Frankens "Mini-Madoff" Betrog dieser Familienvater Anleger um 345 Millionen?

Helmut Kiener auf einem Auftritt wenige Wochen vor der Festnahme. Foto: Main-Post/Chris Weiß

WÜRZBURG Die Anklageschrift in einem der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland umfasst 630 Seiten. Nach monatelangen Ermittlungen steht der mutmaßliche Millionenbetrüger Helmut Kiener ab Mittwoch in Würzburg vor Gericht.

 


Als „Mini-Madoff” wurde der Aschaffenburger Manager Helmut Kiener im Herbst 2009 deutschlandweit bekannt. Jahrelang soll der studierte Psychologe auf Kosten seiner Opfer in Saus und Braus gelebt haben. Nach diversen Anzeigen kamen Finanzermittler dem 51-Jährigen auf die Schliche und durchschauten sein kompliziertes Firmengeflecht, mit dem er etwa 5000 Privatanleger und internationale Großbanken um rund 345 Millionen Euro geprellt haben soll.
Sollte Kiener ähnlich wie der New Yorker Ex-Broker Bernard Madoff mit einem sogenannten Schneeballsystem seine Kunden absichtlich geschädigt haben, dürfte er zu einer jahrelangen Freiheitsstrafe verurteilt werden. Madoff ergaunerte 46 Milliarden Euro – derzeit verbüßt er eine Haftstrafe von 150 Jahren.


Kiener wird Betrug in 35 Fällen, Urkundenfälschung in 86 Fällen sowie Steuerhinterziehung in fünf Fällen zur Last gelegt. Ein Komplize steht wegen Beihilfe zum Betrug vor der Wirtschaftskammer, drei weitere sitzen in U-Haft, einer nahm sich das Leben, als er verhaftet werden sollte.
Nach Erkenntnis der Staatsanwaltschaft hat Kiener den Anlegern, darunter sind auch Banken, enorm hohe Renditen versprochen. Eine Auszahlung des angeblichen Gewinns soll nur durch das Geld neuer Kunden möglich gewesen sein. so funktioniert das Schneeballsystem. Den Banken fiel nicht auf, wohin ihr Geld wanderte, den Privatanlegern erst recht nicht. Zweifelnden Fragern habe er Sand in die Augen gestreut, so die Staatsanwaltschaft.

Luxus ohne Grenzen


Für die Ermittler stellt sich die Sache so dar: Mit den Millionen der Kunden finanzierte der Hedgefonds-Manager aus der fränkischen Provinz wahrscheinlich jahrelang sein kostspieliges Leben: Zwei Flugzeuge, einen Hubschrauber, Häuser in Florida und ein großes Grundstück in Aschaffenburg – das Luxusstreben des gebürtigen Oberpfälzers kannte dem Haftbefehl nach zu urteilen keine Grenzen.


Wie viel Geld noch übrig ist, ist bisher unklar. Einige geschädigte Anleger haben erfolgreich zivilrechtliche Arrestbefehle beantragt und sich damit Zugriff auf das Privatvermögen des Geschäftsmannes verschafft. Gepfändet wurden unter anderem Grundstücke von Kiener und Geld, das als Spareinlagen seiner beiden Kinder bei einer Bank angelegt worden war. Die Fonds hingegen sollen fast mittellos sein – die Investitionen der Anleger sind vermutlich weg.
 Das nun anstehende Mammutverfahren vor dem Landgericht Würzburg könnte sich bis ins nächste Jahr hinziehen, es sei denn, Kiener gesteht alles. Das ist aber unwahrscheinlich.

Angelika Röpcke

 

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