Fotos zeigen Corona-Zwangspause Zu Besuch in der Geister-Therme in Erding

Die Therme beherbergt das größte Rutschenparadies der Welt – derzeit ohne Gäste. Foto: Sigi Müller

Im größten Rutschenparadies der Welt ist Zwangspause: Ein Rundgang durch die Therme Erding, wo monatlich drei Millionen Euro Kosten anfallen, aber keiner mehr badet – und wo jetzt an neuen Ideen gefeilt wird

 

Erding - Das Parkhaus steht leer. Die Buslinie 550 fährt vorbei, ohne an der Haltestelle anzuhalten. Die automatische Schiebetür öffnet sich nicht mehr, wenn man vor den Eingang tritt. Über einen Nebeneingang gelangt man in die Halle, die nur durch das spärliche Licht der Plexiglas-Öffnungen an der Decke beleuchtet wird. Bis auf das regelmäßige Stampfen der Wasser-Umwälzanlage ist es still. Seit dem 13. März ist die Therme Erding geschlossen, zum ersten Mal seit ihrer Eröffnung vor rund 20 Jahren. Knapp 600 Mitarbeiter beschäftigt die Therme fest, zusammen mit externen Mitarbeitern in der Gastronomie sind es um die 1.000. 85 Prozent der Belegschaft ist nun in Kurzarbeit, ein paar Angestellte mussten gekündigt werden. Gegen das Virus: Wird die Therme zum temporären Freibad?

Das Innere des Bades ähnelt einer Geisterstadt: menschenleere Becken, spiegelglattes Wasser, verlassene Unterwasser-Barhocker an der "Champagner-Poolbar". Die abmontierte Figur eines Astronauten liegt einsam auf einer Badeliege. Trotz milden Wetters ist es in der Therme sehr warm, denn die Bäder müssen in Betrieb bleiben, damit sich keine Keime oder Algen im Wasser bilden, und so wird in den leeren Becken das Thermalwasser beständig hin und her gepumpt.

Zwischen 100.000 und 150.000 Euro kostet der Betrieb des Bades im Leerlauf täglich, rund drei Millionen Euro im Monat. Verlassen ist die Therme jedoch nicht, eher Corona-bedingt im Kokon eingepuppt, um sich danach verändert zu präsentieren: Knapp zwei Millionen Euro werden in die Zukunft des Bades investiert, um unter anderem die Rutschen zu erneuern und Schönheitsfehler, wie Flugrost, zu beseitigen.

Eine Revision der Anlagen muss ohnehin jedes Jahr stattfinden, doch als im Laufe des März klarwurde, dass das Bad zunächst geschlossen bleiben muss, beschloss die Unternehmensleitung, das Beste aus der Krise zu machen und alle Energien in Renovierung und Umbau zu stecken. So können sich zukünftige Besucher auch auf ein paar neue Attraktionen freuen: In der Rutsche "Bullyparade – Der Ride" kann man mit einer Virtual-Reality-Brille gemeinsam mit einer Figur aus den Filmen von Bully Herbig rutschen, oder in der neuen Citrus-Sauna entspannen.

Doch nicht nur die Therme, auch das Schwimmerlebnis wird sich ändern: Auf dem Boden vor den Ticket-Schaltern wird provisorisch schon der 1,5-Meter- Sicherheitsabstand mit DinA4-Seiten markiert, die bald durch bunte Sticker ersetzt werden.

Wie kann man jedoch eine Ansteckung im Schwimmbad verhindern? Franziska Schmid, Assistenz der Geschäftsführung der Therme, kamen beim Brain-storming schon Neopren-Masken oder Schnorchel-Pflicht in den Sinn, was dann aber doch schnell verworfen wurde. Stattdessen ist die Hoffnung, auch die Innenbereiche der Therme als Freibad umzufunktionieren, denn die Dächer der Schwimmhallen lassen sich wie bei einem Cabrio öffnen. Die Luft könnte so zirkulieren und das Ansteckungsrisiko verringert werden.

Und auch ein Sauna-Besuch ist denkbar, wenn die Temperatur hoch genug ist, um das Virus zu zerstören. So wäre ein Thermenbesuch wieder möglich – wenn es das Gesundheitsamt zulässt. Geplante Öffnung zwischen 15. und 22. Juni, Tickets sind voraussichtlich in begrenzter Stückzahl und mit festem Zeit-Slot online buchbar unter www.therme-erding.de

Therme Erding: Ärger auf Markus Söder

Franziska Schmid findet es "surreal", dass die weltgrößte Therme geschlossen bleibt, während die Münchner schon wieder in den Urlaub nach Österreich fahren können, um dort schwimmen zu gehen.

Die Kommunikation der Regierung laufe zu kurzfristig: "Man kann ein Bad mit sofortiger Wirkung schließen, aber nicht sofort wieder öffnen. Schließlich müssen vorab zum Beispiel die Wasserwerte geprüft und Mitarbeiter eingeplant werden." Mindestens zwei Wochen Vorlaufzeit bräuchte die Therme, um eine Öffnung vorzubereiten. Sie argumentiert zudem, dass die Schließung weniger gut Betuchte besonders hart trifft. "Ein Wochenende in Österreich kann sich nicht jeder leisten, ein paar Stunden in der Therme vielleicht schon." Auch Folgen für die Gesundheit der Bayern befürchtet sie. "Auch wenn die Schließungen dem Schutz der Gesundheit dienen, muss auch der heilsame Effekt eines Thermen-Besuchs beachtet werden." Regelmäßige Besucher klagen mittlerweile über Rückenschmerzen, berichtet sie – weil die Therme Erding fehlt.

 

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