Freeriden Ein himmlisches Vergnügen

Christophe Schmidt gehört zu den besten Freeridern der Welt. Foto: Christian Brecheis, Fiat Freestyle Team

Snowboarder Christophe Schmidt gehört zu den besten Freeridern Europas. Hier sagt er, worauf es bei Fahrten abseits der Piste ankommt.

 

Welcher Snowboarder träumt nicht davon: Von einem tiefverschneiten Berggipfel aus schaut man über ein endloses Feld aus Pulverschnee, das sich bis runter ins Tal zieht. Hier und da stehen Tannen, die ebenfalls in weißes Pulver getaucht wurden. Felswände ragen vereinzelt hervor. Die Luft ist klar und kalt, der Himmel blau, die Sonne lacht. Und kurz darauf schwebt man auch schon dahin und rauscht durch den Tiefschnee.

„Etwas Schöneres gibt es nicht”, meint auch Christophe Schmidt, der mit seinem Snowboard bereits seit mehr als zehn Jahren die Welt bereist – und schon in Ländern wie Japan, Kanada, Alaska, Chile, Neuseeland, Russland und Norwegen auf dem Powder geritten ist. Wettkämpfe spielen für ihn keine Rolle mehr, auf präparierten Pisten schon gar nicht. Christophe geht es ums Fahren, er zählt zu den besten Freeridern in Europa, fährt für das Fiat-Freestyle-Team und steigt für Filmdrehs und Fotoshootings auf sein Brett. „Ich kann es nicht in Worte fassen, aber es ist einfach traumhaft. So, als ob man wie ein Vogel fliegen könnte”, beschreibt er die Motivation für sein Tun.

Doch dieses himmlische Vergnügen ist nicht ganz ungefährlich. Und so sollte jeder Snowboarder, der abseits der präparierten Pisten fährt, ein paar Grundregeln beachten. „So schön Freeriden ist, so gefährlich kann es aber auch sein", sagt er. „Denn du bewegst dich in freier Natur, bist deren Gewalten ausgesetzt und solltest dich dementsprechend verhalten.”

Eine und mit die gefährlichste dieser Natur-Gewalten heißt Lawine – und vor der sollte man höchsten Respekt haben als Freerider (siehe eigener Text unten auf dieser Seite). „Ohne Lawinenkurs und Lawinenausrüstung mit Piepser, Sonde und Schaufel geht schon mal gar nichts”, betont der Gräfelfinger. Auch Helm und Rückenpanzer seien sehr wichtig.

Denn so ein Freeride-Trip kann auch seine Ecken und Kanten haben – im wahrsten Sinn des Wortes. Unter dem Pulverschnee verstecken sich schon mal Baumwurzeln und Felsen, die einen unsanft bremsen und stoppen können. Und wenn man in einen Wald kommt, sollte man natürlich auch in der Lage sein, den Bäumen auszuweichen. Das sei allerdings in Tiefschnee nicht so einfach. „Mit Pistenrutschen hat Freeriden nichts zu tun”, erklärt Schmidt, „man verlagert sein Gewicht auf das hintere Bein, so dass die Boardspitze aus dem Schnee schaut und nicht eintaucht, sonst kann es einen Überschlag geben.” Außerdem sollte man seine Bindung etwas nach hinten versetzen.

Auch Kanteneinsatz sei kaum gefragt. „Dafür ist der Untergrund viel zu weich”, erklärt Schmidt, „sein Board lenkt man mehr durch Gewichtsverlagerung und gleitet so durch den Schnee”, erklärt er. Freeriden sei eher wie Surfen, nur eben auf Eis und Schnee. Außerdem sollten Powderhänge relativ steil sein, damit man genügend Schwung und Tempo aufnehmen kann, um nicht unfreiwillig in dem Meer aus weißen Kristallen zu versinken. Snowboards mit so genannten „Rocker-Shapes” (also mit negativer Vorspannung) seien perfekt zum Freeriden.

Anfänger sollten allerdings nichts überstürzen. In Wintersportgebieten wie Spitzing oder Sudelfeld kann man direkt neben der Piste durch kleinere Tiefschneefelder fahren, um ein Gefühl für das weiße Pulver im freien Gelände zu bekommen. Und: „Freeriden ist nur etwas für Snowboarder, die ihr Board voll im Griff haben – und die keine Einzelkämpfer sind. Alleine kann man sich nicht aus einer Lawine befreien”, so Schmidt.

Und worauf muss man bei der Ausrüstung achten? Die Jacke sollte einen Schneefang haben, der Hals komplett eingehüllt sein. „Denn der Pulverschnee wirbelt ins Gesicht und in jede Ritze", erzählt Schmidt, „da kann einem schnell kalt werden, wenn man nicht von Kopf bis Fuß warm eingepackt ist.” Doch wenn das alles beachtet ist, kann endlich mit offenen Augen geträumt werden!

 

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