Fünfter Todestag Gedichte und Herzen für Braunbär Bruno

Braunbär Bruno macht sich an einem Bienenstock zu schaffen - ausgestopft im Museum. Foto: Sigg

Er war der erste frei lebende Bär nach mehr als 170 Jahren in Deutschland. Braunbär Brunos Besuch in Bayern währte allerdings nur wenige Wochen. Vor fünf Jahren starb er.

 

München - Dass er keine Scheu vor Menschen hatte, wurde ihm zum Verhängnis – als „Problembär“ eingestuft, wurde er zum Abschuss freigegeben. Am Sonntag jährt sich der Todestag des italienischen Bären JJ1 zum fünften Mal. Dass sich Bären in Bayern bald wieder niederlassen, hält der World Wide Fund for Nature (WWF) für unwahrscheinlich.

Mit seinen dunklen Kulleraugen blickt Bruno aus einem großen Glaskasten den Besucher des Museums Mensch und Natur in München an. Hierhin führte seine letzte Reise. Auf bayerischem Terrain war er erstmals am 20. Mai 2006 gesichtet worden. An mehreren Orten in Oberbayern riss er unter anderem Schafe, Hühner und Tauben. Nach mehr als fünf Wochen war dann Schluss. Nachdem finnische Jäger mit Spürhunden vergeblich versucht hatten, Bruno zu fangen, beendete ein Jäger seine Wanderschaft beim Spitzingsee im Rotwandgebiet und erschoss ihn.

Jetzt macht sich das ausgestopfte Tier an einem Bienenstock zu schaffen. Bienen sitzen an seinem Maul und seinen Tatzen. Es ist eine nachgestellte Szene aus Brunos Leben, als er im Juni 2006 in der Gemeinde Kochel im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ein Grundstück betrat und Honig schleckte

Zwischen 35 und 40 Bären leben im Alpenraum

Dass Bären bald wieder nach Bayern einwandern könnten, hält der WWF Deutschland für unwahrscheinlich. „Zwar ist es möglich, dass ein Einzeltier die Grenze nach Deutschland wieder überschreitet“, sagt Pressesprecher Roland Gramling. Mit einer dauerhaften Niederlassung von Bären sei aber aufgrund der geringen Anzahl der Bestände im Alpenraum nicht zu rechnen. „Bei uns schaut es schlecht aus mit dem Bären“, sagt auch der Bärenexperte von WWF Österreich, Christoph Walder.

Im gesamten Alpenraum, wo das Tier vor hundert Jahren ausgerottet worden sei, leben noch zwischen 35 und 40 Bären. Die meisten davon sind Teil eines Ansiedlungsprojekts in Oberitalien. Auch in Österreich habe man versucht, Bären wieder anzusiedeln. „Die Schritte waren aber zu zaghaft“, sagt Walder. Heute lebten in der Steiermark nur zwei männliche Bären. Dazu kämen noch schätzungsweise zwischen fünf und sieben Bären aus Slowenien, die den Sommer im Grenzgebiet verbringen.

Bruno war falsch erzogen

An den Museumswänden ist Brunos Lebensgeschichte nachzulesen. Ein Video zeigt seine Marschroute. Daneben hängen viele Zeitungsberichte. „Auf Bruno wurde viel projiziert, irgendwann gab es zwei Brunos, das Tier und das mediale Ereignis, das sich teilweise schon ganz von der realen Kreatur gelöst hat“, sagt Museumsleiter Michael Apel. An einer dafür eingerichteten Wand hängen viele Kommentare zu Brunos Schicksal. Ein Gedicht und ein mit Herzen umrahmtes Foto von Bruno sind daneben befestigt. „Er hätte leben sollen, das ist sein gutes Recht“, heißt es auf einem neongrünen Zettel. Bruno war für Naturschützer und Tierschutzorganisationen eigentlich ein Glücksfall. „Bruno war aber falsch erzogen“, sagt Walder. „Er wurde angefüttert. Das war eine Katastrophe, weil er seine natürliche Scheu vor dem Menschen verlor.“ Menschliches Versagen habe die Träume, dass es wieder Bären in Deutschland geben könnte, jäh zerplatzen lassen. Der WWF drängt deshalb auf Aufklärung.

Bis heute erregt Brunos Stippvisite in Bayern die Gemüter. Erst vor ein paar Tagen sind im Münchner Museum wieder neue Zettel mit Kommentaren hinzugekommen. „Du wurdest erschossen, weil Du eine Siedlung verunstaltet hast“, schrieb eine Besucherin. Darunter versuchte es jemand auf diplomatischerem Wege. „Bruno, warum bist Du nicht Vegetarier gewesen? Dann hätten die fleischfressenden Menschen Dich nicht getötet.“

 

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