Frei erfundene Charaktere "Der Hobbit": Daran stören sich die Tolkien-Fans

Künstlerische Freiheit? Weder Tauriel (l.) noch Legolas kommen im "Buch "Der kleine Hobbit" vor Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment Inc.

Wie viele Freiheiten darf man sich bei der Umsetzung einer Buchvorlage nehmen? Während "Der Hobbit" an den Kinokassen voll einschlägt, gibt es viele Tolkien-Fans, die sich an den Änderungen von Regisseur Peter Jackson stören - etwa an der Rückkehr eines bestimmten Elben.

 

Der abschließende Teil von Peter Jacksons (53) "Hobbit"-Trilogie stürmt wie erwartet auf Platz eins der Kino-Charts. Doch viele eingefleischte Tolkien-Fans stören sich an einigen Entscheidungen des Regisseurs. Besonders Jacksons Drang, neue Charaktere zu erfinden oder alte Helden aus den "Herr der Ringe"-Blockbustern zu recyceln, sorgt für Unmut. Der Vorwurf: Soll ein nur knapp 300 Seiten langes Buch auf drei Filme mit Überlänge gestreckt und so der große Reibach gemacht werden, muss man eben viel dazu dichten.

"Herr der Ringe Reloaded"

Schon beim Fantasy-Blockbuster "Herr der Ringe" musste Jackson Kritik einstecken, wenn auch unter genau umgekehrten Vorzeichen. Weil selbst die gut und gerne 12 Stunden der drei "Extendend"-Versionen nicht ausgereicht haben, um den gesamten Stoff der Tolkien-Bände umzusetzen, wurde etwa mit Tom Bombadil eine beliebte Buch-Figur gestrichen.

Orlando Bloom war sicher froh darüber, noch einmal als Legolas (r.) nach Mittelerde zurückkehren zu dürfen Foto:2013 Warner Bros. Entertainment Inc.

Das Kinderbuch "Der kleine Hobbit" hingegen in drei Teile zu verwandeln, war nur möglich, indem fleißig von "Herr der Ringe" entliehen wurde - und zwar Charaktere. Größter Aufreger war sicherlich der Auftritt von Elbe Legolas in "Der Hobbit - Smaugs Einöde", dem zweiten Teil. Noch in "Herr der Ringe" als einer der Gefährten von Frodo entsandt, um den "einen Ring" zu zerstören, kommt der Charakter beim Buch "Der Hobbit" überhaupt nicht vor. In der Verfilmung hingegen hat er einen sehr wichtigen Part inne und taucht in Teil zwei und drei nicht etwa nur als kleine Nebenfigur auf. Fans von Darsteller Orlando Bloom (37) dürfte das zwar gefreut haben, den Buch-Anhängern gefiel das weitaus weniger.

Auch Cate Blanchett (45) als Galadriel und Altmeister Christopher Lee (92) als Zauberer Saruman feiern beim "Hobbit" ein so nicht niedergeschriebenes Comeback. Beide finden sich im Film in Rivendell ein, um das weitere Vorgehen und den Angriff auf Dol Guldur zu planen. Diese Besprechung des "weißen Konzils" findet so aber nie statt im Buch.

Auch Cate Blanchett alias Galadriel ist eigentlich nur in "Herr der Ringe" dabei Foto:2014 Warner Bros. Entertainment Inc.

Eine Portion weibliche Schlagfertigkeit

Evangeline Lilly (35, "Lost") spielt die Elbin Tauriel, eine ebenso schöne wie tödliche Kriegerin. In der Schlacht zeigt sie den Orks und sonstigen Unholden mit Hilfe ihrer zwei Dolche oder dem Bogen, dass mit ihr nicht zu scherzen ist. Wie Legolas spielt sie eine wichtige Rolle in der "Hobbit"-Verfilmung, die Sache hat nur einen Haken: Im Buch taucht Tauriel überhaupt nicht auf, ist also eine reine Erfindung von Jackson, um dem Film eine weibliche Heldin und damit ein "Love Interest" zu spendieren, so der Vorwurf.

Aus wenig mach viel

Die Figur Radagast wird im Hobbit zwar namentlich von dessen Cousin Gandalf erwähnt, erst Jackson verhalf ihm aber tatsächlich zu einem Auftritt. Kritiker bemängelten zudem die Art und Weise, wie Radagast dargestellt wurde. Als ein sogenannter Istari, der nach Mittelerde geschickt wurde, um die Bewohner vor Sauron zu schützen, ist im Film wenig von seiner noblen Erscheinung übrig geblieben. Stattdessen ist er von oben bis unten mit Vogelkot übersät.

Bösewicht Azog ist dank Peter Jackson zu einem der Hauptgegner befördert worden Foto:2014 Warner Bros. Entertainment Inc.

Angefangen mit dem Beinamen "Der Schänder", den es im Buch nicht gibt, hat Jackson auch sehr stark in die Geschichte eingegriffen, um den Ork-Anführer Azog als Antagonisten zu etablieren. Denn tatsächlich wird auch er nur kurz von Gandalf namentlich erwähnt, in der Verfilmung dagegen zu einem der drei Hauptwidersacher neben Smaug und Sauron befördert. Anders als im Buch überlebte er die Schlacht von Azanulbizar, verlor anstelle seines Kopfs nur einen Arm. Im Roman ist es dagegen sein Sohn Bolg, der auf Rache sinnt und deshalb die Zwerge samt Hobbit Bilbo verfolgt.

 

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