Frankfurt Mainz stürmt nach Europa - Eintracht am Abgrund

Nach dem fast sicheren Einzug in die Europa League feierten selbst der Mainzer Präsident Harald Strutz und FSV-Manager Christian Heidel mit den begeisterten Anhängern - die Frankfurter Fans hatten da schon lange nach dem 0:3 (0:3) frustriert den Heimweg angetreten.

Mainz - Der erste Mainzer Derbysieg gegen den Nachbarn Eintracht Frankfurt hat die Fußball-Verhältnisse im Rhein-Main-Gebiet endgültig auf den Kopf gestellt und die "launische Diva" vom Main in die tiefste Krise seit dem Wiederaufstieg 2005 manövriert. "Die Ergebnisse der Konkurrenz sind natürlich dramatisch für uns", sagte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen nach der 0:3-Niederlage am Samstag, bei dem die Hessen im ersten Durchgang regelrecht vorgeführt wurden.

Die Frankfurter, die unter Christoph Daum nach wie vor auf den ersten Dreier warten, rutschten auf den Relegationsplatz ab und haben nach dem fünften sieglosen Spiel in Serie sogar nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Tabellenvorletzten Borussia Mönchengladbach.

"Die Leistung meiner Mannschaft in der ersten Halbzeit war eine große Überraschung für mich", sagte der ratlos wirkende Daum. "Wer jetzt nicht kapiert hat, um was es geht, dem ist nicht zu helfen", meinte der 57-Jährige.

Bei den im ersten Durchgang wie entfesselt spielenden Mainzern herrschte dagegen Glückseligkeit. Zwei Spieltage vor Schluss haben die 05er fünf Punkte Vorsprung auf den 1. FC Nürnberg, der beim neuen deutschen Meister Borussia Dortmund mit 0:2 verlor. "Wir sind noch nicht durch", warnte FSV-Coach Thomas Tuchel zwar. Doch auch der Mainzer Trainer hatte die Darbietung seiner jungen Mannschaft in der ersten Hälfte genossen. "Heute bin ich einfach einmal stolz auf die Jungs", sagte Tuchel.

Andreas Ivanschitz (26. Minute) und der bärenstarke Elkin Soto (39., 45.) erzielten vor 20 300 Zuschauern im ausverkauften Bruchwegstadion die Treffer für die Hausherren, die im achten Duell erstmals in der Bundesliga gegen den ehemals großen Nachbarn gewannen. "Wie sehr das Umfeld diesen Sieg gewollt hat, hat man nach dem Spiel gesehen", meinte Tuchel.

Da brachen am Bruchweg alle Dämme. Spieler und Verantwortliche tanzten mit den Fans auf dem Zaun. "Das war ein schönes Gefühl. Wenn man so etwas Außergewöhnliches erreicht und dann von den Anhängern gefordert wird, dann muss man dem einfach auch einmal nachgeben", sagte Präsident Strutz. Am Vorabend hatte sich Strutz noch mit Bruchhagen und den beiden Ehefrauen zum gemütlichen Essen getroffen.

Am Samstagabend dann hätten die Stimmungswelten der beiden Funktionäre unterschiedlicher nicht sein können. "Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln, dazu gibt es keine Alternative", meinte der angesichts der dramatisch schlechten Leistung seines Teams erstaunlich gefasst wirkende Bruchhagen.

Zu allem Überfluss verloren die Hessen kurz vor der Pause auch noch Sebastian Rode mit Rot nach vermeintlicher Notbremse gegen Florian Heller (43.). Der Verteidiger wird der Eintracht damit in "unserem persönlichen Endspiel" (Daum) gegen den 1. FC Köln auch noch fehlen. "Wir sind in einer bedrohlichen Lage", bilanzierte Daum.

Die Anhänger der Frankfurter reagierten auf die desaströse Leistung ihres Teams nach der Pause mit einem Stimmungsboykott und hatten schon zur Pause in Scharen das Stadion verlassen. "Wir müssen uns bei unseren Fans am kommenden Wochenende rehabilitieren", forderte der erfolglose Frankfurter Trainer.

 

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