Fragen zum "Hurensohn-Skandal" Wegen Beleidigung: Wird Pereira jetzt gesperrt?

, aktualisiert am 04.05.2017 - 07:54 Uhr
Heißsporn an der Seitenlinie: Löwen-Trainer Vitor Pereira beim Spiel gegen Eintracht Braunschweig. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Nach der angeblichen Beleidigung schaltet sich nun der DFB ein. Im schlimmsten Fall droht dem Trainer der Löwen eine harte Strafe – und das im Kampf um den Klassenerhalt. Bierofka darf nicht einspringen.

 

München - Drei Punkte hat der TSV 1860 im Duell der Löwen mit Eintracht Braunschweig schon verloren. Nun könnte es für die Sechzger noch dicker kommen, denn: Im "Hurensohn-Skandal" zwischen 1860-Trainer Vitor Pereira und Braunschweigs Coach Torsten Lieberknecht droht ein Nachspiel.

DFB-Ermittelt

Das Sportgericht des DFB ermittelt nach Pereiras angeblicher Beleidigung seines Trainerkollegen gegen Sechzig. "Wir haben die Ermittlungen wegen unsportlichen Verhaltens aufgenommen", sagte Anton Nachreiner, Vorsitzender des Kontrollausschusses, dem "Kicker". Auf AZ-Anfrage ließ die Presseabteilung der Eintracht mitteilen: "Der Kontrollausschuss hat Torsten Lieberknecht heute dazu aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Unser Trainer wird sich auch äußern." Klar, dass Lieberknecht seine Aussagen kaum widerrufen wird. Pereira ist nach DFB-Angaben nicht angeschrieben worden.

Die AZ mit den wichtigsten Fragen und Antworten zu einer für Sechzig möglicherweise folgenschweren Posse:

Was war passiert?

Lieberknecht hatte nach dem 1:0-Sieg seiner Elf am Sonntag gegen die Pereira-Truppe am Sky-Mikrofon behauptet, der Portugiese habe ihn als "Hurensohn" bezeichnet, sollte er "seine Spanisch-Kenntnisse richtig deuten" – und die wüste Verbal-Entgleisung wie eine beleidigende Geste (Mittelfinger) als "beschämend für 1860" deklariert. Pereira hatte die Vorwürfe bei Sport1 umgehend bestritten und als "Lüge" bezeichnet. Auf der nachfolgenden PK dagegen wollte keiner der Übungsleiter mehr davon sprechen. Es dürfte vom TSV also auch in Richtung DFB ein Dementi geben.

Welches Nachspiel droht 1860?

Das Knifflige an der Posse, die nur wenige Tage vor dem Auswärtsspiel am Freitag bei Dynamo Dresden nicht gerade für eine optimale Vorbereitung sorgt: Anders als bei einer Tätlichkeit gibt’s keine (eindeutigen) TV-Belege – oder doch? Sport1-Kommentator Jörg Dahlmann will in einem Zusammenschnitt die Beleidigung erkannt haben, Sky-Moderatorin Anna-Sara Lange sagte im Rahmen der Sendung: "Ich kann Lieberknecht nur zustimmen, denn ich habe ein bisschen Lippenleserei bei Pereira betrieben und das, was er gesagt hat, stimmt auf jeden Fall."

Sollte das Sportgericht zu einer ähnlichen Einschätzung gelangen, droht Pereira (48) nebst empfindlicher Geldstrafe eine Sperre – und das womöglich in den letzten drei Partien, die über Abstieg oder Klassenerhalt entscheiden.

Was sagen die Löwen?

Während die Sechzger auf AZ-Nachfrage keine offizielle Stellungnahme abgaben und Pressesprecherin Lil Zercher darauf verwies, dass man sich schnellstmöglich auf das Sportliche konzentrieren wolle, erklärte Präsident Peter Cassalette der AZ: "Ich weiß nur eins: Da war eine Riesen-Unruhe zwischen den Trainerbänken. Vitor hat nicht nur im Fernsehen, sondern auch mir nochmal versichert, dass er das nicht gesagt hat. Damit ist die Angelegenheit für uns abgehakt." Die Akte geht jedoch zur absoluten Unzeit für Sechzig in die nächste Runde. Cassalette über eine mögliche Sperre: "Ich kenne die Regularien nicht. Es steht Aussage gegen Aussage. Wem soll man da glauben? Wir glauben unserem Trainer."

Pikant: Investor Hasan Ismaik hatte per Facebook erklärt, dass man "zu keiner Zeit irgendwelche Gedanken daran verschwendet" habe, Pereira "zu hinterfragen. Aus unserer Sicht ist er der perfekte Trainer für 1860." Dies so zu betonen, deutet eher darauf hin, dass man während Ismaiks Aufenthalt in München zumindest über Pereira diskutierte – und sich für den Coach entschied.

Wer könnte auf der Bank sitzen?

Wird 1860-Ikone Daniel Bierofka abermals zum Löwen-Retter? Nein, denn der U21-Coach hat nach dem Rauswurf von Kosta Runjaic vor der Winterpause bereits eine Ausnahmegenehmigung für drei Partien erlangt. Biero kann also nur im Rahmen seiner Tätigkeit als Assistent mithelfen, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Co-Trainer Luis Miguel könnte dagegen einspringen: Unter Pereira bereits Co-Trainer bei Santa Clara, Al Ahli und Fenerbahce Istanbul, verfügt der Portugiese über die nötige Lizenz. Er besitzt allerdings, wie sein Platzverweis gegen Braunschweig deutlich machte, auch das Temperament Pereiras – das scheint den Sechzgern derzeit mehr zu schaden als im Abstiegskampf von Nutzen zu sein.

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