Früher ein Kasernenviertel Einst in Neuhausens Osten: Prostitution und Rekruten

Eine historische Postkarte vom "Garnisonlazaret" mit den umliegenden Wiesen. Im Hintergrund: die Pfarrkirche St. Benno. Foto: Geschichtswerkstatt Neuhausen

Der Osten des Stadtbezirks war einst von Militär geprägt: mit Prostitution, Soldatenkneipen und gelangweilten Rekruten. Allein die Max-II-Kaserne sollte mit 3.000 Soldaten zur größten Münchner Kaserne aufsteigen.

 

Neuhausen - Heute ist es ein ruhiges Wohnviertel, und die Spuren der wilden Jahre sind nur ganz vereinzelt zu sehen. Aber im 19. und frühen 20. Jahrhundert war der Osten Neuhausens vom Militär geprägt.

Diesen sehr unbekannten Teil der Stadtviertel-Geschichte rückt Franz Schröther von der Geschichtswerkstatt Neuhausen mit seinen Vorträgen und Führungen zur Geschichte des "Kasernenviertels" in Erinnerung. Am Donnerstagabend spricht er im Pfarrsaal der Christkönigkirche.

Die AZ wirft vorab einen Blick auf die Geschichte des militärischen Neuhausens...

Das Areal zwischen Leonrodstraße, Dachauer Straße, Lazarett- und Albrechtstraße war ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Kasernen geprägt. Allein die Max-II-Kaserne sollte mit 3.000 Soldaten zur größten Kaserne der Stadt aufsteigen. Der Bau begann 1860, nur zwölf Jahre nach der Revolution. "Deshalb sollte es eine defensive Kaserne sein", sagt Franz Schröther, "eine Kaserne, die man verteidigen kann".

Neuhausen früher: Prostitution im Viertel - trotz Verbots

Alte Bilder zeigen große unbebaute Flächen um die Kasernenbauten. "200 Meter freies Feld", betont Schröther, "das ist ein Gewehrschuss". Nachdem die Bayern im 19. Jahrhundert dann aber doch nicht mehr allzu revolutionär waren, "hat man das Schussfeld doch nach und nach zugebaut, mit Schmieden und Pferdeställen zum Beispiel".

Wegen des Zapfenstreichs lohnte es sich für die Soldaten nicht, in die Stadt zu fahren. Die Folge: Prostitution im Viertel (trotz Verbots!) – und: eine Schwemme von Schankwirtschaften, in denen Soldaten soffen. Auch hier Angst vor der Revolte: Wurde in den Wirtschaften ein "Vorwärts" gefunden, die Zeitschrift der Sozialdemokraten, wurde das Lokal mit Militärverbot belegt. Der Wirt musste zusperren: ohne Soldaten kein Geschäft.

Neuhausen: Gewofag-Siedlung heißt intern "Max II"

Die Militäranlagen wie auch die Max-II-Kaserne wurden im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Heute erinnert nur noch einiges an die Militärgeschichte Neuhausens. An der Dachauer Straße 128 gibt es etwa einen Verwaltungssitz der Bundeswehr, eine Gewofag-Siedlung am alten Standort heißt bei der städtischen Wohnungsgesellschaft intern "Max II".

Und Franz Schröther kann in seinen Vorträgen eine Mauer an der Ecke Leonrodstraße/Fasaneriestraße zeigen, an denen gelangweilt-wacheschiebende Soldaten Schriften mit dem Dolch in die Wand geritzt haben. "Parole 135" steht dort zum Beispiel. Noch 135 Tage Dienst sollte das heißen. In der Hoffnung, dass sie bald vorbeigehen würden.


Donnerstag, 19.30 Uhr, Pfarrsaal der Christkönigskirche, Notburgastraße 15, Eintritt frei

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