Gärtnerplatztheater Michael Sturminger über "Maria Stuarda"

Der Regisseur Michael Sturminger. Foto: dpa

Wie es der Regisseur Michael Sturminger schafft, innerhalb einer Woche „Maria Stuarda“ am Gärtnerplatz und „Tosca“ in Salzburg herauszubringen

In den vergangenen Wochen pendelte der Regisseur Michael Sturminger zwischen München und Salzburg. Am Donnerstag hat im Staatstheater am Gärtnerplatz seine Inszenierung von Donizettis Oper „Maria Stuarda“ Premiere. Am Samstag folgt in Salzburg Puccinis „Tosca“ zur Eröffnung der Osterfestspiele im Großen Festspielhaus.

AZ: Herr Sturminger, wie schaffen Sie es, zwei Opern gleichzeitig zu proben?
MICHAEL STURMINGER: Durch die Aufteilung in mehrere Probenphasen. Und beide Städte sind nicht weit voneinander entfernt. In München hat die Co-Regisseurin Ricarda Regina Ludigkeit die Bühnenproben übernommen, nachdem meine Arbeit mit den Solisten auf der Probebühne abgeschlossen war. Das alles ist aber nur der Tatsache geschuldet, dass ich mich schon lange auf „Maria Stuarda“ gefreut habe, ehe die Anfrage aus Salzburg kam.

Sie sind dort für Christoph Stölzl eingesprungen, der sich vor etwa einem Jahr entschlossen hat, die „Tosca“ nicht zu machen.
Ich habe erst gefragt, ob mich das Gärtnerplatztheater aus dem Vertrag entlässt, aber man wollte die Konstellation hier so lassen, wie sie war. Bühne, Kostüme und das ganze Setting waren schon fertig entworfen. Anderseits war die „Tosca“ in Salzburg eine Chance, die man nicht ausschlägt. Wir haben zusammen geprüft, ob es nicht doch zu schaffen ist, und in München etwas früher mit den Proben begonnen. Schon im Februar gab es hier den ersten Durchlauf.

Auf den ersten Blick haben beide Opern wenig gemeinsam. Haben Sie bei der Arbeit trotzdem Parallelen entdeckt?
Es sind zwei sehr verschiedene Inszenierungen geworden. Eine Belcanto-Oper wie Donizettis „Maria Stuarda“ lässt sich nicht naturalistisch inszenieren. „Tosca“ dagegen scheint mir ohne einen szenischen Realismus undenkbar. In meiner Inszenierung wirkt Puccinis Oper wie ein Film von heute. „Maria Stuarda“ wird eine ganz konzentrierte Sache, in der es um drei Figuren und ihr wechselndes Konstellationsdreieck geht. Die Regie ist vor allem dazu da, das Ohr zu schärfen.

Inwieweit ist „Maria Stuarda“ ein Dreieck?
Bei Donizetti ist letztlich Leicester die Hauptfigur. Der Tenor hat am meisten zu singen – großartig schöne Musik, wie ich finde. Er laviert zwischen Elisabeth und Maria, die sich nur in einer Szene treffen.

Hat Donizettis Oper mehr als die Namen mit Schillers Drama gemeinsam?
Schiller ist sehr wichtig: Das Zusammentreffen beider Königinnen ist seine Erfindung. Diese Szene ist der Nukleus dieser Oper.

Ist eine Belcanto-Oper für einen Regisseur nicht undankbar?
Man muss als Regisseur aussteigen aus der Idee, die Leute die ganze Zeit unterhalten zu wollen. Es ist ein Abend zwischen Konzert und Oper, ein reduziertes Theater. Auf diese Qualität muss man sich einlassen und nicht versuchen, sie zu unterlaufen.

Wann spielt „Tosca“ bei Ihnen?
In der Gegenwart, aber mit den gleichen Verbindungen zwischen Macht und mafiösen Strukuren. Und in den historischen Räumen der Vorlage. Den Palazzo Farnese gibt es heute noch – in Scarpias Büro residiert heute der französische Botschafter. Wir haben dort die Fresken fotografiert.

Bei den Osterfestspielen dominiert seit Karajans Zeiten der Dirigent. Und Christian Thielemann gilt auch nicht als einfach.
Es war von vorne bis hinten eine harmonische und konstruktive Zusammenarbeit. Ich habe die Proben mit der Staatskapelle Dresden regelrecht genossen. Wie die unter Christian Thielemann leise spielen können! Es ist das dichteste Pianissimo, das ich kenne.

Sie sind auch der Regisseur des Salzburger „Jedermann“ auf dem Domplatz. Wird es heuer etwas Neues geben?
Wir haben uns entscheiden, dieses Jahr das ganze Ensemble noch einmal einzuladen. Erst danach wird es Änderungen an der Besetzung geben. Aber ich habe mit dem Komponisten Wolfgang Mitterer eine neue Musik erarbeitet, die nicht nur zwischen den Szenen gespielt wird, sondern dieses Breitwandabenteuer mit einem sehr abstrakten elektronischen Soundtrack unterstützt.

Wie muss man sich das vorstellen?
Er hat seinen Anton Bruckner gelernt und macht gleichzeitig mit großer Freiheit elektronischen Free Jazz. Bei meiner Inszenierung läuten die Glocken der Kirchen gleich am Anfang. Wenn der Tod erscheint, läuten sie elektronisch rückwärts. Dann treten die Life-Instrumente hinzu. Mitterer hat eine sehr moderne, freie Musiksprache. Robert Braunmüller

„Maria Stuarda“ ab 22. März im Gärtnerplatztheater, Karten unter Telefon 2185 1960. Für die zweite Vorstellung von „Tosca“ am 2. April gibt es noch einzelne Restkarten unter www.osterfestspiele-salzburg.at

 

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