Galerien in der Coronakrise Neues von Max Goelitz und Barbara Gross

Die Galeristin Barbara Gross. Foto: privat

Max Goelitz hat Häusler contemporary übernommen, Barbara Gross schließt ihre Galerie

 

Das hatten sich sowohl Barbara Gross als auch Max Goelitz anders vorgestellt: Gross, fast ein Urgestein der Münchner Galerie-Szene und unermüdliche Förderin von Künstlerinnen, wird Ende Mai nach 32 Jahren ihre Räume im Kunstareal schließen. Goelitz, seit 2011 Mitarbeiter und zuletzt Direktor bei Christa und Wolfgang Häusler, übernahm zum 1. April die Galerie Häusler contemporary in der Innenstadt.

Goelitz will die renommierte Galerie nun unter eigenem Namen ein wenig verjüngen und noch internationaler aufstellen. Gross möchte ihre jahrzehntelange Arbeit mit einer Abschieds-Ausstellung und einem Abschlussfest krönen. Noch Anfang März konnte sich keiner vorstellen, welche Schwierigkeiten dieses Timing bedeuten würde. Doch dann kam Corona. Vier Wochen Hochspannung und Ungewissheit: Goelitz hat immerhin vier Mitarbeiter, Gross muss unter verschärften Bedingungen die Galerie abwickeln und den Umzug organisieren.

Umso größer ist nun die Erleichterung, dass die Galerien unter Beachtung der Sicherheits- und Hygienebedingungen ab Montag wieder öffnen dürfen. Abgesagt bleiben natürlich sämtliche Previews und Openings, Finissagen etc., die sonst den Aufmerksamkeitsfaktor beim kaufbereiten Kunst-Publikum hochhalten.

Erste Schritte in der analogen Öffentlichkeit

Max Goelitz darf nun theoretisch sogar fünf Besucher gleichzeitig in die Räume mit rund 120 Quadratmetern Fläche einlassen – eine Besucherzahl, die in einer Galerie abseits von Vernissage und Veranstaltungen in normalen Zeiten allerdings selten vorkommt. Nachdem er seine Eröffnungsschau „Take me to“ bisher nur online präsentieren konnte, mache seine Galerie nun „die ersten Schritte in der analogen Öffentlichkeit“, erklärt Goelitz. Und es gibt bereits viele Voranmeldungen.

Zum Auftakt zeigt er ab Montag eine Mischung aus etablierten Häusler-Künstlern wie Keith Sonnier und jungen internationalen „Top-Positionen“ (Maximilianstraße 35/Eingang Herzog-Rudolf-Straße, Mo bis Fr 11-19, Sa 11-16 Uhr). Er will einerseits hier etwa Neïl Beloufa, Nina Carrell und Haroon Mirza, die in Deutschland bisher keine Galerie hatten, zu Bekanntheit verhelfen sowie umgekehrt dem Münchner Newcomer Nico Abramidis & NE, der 2018 den Ars-Viva-Preis bekam, international.

Ein leichtes Aufatmen

Nach anfänglichem Muffensausen sieht der Jungunternehmer in der Krise auch „eine Chance für die lokalen Galerien“, schließlich werde es auf unbestimmte Zeit keine internationale Biennalen und Messen geben, bei denen sich auch die Münchner Händler und Sammler stets trafen. Dass der „globalisierte Event-Strudel“ nun zwangsläufig entschleunigt wird, ist für ihn nicht nur Nachteil: „Da ist man ein Stück weit von getrieben, da werden auch einige Kollegen aufatmen.“

Mehr denn je seien jetzt eben „nicht Aktionismus, sondern qualitätvolle Inhalte“ gefragt. „Man muss neue Formate finden. Und die individuelle Betreuung der Kunden wird weiter intensiviert“, so Max Goelitz. Was aber zugleich leider auch bedeutet: Die Auseinandersetzung mit Kunst ist bald noch exklusiver.

Mehr Zeit für die Enkel

Barbara Gross wollte eigentlich zum Abschluss das Gegenteil: ein großes Fest für alle. Daraus wird nun nichts. Aber ihr Entschluss, die Galerie zuzusperren, reifte bereits im Herbst. Ab Dienstag zeigt sie jetzt noch für drei Tage die Gegenüberstellung von Silvia Bächli und Marthe Wéry. „Für „Open/Closing Doors“ ab 8. Mai räumt sie dann ihr Lager und bietet kleinere Arbeiten, Grafiken und Fotografien von Beate Gütschow, Anna Oppermann, Katharina Sieverding und Jana Sterbak zu erschwinglichen Preisen an, auch Künstlerbücher werden verkauft (Theresienstraße 56, Di bis Fr 11- 18.30, Sa bis 16 Uhr; ab 8.5. „Open/Closing Doors“, Di bis Fr 14 -18.30, Sa 11 - 16 Uhr).

Doch ein endgültiger Abschied vom Kunst-Betrieb ist es trotzdem nicht. Barbara Gross: „Ich stelle den Ausstellungsbetrieb ein, der immer aufwendiger geworden ist und ständig neue Herausforderungen bietet. Doch meine Künstler betreue ich freiberuflich weiter. Ich will mehr Zeit für meine Enkel haben. Dass ich mich nur noch meinem Garten widme, ist ein Gerücht.“

 

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