Gärtnerplatztheater "Die Kluge" von Carl Orff auf der Studiobühne

Sophie Mitterhuber (des Bauern Tochter, genannt "die Kluge") und Matija Meić (König). Foto: Christian P. Zach

Auf der Studiobühne wird eine reduzierte Fassung der Märchenoper „Die Kluge“ von Carl Orff uraufgeführt

 

Man kann natürlich immer fragen, ob es wirklich sein muss, ein eingeführtes musikalisches Werk zu bearbeiten. Im Falle von Carl Orffs Märchenoper „Die Kluge“ kann man aber genau so fragen, warum ein nicht einmal anderthalbstündiges Stück, dessen Charme in seiner künstlichen Simplizität liegt, durch einen massiven Orchesterapparat erdrückt werden soll.

Auf 15 Spieler haben Wilfried Hiller, ein Schüler und enger Vertrauter des 1982 verstorbenen Komponisten, und sein jüngerer Kollege Paul Leonard Schäffer die Begleitung reduziert: Ein Streichquintett, solistische Bläser und ein differenziertes Schlagzeug genügen, um keine Facette des Originals von 1943 unter den Tisch fallen zu lassen.

Schärfer und pointierter

Das Ergebnis ist sogar eine echte Verbesserung: Die Sänger kommen mühelos durch, was sich in durchgehender Textverständlichkeit äußert. Der Gesamtklang ist schärfer, pointierter, zumal der Premieren-Dirigent Andreas Kowalewitz die vorzüglichen Spieler des Gärtnerplatzorchesters wirklich zu einer Einheit zusammenfasst und die Präzision brillant zu funkeln beginnt. Nicht zuletzt gibt es einen logistischen Vorteil: Die Produktion ist ohne großen Aufwand transportabel, sie hat das Potential dazu, auf Reisen zu gehen. Das wäre schön, denn sie ist ein Aushängeschild für das Gärtnerplatztheater.

Für die Erzählung des Märchens hat der Regisseur Lukas Wachernig einfache und starke Bilder gefunden. Der König thront unter einem blattlosen Baum auf der Spitze eines schwarzen, schrägen Metallgerüsts, unter dem sich der Kerker befindet, in den der Bauer (bei aller Geschwätzigkeit sonor: Christoph Seidl) zu Unrecht geworfen wird.

Unschuldiges Weiß

Später kann der Bau als Marktplatz fungieren, auf dem die drei Strolche in den sorgfältig inszenierten grotesken Zwischenspielen ihr Unwesen treiben. Alle Personen mit Ausnahme der klugen Bauerntochter sind schwarz gekleidet (Bühne/Kostüme: Stephanie Thurmair) und bewegen sich auf der Studiobühne in einem sinistren Halbdunkel (Licht: Jakob Bogensperger), wobei sie dem Publikum oft gefährlich nahe kommen. Kein Zweifel: Es ist ein bedrückendes Reich, das der König regiert. Matija Meic gibt ihn mit robustem Bariton, doch er ist auch zur Zärtlichkeit fähig.

Um diese zu entdecken, braucht es nur die liebevolle Klugheit der Bauerstochter. Sophie Mitterhuber ist, vom Haarschopf bis zu den Schuhen in unschuldigem Weiß gehalten, wie eine Puppe dargestellt: In traumartiger Unbewegtheit reagiert sie auf die Grobheiten des Herrschers, es reicht schlussendlich ein einziges stilles Lächeln, um ihre letzte List, mit dem sie ihn zum fühlenden Menschen macht, zu veranschaulichen.

Frau Mitterhuber ist eine Idealbesetzung für diese Rolle: Ihr lyrisch timbrierter Sopran blüht nicht nur in der Höhe auf, sondern besitzt auch genügend Festigkeit für die vom Komponisten ausgiebig benutzte tiefe Lage. Vor allem aber holt sie mit viel gestalterischer Phantasie das Mögliche aus der kargen Partie mit ihren vielen Tonwiederholungen heraus. So begegnet man in dieser Inszenierung mit ihrer geschickten instrumentalen Neufassung einem der Hauptwerke von Carl Orff, das nicht nur gut für Kinder ab etwa zehn Jahren geeignet ist, sondern dem man auch wünscht, dass es durch eine solche geglückte Initiative wieder mehr in das allgemeine Bewusstsein rückt.

Weitere Vorstellungen am 4./11. Oktober/10. Januar/21./25. Februar (19.30 Uhr), 7./8./9. Oktober/8./9. Januar/20. Februar (10.30 Uhr) und 23. Februar (18 Uhr), Karten unter: (089) 2185 1960 sowie unter www.staatstheater-tickets.bayern.de.

 

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