Gärtnerplatztheater Anthony Bramall dirigiert die "Dreigroschenoper"

Julia Klotz (Spelunken-Jenny), Maximilian Mayer (Macheath) und Dagmar Hellberg (Celia Peachum) singen Kurt Weill. Foto: Marie-Laure Briane

Anthony Bramall dirigiert im Gärtnerplatztheater eine konzertante Aufführung der „Dreigroschenoper“ von Kurt Weill

 

Mit klassisch ausgebildeten Sängern, die sehr gut spielen, und Schauspielern, die sehr gut singen können, ist diese konzertante Aufführung der „Dreigroschenoper“ hübsch divers besetzt. Die stilistische Bandbreite passt nicht nur zu dem Stück von Bertolt Brecht und Kurt Weill, der ja in seiner Musik selbst mit verfremdeten Schlager-Elementen, Leierkastenklängen und Operetten-Persiflagen arbeitet.

Vor allem schlagen die Darsteller lustvoll Funken aus den Kontrasten: Maximilian Mayer singt den Macheath mit seinem schön timbrierten lyrischen Tenor sensationell geschmeidig, während Julia Klotz als Hure Jenny für ihren Song in herb realistische stimmliche Tiefen hinabsteigt. Und Dagmar Hellberg als Celia Peachum ist sowieso, wie immer, eine Klasse für sich.

Das Glanzstück dieser Produktion des Gärtnerplatztheaters, die ihre Premiere vor knapp vier Jahren im Circus Krone hatte, ist aber das Eifersuchtsduett von Polly und Lucy. Beide sind mit Mackie Messer verheiratet und können sich wechselseitig nicht verächtlich genug behandeln. Wie sich die Musicalspezialistin Nadine Zeintl, rothaarig und rotzig, und die Sopranistin Anna-Katharina Tonauer, die einen dramatischen Spitzenton umstandslos in ordinäres Gekeife verwandeln kann, angiften und sich dabei in ihrer Herablassung noch befeuern, ist schlicht köstlich. Jede Textzeile wird in einen passenden Gesichtsausdruck überführt.

Hier begegnet man nicht nur dem popularmusikalischen „Dreigroschen“-Anteil des Werks: Auch die Oper wird nicht vergessen. Leider trifft Anthony Bramall am Pult des an sich prägnant spielenden Gärtnerplatzorchesters nicht alle Tempi mit vergleichbarer Genauigkeit.

Es geht hier nicht um Geschmacksfragen. Wenn die flüssig parlierenden Sänger ihre Texte nicht mehr unterbringen können, wenn nicht jedes Wort seinen so wichtigen Sinn transportiert, dann ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit schlicht überschritten: ein kleiner Schönheitsfleck der Aufführung, die dem Geist eines Stücks, das sich mit seiner bewusst reduzierten Besetzung gut mit den gegenwärtigen Corona-Einschränkungen vereinbaren lässt, ansonsten voll und ganz gerecht wird.

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