Idee vorzulegen. Bevor das Gebäude nutzbar ist, müsste es zunächst entrümpelt werden. Die komplette Elektrik ist veraltet, eine vorgeschriebene Brandmeldeanlage fehlt. An einigen Lüftungsanlagen wurde Asbest sowie eine starke Legionellenbelastung im Leitungswasser festgestellt.

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