Führungen am Sonntag Trockene Straße, große Geschichten: Die Historie der Nibelungenstraße

Das Lichtburg-Kino existiert nur für ein paar Jahre. Heute ist hier der Edeka-Supermarkt. Foto: Archiv Geschichtswerkstatt Neuhausen

Heinz Rühmann war hier häufig zu Gast, hier trennen sich die Neuhauser Welten: In Führungen kann man viel lernen über die Historie der Nibelungenstraße – zum Beispiel am Sonntag.

 

Neuhausen - Franz Schröther klingt fast ein bisserl ernüchtert. "Die Nibelungenstraße", sagt er, "ist heute ja in erster Linie eine Wohnstraße". Für Neuhauser Verhältnisse, findet Schröther, der für die Geschichtswerkstatt Neuhausens die Historie des Viertels erforscht, sei in der Nibelungenstraße inzwischen sogar ganz besonders wenig los. "Es ist eine trockene Straße", so drückt er es aus. "Eine ein Kilometer lange Straße ohne eine einzige Gaststätte, das ist für Neuhausen völlig ungewöhnlich."

Die Gegenwart mag also eher unspektakulär sein zwischen der Winthirstraße und fast hinüber bis zum Romanplatz. Wie gut, dass sich Franz Schröther so gut mit der Geschichte der Straße auskennt. Und, wer mit ihm spazierengeht und sich aus dieser Geschichte erzählen lässt, noch heute viele Zeugnisse aus der alten Zeit der Straße entdecken kann. Oder wussten Sie das schon alles?

  •  Die Nibelungenstraße ist eine alte Straße. Sie wurde erstmals 1812 erwähnt. Damals hieß sie Nymphenburger Weg und war die wichtigste Verbindung zwischen Neuhausen und  Nymphenburg.
  •  Die Straße endete einst von Nymphenburg kommend am Winthirplatz, dort stand ein Bauernhaus.
  •  Später hieß die Straße fünf Jahre lang Richard-Wagner-Straße. "Dann merkte man, dass er ja ganz woanders gewohnt hatte", sagt Schröther. Schließlich wurde die heutige Richard-Wagner-Straße nach dem Komponisten benannt, der ein paar Jahre  ganz in der Nähe in der Brienner Straße gelebt hatte.
  • Die Nibelungenstraße ist traditionell die Grenze zwischen dem eher proletarischen und dem bürgerlichen Neuhausen, erklärt Schröther. "Auf der einen Seite stehen die Mietskasernen, auf der anderen Einfamilienhäuser und Villen."
  • In der Nibelungenstraße stand einst das höchste Gebäude der Bundesrepublik. Es ist der Wohnblock mit den Hausnummern 9 und 11, das vom Architekten Ernst Maria Lang entworfen wurde.l In dem Haus, in dem heute der Edeka-Supermarkt ist, war von 1951 bis 1964 das Lichtburg-Kino. Im Jahr 1960 war es verkleinert worden, um es rentabel zu halten. Schließlich musste es aber doch schließen. "Die Betreiberfamilie hat versucht, immer wieder Schauspieler einzuladen", erzählt Schröther. Der Legende nach kam der große Heinz Rühmann häufig vorbei. "Er soll immer zu spät gekommen und zu früh wieder gegangen sein", erzählt Schröther. Rühmann hatte offenbar keine Lust, von anderen Besuchern erkannt zu werden.
  • Bis 1958 war die Nibelungenstraße viel lauter, als sie es heute ist. Der Grund: Bis dahin fuhr der Schwerlastverkehr in Richtung Neuhausen über die Straße. Erst dann wurde die heutige Arnulfstraße eingeweiht und übernahm diese Funktion. 
  • Eines der beeindruckendsten Häuser der Straße ist eigentlich ein Krankenhaus-Bau. Die ehemalige private Krecke-Klinik wurde 1982 geschlossen. Das Gebäude wurde in Eigentumswohnungen aufgeteilt.

Historischer Spaziergang der Geschichtswerkstatt Neuhausen an diesem Sonntag, 14 Uhr, Treffpunkt: Vor dem Postamt 19, Winthirstraße 6, Teilnahmegebühr 4 Euro.

 

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