Frau von Webasto-Mitarbeiter Elfter Corona-Fall in Bayern: Familie in Quarantäne

Bisher stehen alle Coronafälle in Bayern im Zusammenhang mit Webasto. Dort hatte sich ein Mitarbeiter bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die kurz darauf wieder in ihre Heimat flog. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Die Zahl der Coronavirus-Fälle in Bayern steigt: Auch die Frau eines Webasto-Mitarbeiters hat sich angesteckt. Die ganze Familie ist in Quarantäne. Wie schätzen Experten die Entwicklung ein?

 

München - In Bayern gibt es einen elften Coronavirus-Fall. Auch die Frau eines Erkrankten aus dem Landkreis Traunstein sei positiv auf das Virus getestet worden, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstag mit.

Ihr Mann ist wie die sonstigen in Bayern infizierten Erwachsenen Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Stockdorf im Landkreis Starnberg. Die ganze Familie ist seit Donnerstag im Trostberger Klinikum in Quarantäne.

Familie von Webasto-Mitarbeiter in Quarantäne

Zwei Kinder des Paares wurden ebenfalls positiv getestet. Sie hatten nach Angaben des medizinischen Direktors der Kliniken der Südostbayern AG, Stefan Paech, nur leichte Symptome. Auch der gesundheitliche Zustand des Vaters sei stabil. Er werde mit antiviralen Medikamenten behandelt. Bei dem dritten Kind des Paares, einem Säugling, sei das Virus bisher nicht nachgewiesen worden.

Die Familie, die dem Vernehmen nach auch auf eigenen Wunsch zusammenbleiben wollte, war auf behördliche Entscheidung hin in Quarantäne genommen worden. "Wir sind von vorneherein davon ausgegangen, dass die Familie insgesamt schon infiziert war", sagte Paech. Das bestätigten nun die Befunde, die Stück für Stück eingingen.

Bisher alle Coronafälle in Bayern im Zusammenhang mit Webasto

Dass die Mutter erst jetzt positiv getestet worden sei, liege daran, dass die Reaktionszeit unterschiedlich sei. Man habe bewusst entschieden, auch den Säugling bei der Familie zu lassen, zumal die Verläufe gerade in diesem Alter sehr milde seien, sagte Paech. Es habe eine Abwägung gegeben: "Kindstrennung versus dem möglichen Risiko eines milden klinischen Verlaufes. Da haben wir uns in Abstimmung mit den Kinderärzten so entschieden, und es hat sich bestätigt, dass das die richtige Vorgehensweise war."

Der Familie gehe es den Umständen entsprechend gut, wenngleich auch die Situation der Quarantäne belastend sei. Bisher stehen alle Coronafälle in Bayern im Zusammenhang mit Webasto. Dort hatte sich ein Mitarbeiter bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die kurz darauf wieder in ihre Heimat flog.

Auch der deutsche Corona-Patient auf der spanischen Insel La Gomera hatte Kontakt mit einem Webasto-Mitarbeiter, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitteilte. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuerst darüber berichtet. Der 26-Jährige aus dem Landkreis Landsberg am Lech sei auf Gomera isoliert, hieß es.

Coronavirus: Ansteckungsgefahr etwa wie bei Influenza

Zudem ist eine Frau aus Bayern infiziert, die aus der besonders von dem Virus betroffenen Region Wuhan nach Frankfurt ausgeflogen worden war. Die 45-Jährige wurde wie ein anderer Rückkehrer positiv auf das Virus getestet. Sie stammt aus dem Landkreis Freising, wie das dortige Landratsamt mitteilte. Die Patientin befinde sich in Quarantäne auf der Infektionsstation des Universitätsklinikums Frankfurt am Main und sei in einem klinisch guten Zustand.

Die Ansteckungsgefahr und die Sterblichkeit sind beim Coronavirus nach Experteneinschätzung etwa gleich hoch wie bei der Influenza. "Corona ist auf keinen Fall gefährlicher als Influenza", sagte der Chefarzt Clemens Wendtner von der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, wo die sieben anderen Infizierten in Bayern behandelt werden.

Die Sterblichkeit werde zwar in China mit zwei bis drei Prozent angegeben. Aber: "Das halten wir für überschätzt. Wir gehen davon aus, dass die Sterblichkeit deutlich unter einem Prozent liegt, eher sogar im Promillebereich." Das sei eine ähnliche Größe wie bei der Influenza. Die Überbewertung bei Corona rühre daher, dass in China wegen der Kapazitätsengpässe nur schwere Fälle in Kliniken aufgenommen würden. Auch Paech warnte vor Hysterie und schloss sich Wendtners Einschätzung an.

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