Führerschein immer mehr out Lappen? Nein, danke!

Auslaufmodell Führerschein? Bei einigen jungen Städtern zumindest scheint es so. Foto: az

Zu teuer, zu bequem – und einfach „out”: Immer weniger junge Leute machen den Führerschein. Wer „in” ist, fährt lieber Rad

München - Kathinka Nohl hat aus Überzeugung keinen Führerschein: „Autofahren macht abhängig und bequem.” Außerdem lohne sich der Schein in der Stadt ohnehin nicht. Mit ihrer Meinung ist die Münchnerin (25) nicht alleine: Immer weniger junge Menschen machen die Führerscheinprüfung.

Waren es 2007 noch über eine Million junger Menschen, so liegt die Zahl heute deutlich darunter.
Vor allem junge Männer verzichten immer häufiger auf die Fahrerlaubnis. Von rund 460 000 Neuausstellungen im Jahr 2007 fiel die Zahl 2010 auf gut 320000, meldet das Kraftfahrzeugbundesamt. Bei den jungen Frauen ist der Trend ähnlich, wenn auch weniger stark ausgeprägt.

Auch im deutschen Mobilitätspanel lässt sich ein leichter Rückgang beobachten: Zwar blieb die Anzahl der 26-jährigen Führerscheinbesitzer während der letzten zehn Jahre relativ konstant um die 80-Prozent-Marke. Jedoch fällt auf, dass Jüngere deutlich seltener einen Führerschein haben als Über-26-Jährige: Um gut zehn Prozentpunkte ist der Anteil hier niedriger. Daraus folgern die Forscher: Jüngere machen den Schein später – oder gleich gar nicht. Dass vor allem junge Städter die Prüfung verschieben oder ganz abschreiben, hat mehrere Gründe.

Erstens: Das Auto ist – zumindest in der Stadt – kein Statussymbol mehr. Mobilitätsforscher Weert Canzler erklärt das damit, dass man inzwischen auch mit etwas anderem angeben kann: „Dinge wie Computer oder Smartphones sind prestigeträchtiger.” Auch mit einem Kurztrip nach Barcelona könne man heute gut punkten, so Canzler weiter.

Zweitens: Auto und Führerschein sind ein teures Vergnügen. Vor allem in der Stadt kann man gut darauf verzichten und trotzdem mobil sein. Das erklärt auch, warum auf dem Land der Schein immer noch deutlich populärer ist, als in der Stadt: „Auf dem Land ist man eben darauf angewiesen, einen Führerschein zu haben, wenn man mal raus kommen möchte”, so Canzler.

Schließlich kann man den Wandel auch damit erklären, dass junge Leute immer bewusster auf das Autofahren verzichten. Sportlich und umweltfreundlich sein, statt sich bequem hinters Steuer zu quetschen ist „in”. „Fahrrad fahren hat ein gutes Image”, sagt Canzler. Vor allem gut gebildete junge Menschen kombinieren bewusst verschiedene Transportmöglichkeiten.

So auch Kathinka Nohl: „Ich möchte die Umwelt nicht mehr als nötig belasten”, erklärt die Studentin ihren Führerscheinverzicht. Und falls sie wirklich mal ein Auto brauchen sollte, dann ginge im Notfall auch das Taxi.

 

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