Fukushima Japaner warnen Münchner: So läuft der GAU

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Sie wollen weltweit Menschen aufrütteln: Akiko Yoshida, Kenichi Hasegawa und Masako Hashimoto. Foto: Petra Schramek

Sie lebten dicht am Atomkraftwerk von Fukushima – und haben überlebt. Mit der AZ sprachen drei Japaner über ihre Erfahrungen.

 

MÜNCHEN - Kenichi Hasegawa ist ein höflicher Mann, er nickt bedächtig und lächelt, bevor er zu erzählen beginnt. Doch als er erzählt, was ihm seit 11. März widerfahren ist, wird er immer lauter. Der 58-Jährige war Milchbauer in dem Dorf Iitate, das 30 Kilometer von dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima entfernt liegt.

„Ich war Milchbauer“, sagt er. Seine Kühe musste er töten lassen. Jede einzelne. Jetzt dokumentiert er mit seiner Kamera die Situation in seinem Ort, den inzwischen fast alle Bewohner verlassen haben. „Ich glaube“, sagt Hasegawa, „dass mein Körper stark verstrahlt ist.“ Jeden Tag ist er in dem verlassenen Dorf, um nach außen berichten zu können, was es bedeutet, von einem Tag auf den anderen Heimat und Existenz zu verlieren.

Masako Hashimoto lebte nur 15 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt. Am 11.März, als die Erde aufgehört hatte zu beben, wähnte sie sich noch sicher. Ein befreundeter Umweltaktivist warnte die Mutter einer 13-Jährigen Tochter einen Tag später. Sagte, sie solle fliehen, alles sei verseucht.

Vier Tage brauchte sie mit ihrer Familie in das 700 Kilometer entfernte Osaka. Die Autobahnen waren gesperrt, die Landstraßen überlastet. Während der Fahrt telefonierte sie mit anderen Eltern. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie fliehen müssen. Keiner ist gegangen, keiner hat mir geglaubt, weil die Regierung alles heruntergespielt hat.“ Inzwischen lebt sie mit ihrer Tochter in Tokio. Gerade sie plagt ein schlechtes Gewissen, weil sie Freunde in der verseuchten Gegend zurücklassen musste. Eine große psychische Belastung für den Teenager.

Akiko Yoshida setzt sich für den Schutz von Kindern und Schwangeren ein, fordert einen niedrigeren Grenzwert. Sie hofft, Japans Regierung unter Druck setzen zu können. Am Samstag werden sie nach Dannenberg fahren, dem Zentrum der Proteste um den Castor-Transport. Hier hoffen sie auf moralische Unterstützung und viele Menschen, die ihnen zuhören. Sie wollen, dass die Menschen endlich aus dieser Katastrophe lernen.

 

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