Galerien in München: Häusler Contemporary Auf Umwegen zur Künstlerseele

Vier Augen sehen mehr als zwei, findet Wolfang Häusler, der hier mit seiner Frau Christa – „Sie ist das Gewissen der Galerie“ - vor Arbeiten des New Yorker Malers Michael Venezia steht. Foto: Marco Funke/Häusler Contemporary

Manchmal ist es gar nicht so schlecht, wenn Eltern einem die „Flausen“ ausreden. Wolfgang Häusler hat davon sogar profitiert – um an Ende doch ein erfolgreicher Galerist zu werden

 

Eigentlich war die Sache früh klar. Mit gerade mal siebzehn hatte Wolfgang Häusler die Biografie von Daniel-Henry Kahnweiler verschlungen und wollte nur noch eins: Kunsthändler werden. Vielleicht nicht gleich mit Titanen wie Pablo Picasso, aber dieses kundige Vermitteln war genau das, was dem Teenager aus Bregenz vorschwebte. Doch wie es halt so ist – die Eltern fanden die Idee vollkommen absurd. Dem Vater, einem Lehrer, war nach was Ordentlichem. Also begann der kunstsinnige Filius eine Banklehre.

„Ein Umweg, sicher“, sagt Häusler, der sich eben noch in der „Dunkelkammer“ für James Turrells Projektion „Sloan Red“ begeistern konnte, die binnen Sekunden zur Skulptur wird und immer weitere Seheindrücke provoziert. „Aber mich gäb’s schon lange nicht mehr, wenn ich nicht in der Bank gearbeitet hätte.“ Und Kahnweiler, der legendäre Händler von Braque, Léger oder eben Picasso, hatte ja auch so angefangen. Überhaupt sei das die beste Basis, betont Häusler, schließlich müsse man in einer Galerie ständig mit Geld jonglieren, auch wenn alle dauernd so tun, als sei das Nebensache.

In dieser Offenheit hört man das selten. Mag sein, dass das auch mit der Nähe der Vorarlberger zum Allgäu und zur Schweiz zu tun hat. Alemannen reden nicht gerne um den heißen Brei herum und sowieso eher weniger als mehr. Auch Wolfgang Häusler ist keiner, der seine Kunden bequasselt, höchstens gibt er Stichworte, erklärt das Nötigste. Wenn man dann mit ihm durch die Galerie an der Maximilianstraße geht, oder durch einen der zahlreichen Kataloge in seinem Kontor blättert, kommt er auf zurückhaltende, leise Art ins Schwärmen.

Künstler, die durch besondere Konzepte auffallen oder mit neuen Materialien experimentieren, Leute, die etwas riskieren, das waren schon immer seine Heroen. Und in dieser Reihe sind für ihn auch Gary Kuehn oder der 1988 viel zu früh verstorbene Bill Bollinger zu sehen. Ihre minimalistischen Positionen verblüffen noch nach Jahrzehnten. Auch der äußerst komplex agierende Jürgen Partenheimer, der bald in der Pinakothek der Moderne einen Auftritt hat, gehört zu Häuslers Langzeitkandidaten. Doch der 63-Jährige arbeitet genauso mit jüngeren Künstlern. Dem grisailleaffinen schottisch-chinesischen Maler Craig Yu etwa, der in Chicago lebt, Alejandra Seeber aus Argentinien, die vom Gegenständlichen her kommt und auf ihren Bildern die Suche nach Räumen nie ad acta gelegt hat, oder der Amerikanerin Judy Ledgerwood, die ihren Formenkanon aus Rauten, Blüten und Ovalen in sehr erfrischenden, farbintensiven Formationen ordnet.

Prestigeobjekte oder Modeerscheinungen sind Häuslers Sache nicht, da ist er sich mit seiner Frau Christa, einer Kunsthistorikern, völlig einig. Für beide stehen Inhalte im Vordergrund. „When Attitudes Become Form“ hat das Harald Szeemann 1969 in seiner berühmt gewordenen Ausstellung in Bern formuliert, dafür braucht man Geduld, Ausdauer – und ein Händchen für komplizierte Künstlerseelen.

„Turrell zum Beispiel sagt nie was. Wenn er sich umdreht und gleich wieder geht, weiß ich inzwischen, dass es ihm nicht gefällt“, erzählt Häusler. Dann ist Einfühlung gefragt. Was nach bald 20 Jahren Zusammenarbeit nicht mehr so schwer ist. Mit Turrells Lichtinstallationen wurde 1997 das Kunsthaus Bregenz eröffnet, Häusler hat damals beraten und diese erste Ausstellung begleitet. Seither vertraut der Amerikaner auf dessen besondere Kreativität und Vermittlungsgabe.

Die fiel übrigens schon zu Bankzeiten auf. Sein damaliger Chef ließ ihn einfach machen. Und bald befasste sich Häusler mit Produktgestaltung, Marketing, bewies viel Fantasie, um nach einigen Erfolgen doch in der Kultur zu landen. Erst als Vermittler und eben Berater – ab 1988 mit eigenem Büro in Bregenz –, um Kunst und Architektur zusammen zu bringen. Vier Jahre später, 1992, eröffnete er dann die ersten Räume in München an der Pettenkoferstraße. Seinem Landsmann Wolfgang Flatz, der erst im Dezember auf dem Tollwood mit fünf Dutzend Nackerten gegen Käfighaltung protestiert hat, galt damals die erste Ausstellung. Eine aufregende Zeit, nach ein paar tollen gemeinsamen Projekten ging man allerdings wieder getrennte Wege.

Und jetzt, nachdem Häusler 2007 in Zürich eine Dependance eröffnet hat und bald 25 Jahre Kunst zeigt? „In Pension geh’ ich nicht“, das hat er schon zu seiner Frau gesagt, Altersbeschränkungen sind in diesem Metier eh kein Thema. Viel lieber will er expandieren, internationaler werden. Mit seinem schlagkräftigen kleinen Team, dem kritischen Auge seiner Frau und einer guten Portion Geduld. Auch so was hat man früher in der Bank gelernt.

Häusler Contemporary, Maximilianstraße 35, Eingang Herzog-Rudolf-Straße, Ausstellung „James Turrell – Projections 1968“ bis 28. Februar – Di bis Fr 15 bis 18, Sa 11 bis 14 Uhr, www.haeusler-contemporary.com

 

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