Franken-Tatort Fabian Hinrichs über den Franken-„Tatort: Die Nacht gehört dir“ und Felix Voss

Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) am Bett der toten Barbara Sprenger. Foto: BR / Hager Moss Film / Hendrik Heiden

Fabian Hinrichs über den Franken-„Tatort: Die Nacht gehört dir“ und seinen Kommissar Felix Voss

 

Am Tag war Barbara Sprenger (Anna Tenta) Grundstücksmaklerin, nachts lebte sie eine andere Seite ihrer Persönlichkeit im Internet aus. Ihr Tod ruft im sechsten fränkischen „Tatort“-Fall „Die Nacht gehört dir“ (Regie: Max Färberböck) die Nürnberger Ermittler Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) auf den Plan. Im Interview spricht der gebürtige Hamburger über seine Rolle und die möglichen verborgenen Seiten seiner Figur.

AZ: Herr Hinrichs, Glückwunsch: In dem Franken-„Tatort: Die Nacht gehört dir“ hat Kommissar Felix Voss eine wirklich hinreißend verlegene Liebes-Erklärungs-Szene mit einer Honigverkäuferin.
Fabian Hinrichs: Freut mich.

Wie empört oder überrascht wären Sie, wenn ich sage: Dieser Felix Voss ist der Lehrer Doktor Specht unter den „Tatort“-Kommissaren?
Ich habe die Serie nie verfolgt. Ist das ein vergiftetes Lob?

Überhaupt nicht! Robert Atzorn spielte in den 90ern einen Lehrer, der mit dem Fahrrad zur Schule fuhr und seinen Schülern sehr verständnisvoll und auf Augenhöhe begegnete.
Wahrscheinlich ist da bei mir die Besetzung schon Programm. Ich bin ja nicht der Drei-Tage-Bart-Fitness-Club-Typ, dem Selbstzweifel zum ersten Mal mit sechzig beim Urologen begegnen. Ich finde das auch im Spiel für mich reizvoller, als immer schroff zu sein und eine geborgte Autorität wie eine Monstranz vor mir herzutragen. Es gibt ein bestechendes Hannah-Arendt-Bonmot: Nicht alles verzeihen, aber alles verstehen. Diesen Satz könnte man vielleicht auf den Felix Voss kleben, wenn man denn das Verlangen nach Aufklebern empfindet. Er will schon verstehen.

Ist es schwierig, eine Figur zu entwickeln, wenn es nur einen Franken-„Tatort“ im Jahr gibt?
Ich finde es ideal so, wie es ist. Es ist halt ein wenig langsamer. Wenn man fünf Filme im Jahr drehen würde, ginge die Entwicklung natürlich schneller, aber das führte dann wohl auch wieder zu anderen Grenzerfahrungen. Es ist also überhaupt nicht problematisch, im Gegenteil. Man versucht, Jahr für Jahr einen kostbaren und besonderen Film zu machen.

Bei einigen „Tatort“-Teams wurden neue Figuren eingeführt. Da musste die eine ganz verrückt sein, einen besonders schrägen Charakterzug haben – der sich dann aber aufgelöst hat, wenn die Figur erst einmal eingeführt war.
Wir hatten ja von vornherein keine grellen, überzeichneten, plakativen, illustrierenden Attribute, die ganz offensichtlich am Schreibtisch entworfen wurden und mit dem Leben und dem Menschen t nichts zu tun haben. Wir haben uns für einen nicht so marktförmigen Weg entschieden. Das finde ich auch für die Entwicklung der Figur angenehm, ich habe dann nicht immer einen riesigen Mühlstein der Psychopathologie hinter mir herzuschleifen. Und in den Momenten im Film, in denen es dienlich ist, versuchen wir durchaus, persönlich zu sein, aber nicht unbedingt privat. Diese Unterscheidung würde ich treffen. Auch das kann schwierig sein, wenn man zum Beispiel immer eine bürgerliche Kleinfamilie in den Filmen mitzuerzählen hat. Grundsätzlich wäre es für uns eine schöne Sache, wenn man immer mit denselben Autoren zusammenarbeiten könnte, die die Innen- und Außenwelten unserer Filme bereits in sich tragen, da könnte es dann auch nur alle vier Jahre einen Film geben. Das kann aber natürlich nicht immer klappen.

Haben Sie viel Einfluss auf die Drehbücher?
Die BR-Redakteurin Stephanie Heckner und wir stehen im engen Austausch und haben ein sehr verbindliches Verhältnis zueinander, das ist ein vertrautes Miteinander. Ich treffe bald den Autor des nächsten Buches, da gibt es ein paar Punkte, über die wir sprechen. Das ist nicht mit Drohungen oder Machtgesten verbunden. Es ist ja auch nicht so einfach für die Autoren: Es müssen mehrere Rollen bedient werden, es gibt auch den Suspense-Punkt, die Spannung. Und jeder schreibt anders. Manchmal denkt man auch: So würde der oder die nicht handeln, so nicht sprechen, fühlen, denken, das passt einfach nicht. Da muss man dann gemeinsam Verantwortung übernehmen. Aber an sich ist es ein freudvoller und leidenschaftlicher Austausch.

Felix Voss sagt an einer Stelle zu seiner Honigverkäuferin, er kommt aus Itzehoe – und klingt dabei nicht begeistert. Kennen Sie Itzehoe?
Nein, das hat der Regisseur Max Färberböck sich mit uns ausgedacht. Er sollte nicht aus der Großstadt kommen und nicht aus dem Osten. Die Paula ist ja schon ostdeutsch.

Eine berührende Szenen ist, in der die Polizisten am Monitor stehen und eine Frau betrachten, die sich nackt vor einer Kamera räkelt. Diese Polizisten erscheinen in diesem Moment im übertragenen Sinn genauso nackt wie die Frau. Welche verborgenen Seiten hat Felix Voss?
Dieses Gefühl, ausbrechen zu wollen aus Zusammenhängen – im Bewusstsein, dass man nicht ausbrechen kann: Dieses Gefühl könnte bei Felix Voss mal zu Handlungen führen, die auf den ersten Blick nicht vernünftig erscheinen. Ich denke nicht, dass es sexuelle Obsessionen sind, sondern eher dass man die Wirklichkeit als gebaut begreift, dass einen das auch im Wortsinn verrückt machen kann. Er könnte die Einsamkeit irgendwann nicht mehr aushalten. Es wäre interessant, wie er mit der Einsamkeit umgeht – er ist ja alleine in Nürnberg.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

 

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