Frankreichs EM-Held Payet sendet Tränen als Botschaft ans ganze Land

Frankreichs Coach Didier Deschamps (links) und Dimitri Payet bei dessen Auswechslung. Foto: dpa

Dimitri Payet war der Held des Abends. Der 29-Jährige erlöste Frankreich. Dabei war seine Karriere eigentlich schon vorbei. Sportminister Patrick Kanner nach dem 2:1 gegen Rumänien. "Mit seinen Tränen zeigt er letztlich, wozu Frankreich fähig ist."

 

Paris - Die ganze Last der Grande Nation fiel in diesem magischen Moment von den schmalen Schultern des kleinen Dimitri Payet ab. Mit Tränen in den Augen verließ der neue Nationalheld unter dem frenetischen Jubel der Fans das Spielfeld.

Immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf, bevor ihn Trainer Didier Deschamps liebevoll in den Arm nahm. Er habe "ganz viele Emotionen gespürt. Es kam alles raus", berichtete Payet wenig später von jenem Gefühlsausbruch zwischen Glück, Erleichterung, Freude und Rührung.

Mit seinem Geniestreich in der 89. Minute, der den wichtigen 2:1 (0:0)-Auftaktsieg der Equipe tricolore gegen Rumänien sicherte, stieg der überragende Payet zum Liebling Frankreichs auf. Es war ein Schuss mit links in den Winkel, der Payet den direkten Weg in die Herzen der Franzosen ebnete.

Er habe "das Licht angeknipst" (Le Parisien) und "das Fest gerettet" (L'Equipe), schrieben die Zeitungen.

 
— West Ham Transfers (@westhamtransfer) 9. Juni 2016

Bei Sohn Noa (6) ist er ohnehin der Tollste. "Mein Papa schießt die besten Freistöße der Welt", gab der Kleine, der die gleiche Irokesen-Frisur wie sein Vater trägt, an der Hand seiner Mutter Ludivine strahlend und stolz wie Oskar zu Protokoll. Dass es diesmal kein Freistoß war - geschenkt!

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Dass Noa seinen Papa beim EM-Auftakt im Stade de France überhaupt bewundern durfte, war lange Zeit nicht abzusehen. Eigentlich war die Karriere des Profis von West Ham United vorbei, bevor sie so richtig begonnen hatte. Von Saint-Pierre auf der Insel La Reunion im Indischen Ozean, wo Payet geboren wurde, war das Talent 1999 in die Jugend des Zweitligisten AC Le Havre gewechselt.

Nach vier Jahren wurde er weggeschickt: zu klein, zu leicht, zu schlecht. Payet kehrte im Alter von 16 Jahren ernüchtert zurück. "Ich dachte, dass der Traum vorbei ist", sagte er unlängst. Er arbeitete in einem Bekleidungsgeschäft, um Geld zu verdienen, und spielte als Jugendlicher beim AS Excelsior "unter Männern".

Payet nutzt seine Chance

Dies sei eine lehrreiche Zeit gewesen, "die mich stärker gemacht hat". Doch als 2005 das Angebot vom FC Nantes kam, musste er von seinem Vater Alain fast genötigt werden, die zweite Chance in Frankreich zu suchen. Und Payet nutzte sie. Über Nantes, St. Etienne, Lille und Marseille landete er 2015 bei West Ham, wo er inzwischen fast Legendenstatus besitzt.

"We've got Payet" ("Wir haben Payet"), lautet der neue Kultsong der Hammers-Fans. Der 29-Jährige war in der abgelaufenen Saison einer der großen Stars der Premier League neben Harry Kane, Jamie Vardy oder Mesut Özil. In "seinem" Song ist er sogar besser als Zinedine Zidane, doch der 1,75 m kleine Offensivspieler wehrt sich gegen Vergleiche mit der Legende mit Nachdruck.

 

"Das mag die Meinung der Fans sein, aber ich würde niemals sagen, dass ich besser bin", betonte er. Payet schaut vielmehr auf sich selbst - und das seit Freitagabend mit besonderem Stolz. Die Partie sei "die Frucht von Arbeit und Opfern" gewesen, sagte er.

Dass seine eigens aus La Reunion angereiste Familie auf der Tribüne saß, habe den Moment noch emotionaler gemacht: "Das hat mich berührt und mir Kraft gegeben." Er werde Payet "in Eiswürfel einfrieren", sagte Trainer Deschamps, "damit ihm bis zum nächsten Spiel nichts passiert".

 

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