Fragen an die Bundeskanzlerin Angela Merkel vs. "Besorgte Bürgerin": 1:0

Forderte die Europäer auf, den Mut zu haben, sich zum Christentum zu bekennen: Angela Merkel. Foto: az-screenshot/youtube

In einer Fragerunde in Bern will eine Frau wissen, was Angela Merkel gegen die "Gefahr der Islamisierung" tun will. Das Statement der Bundeskanzlerin ist schlagfertig und tiefgründig zugleich. Wer weiß denn schon bei uns genau was Pfingsten ist?

 

Bern/München - Wenn man in Zukunft jemandem, der gerade Deutsch lernt, erklären will, was der Spruch "Jemandem den Wind aus den Segeln nehmen" bedeutet, dann kann man ihm seit Montag ein Video von Angela Merkel vorspielen.

Dort lieferte die Bundeskanzlerin in einer Fragerunde an der Universität in Bern ein perfektes Beispiel dafür, wie man die Argumentation von selbsternannten Kulturbewahrern wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen lässt.

"Owned" – würden Teenager heute dazu sagen. Platt gemacht.

Was ist denn überhaupt Pfingsten?

Immer mehr Menschen aus Syrien kämen nach Europa und brächten freilich ihren muslimischen Glauben mit. Was die Bundeskanzlerin gegen "die Gefahr der Islamisierung" und den drohenden Terror hierzulande unternehmen möchte, will eine besorgte Bürgerin in der Fragerunde wissen. "Wie wollen sie die europäische Kultur schützen?", fragt sie.

Zunächst stellt Merkel klar, dass es sich bei der Terrorfrage teilweise um ein hausgemachtes Problem handelt. Schließlich gebe es auch viele Menschen in Europa, die sich dem Islamistischen Terror angeschlossen haben. "Das sind zum Teil Menschen, die in unseren Ländern aufgewachsen sind. Und wir können nicht so tun, als ob uns das nichts angeht”, erklärt Merkel.

Angst vor Überfremdung? Die Kanzlerin wird deutlicher: “Wir haben doch alle Chancen und Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen” Sie stelle fest, dass es den Christen schwer falle, sich zu ihrem Glauben zu bekennen. Die Angst vor einer Islamisierung ergebe in ihren Augen nur wenig Sinn, da vielen Europäern der christliche Glauben offenbar auch nicht wirklich wichtig sei.

"Wir haben überhaupt keinen Grund zu Hochmut"

Fasst euch doch erstmal an der eigenen kulturellen Glaubensnase, bevor ihr euch über den vermeintlich gefährlichen Einfluss des Islams in Europa Gedanken macht, so lässt sich die Aussage Merkels knapp zusammenfassen. Schließlich sei es um die Bibelfestigkeit der Europäer auch nicht so gut bestellt.

 

Das ist meine #Bundeskanzlerin!Auf die Frage einer "besorgten Bürgerin", wie man Europa vor einer "Islamisierung" schü...

Posted by Cihan Sügür on  Sunday, September 6, 2015

An die besorgte Bürgerin aus der Fragerunde schickt sie folgende Worte: "Wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, dann würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich anschließend zu beklagen, dass sich Muslime im Koran besser auskennen, finde ich irgendwie komisch.”

Das hat gesessen. Es waren ungwohnt deutliche Worte der Bundeskanzlerin, der sonst vorgeworfen wird, sie würde sich in der Flüchtlingsdebatte zu bedeckt halten.

Abschließend geht Merkel noch auf die geschichtliche Verantwortung Deutschlands und Europas ein: “Die europäische Geschichte ist so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn woanders etwas Schlimmes passiert. Wir haben überhaupt keinen Grund zu Hochmut, das sage ich als deutsche Bundeskanzlerin."

Fragen an Angela Merkel an der Universität Bern. Das Video.

Übrigens: Neben Weihnachten und Ostern ist Pfingsten für Christen besonders wichtig. Denn Pfingsten ist das dritte große Fest im christlichen Kirchenjahr. Es soll an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die in Jerusalem versammelten Apostel erinnern.

 

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