Freizeitsport „Der absolute Hammer“

Mit 120 Stundenkilometern und dem Kopf voran die Eisbahn hinab: Skeletonfahrer brauchen viel Mut. Foto: dpa

Das AZ-Vereinsporträt: Reiner Ertl, Präsident des Bayerischen Skeletonclubs, spricht in der AZ über die Anfänge des Sports, das Training und Nachwuchsprobleme.

 

AZ: Herr Ertl, wie fühlen Sie sich so als Präsident des ältesten Bobbahn-Skeletonclubs der Welt?

REINER ERTL: Oh, das ist natürlich schon ein besonderes Gefühl, ein gewisser Stolz, dass hier bei uns ein Grundstein des Skeletonsports gelegt wurde.

Wie fing alles an?

Max Probst, ehemaliger Bobfahrer von Schwarz-Gelb München, wollte mal was ganz anderes ausprobieren. In St. Moritz sah er die Cresta-Fahrer mit ihren Schlitten. Das muss ihn so begeistert haben, dass er sich vornahm, selbst einen Schlitten zu bauen und raste damit zunächst die Natureisbahn in Garmisch herunter. Das war 1969, das Gründungsjahr des Bayerischen Skeleton-Clubs München. Und als zwei Jahre später in Königssee die erste Kunsteisbahn der Welt stand, ließen sich Probst und seine Freunde von den Rodlern und Bobfahrern nicht verdrängen und rauschten als erste mit einem Skeletonschlitten die Bobbahn herunter.

Da waren Probst und Co. zur rechten Zeit am rechten Ort. Wobei München jetzt nicht gerade der ideale Ort für Skeleton zu sein scheint?

Das ist schon etwas schwierig, die ständige Fahrerei nach Königssee zum Training. Da muss man schon viel Zeit investieren und Aufwand in Kauf nehmen. Aber so eine Fahrt durch einen Eiskanal mit dem Kopf voraus und einer Geschwindigkeit von knapp 120 km/h, das ist schon der absolute Hammer.

Sie bieten auch Schnupperfahrten an?

Wer will, kann sich in Königssee auf einen unserer Skeletonschlitten legen und durch den Eiskanal fahren. Helm und Schoner gibt es natürlich noch dazu. Ein Trainer weist die Anfänger noch in Technik und Bahnkunde ein. Dann geht's los! Allerdings ganz gemütlich, Vollgas muss und braucht man nicht zu geben.

Ab welchem Alter kann man bei Ihnen schnuppern?

Elf ist ein gutes Alter. Da hat man die entsprechende Körpergröße für die Skeletonschlitten.

So eine Fahrt mit dem Kopf voraus im Eiskanal schaut recht wild und gefährlich aus. Haben viele Eltern da nicht Angst um ihre Kinder?

Es schaut schon wild aus, ist aber wirklich ungefährlich. Skeleton ist ja nicht irgendein verrückter Trendsport, sondern eine olympische Disziplin mit hohen Sicherheitsstandards. Da ist Skifahren gefährlicher.

Ist normales Schlittenfahren eine gute Vorbereitung auf Skeleton?

Skeleton ist schon ein relativ komplexer Sport. Der Start verlangt eine gute Schnellkraft, in den kurven ist Fingerspitzengefühl gefragt, und Kraft ist auch ein wichtiger Faktor. So finden oft Leichtathleten, Basketballer und Handballer einen guten und schnellen Einstieg. Und auch Fußballer verfügen über beste Voraussetzungen.

Schon mal mit dem FC Bayern gesprochen?

Das wäre natürlich für uns eine tolle Kombination. Aber für den FC Bayern ist Skeleton wohl kaum ein Thema. Nichtsdestotrotz suchen wir dringend Nachwuchsfahrer.

Sie haben momentan auch nur drei aktive Skeletonfahrer.

Stimmt. Meine beiden Söhne Florian und Philipp sowie Franz Wilhelm. Das sind momentan unsere einzigen Fahrer. Die Drei fahren im Jugendbereich.

Steht der BSC München bald ohne Nachwuchs und Fahrer da?

Nein. Vom 28. bis 30. Januar läuft im Olympiapark das Wintersportfestival, da haben wir einen Stand und werden den Leuten zeigen, was alles in Skeleton steckt. Und wenn 2018 die Winterspiele nach München kommen, sind wir mit dabei.

Interview: Sebastian Schulke

 

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