Galerie Bernhard Wittenbrink Die Kunst der Kommunikation

Berhard Wittenbrink vor dem Gemälde "Jimmy" von Florian Thomas Foto: Petra Schramek

 Bernhard Wittenbrink bringt seit vier Jahrzehnten in München Künstler und Käufer zusammen

Der Künstler in ihm ging verschüttet, bevor er sich hätte entwickeln können: Nach dem Abitur meldete sich Bernhard Wittenbrink an der Hamburger Kunstakademie an, der Vater schritt ein und bestand auf eine "richtige" Ausbildung. So landete Wittenbrink in einem Kunstverlag und schulte sein Auge beim Vergleich von Museumsbildern und Reproduktionen. Aber schon im Alter von 20 Jahren begann er mit dem, was der heute 63-Jährige noch immer tut: Künstler und Käufer zusammenbringen. "Ich bin ein Dienstleister", sagt Wittenbrink mit Überzeugung. Gemeinsam mit seiner Frau Hanna kämpft er dafür, Menschen mit Kunst in Verbindung zu bringen, Hemmschwellen abzubauen, die Kunstwelt zu öffnen. Deswegen hat er in München auch die Open Art mitinitiiert.

Rund 20 Künstler betreut die Galerie, mit dem Bildhauer Vladimir Skoda besteht die Zusammenarbeit schon dreieinhalb Jahrzehnte. Andere "wachsen einfach raus", sagt Wittenbrink. So wie Antony Gormley oder Andreas Gursky, deren Werke schlicht zu teuer wurden. Aber die Basisarbeit ist für Wittenbrink ohnehin das Spannendste an der Kunst. "Man muss einfach neugierig bleiben und sich einen frischen Blick bewahren." Er schaut sich gerne um, was die Kunststudenten in München treiben und würde niemanden, der ihm seine Mappe präsentieren möchte, abweisen. Denn vom Klischee "In Berlin wohnen die Künstler, in München die Käufer" ist für ihn eher die zweite Satzhälfte eine Wahrheit. "Wir haben ganz wunderbare Künstler hier, sagt er. Zur Zeit sind die Bilder von Florian Thomas zu sehen, der 1995 die Münchner Akademie absolvierte und mit seinen gewaltigen Farbexplosionen wie dem titelgebenden "Impressionnant chaos" auch von Sammlern wie Frieder Burda geschätzt wird.

Galerist zu sein, bedeutet für Wittenbrink vor allem, Aufbauarbeit zu leisten und Künstlern die Möglichkeit zu geben, kontinuierlich zu wachsen. Nur im Kontext einer Galerieausstellung kann ein Künstler reifen, erst im Zusammenspiel von Galerien, lokalen Museen, Medien und Sammlern kann ein Name aufgebaut werden. Der überhitzte Kunstmarkt mit seinen explodierenden Millionenbeträgen für Koons, Bacon oder Warhol verfälscht den Blick auf das reale Geschäft. Kunst als Geldanlage? Davon hält Wittenbrink wenig. "Das Kunstwerk muss den möglichen Käufer begeistern, irritieren, in Spannung versetzen. Die persönliche Beziehung ist das entscheidende Kriterium für einen Kauf", sagt er. Seit zehn Jahren hat Wittenbrink eine Dependance in den Fünf Höfen, im Edelshopping-Tempel, wo täglich rund 11 000 Menschen flanieren - und dabei Bilder durch die Glasfenster seiner Galerie betrachten können. Kunst dort, wo sie niemand erwartet: Das ist genau nach Wittenbrinks Geschmack. Und es lohnt sich auch finanziell.

Sein Haupthaus hat er vor zwei Jahren aus der Jahnstrasse in die Türkenstrasse direkt gegenüber der Pinakothek der Moderne verlegt und die Öffnungszeiten an das Museum angepasst. Hier fängt er die Menschen mit dem Neonlasso von Aylin Langreuter ein, das von der Strasse aus sichtbar ist. "Das hat schon etliche Neugierige in die Galerie geführt", sagt Wittenbrink. Und dort sollen sie vor allem eines: in Ruhe schauen, die Bilder auf sich wirken lassen. Dass Sohn und Tochter bislang im Bauwesen ihre berufliche Bestimmung gefunden haben,stört ihn nicht: "Die haben als Kinder zu oft mit verstrubbelten und verkaterten Künstlern bei uns zu Hause am Frühstückstisch gesessen", sagt Wittenbrink und lacht herzhaft. Für ihn ist Galerist zu sein noch immer die schönste Beschäftigung - fast: "Eigentlich wäre ich ja noch lieber Sammler", sagt er. Aber Kunst ohne Abschiedsschmerz gibt es für Galeristen nicht. 

Die Ausstellung "Impressionnant chaos" mit neuen Bildern von Florian Thomas läuft noch bis Mitte Januar in der Galerie Wittenbrink, Türkenstrasse 16, Öffnungszeiten Dienstagbis Samstag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 - 20 Uhr

 

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