Fund von Peggys Leiche Trauma-Experte: "Wie eine emotionale Vollnarkose"

Dr. Christian Lüdke erklärt, was Peggys Mutter in den letzten Jahren durchmachen musste. Foto: privat/dpa

AZ-Interview mit Dr. Christian Lüdke. Der 55-Jährige aus Essen ist Psychotherapeut und Trauma-Experte. Er ist spezialisiert auf die Betreuung von Gewalt- und Kriminalitätsopfern und sagt: Jetzt endlich kann Susanne Knobloch anfangen, zu trauern.

AZ: Herr Lüdke, es ist nun traurige Gewissheit: Die kleine Peggy aus Lichtenberg ist tot. Was bedeutet das jetzt für die nahen Angehörigen, vor allem für die Mutter?
CHRISTIAN LÜDKE: Für die Mutter ist es überhaupt das Schlimmste, was passieren kann, denn es werden zwei Lebensgesetze gebrochen. Zum einen: Das Kind stirbt vor den Eltern. Zum anderen: Das Kind stirbt eines nicht natürlichen Todes. Das ist so nicht vorgesehen und solche Mütter sind ein Leben lang untröstlich.

Aber ist es nicht auch eine gewisse Erlösung?
Natürlich. Nun hat das Hoffen und Bangen ein Ende, in dem die Mutter die vergangenen 15 Jahre lang gelebt hat. Sie hat sich ständig gefragt: Wo ist mein Kind? Sie hat das Mädchen womöglich noch lachend aus dem Haus gehen sehen und darum nicht begreifen können, dass es nicht mehr wieder kommt. Die traurige Gewissheit führt aus diesem Zustand heraus und letztlich zu einer Erleichterung, zur Erlösung aus der emotionalen Vollnarkose.

Was bedeutet das für den Trauerprozess?
Mit den sterblichen Überresten, die jetzt beigesetzt werden können, kann die Mutter endlich anfangen, richtig zu trauern. Das ist wichtig, um diesen traumatischen Prozess zum Abschluss zu bringen.

Wie kann man nach so einem schrecklichen Verlust wieder zurück in den Alltag finden?
Es ist ganz wichtig, dass die nahen Angehörigen eine stabile Person in ihrer unmittelbaren Umgebung haben. Familienmitglieder oder Freunde, die Zuversicht vermitteln, nicht alleine zu sein, sondern Menschen zu haben, die trotz dieser schrecklichen Tat, den Blick immer nach vorne richten, die trösten und Mut machen.

Welche Rolle spielt es, dass die Täter noch nicht gefasst sind?
Das ist natürlich schlimm, weil viele Fragen offen bleiben, zum Beispiel „Hätte man das Ganze verhindern können?“. Schrecklich ist auch diese absolute Sinnlosigkeit der Tat. Darum hoffen die Angehörigen natürlich, dass der Fund der Überreste ein Puzzleteil ist, mit dem die Ermittler der Täterfindung einen Schritt näher kommen.

 

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