Fotoausstellung im Gasteig Wildes München: Alte Fotos aus den 80er Jahren

Im Hauptbahnhof: Der Aufgang zum Aki, in dem "Sex-Filme" liefen. Foto: Harald Rumpf

Im Gasteig entführen die famosen Fotografien des Dokufilmers Harald Rumpf in das München der 80er Jahre. AZ gibt Einblicke in das wilde München von damals.

 

München - Boy George hätte die Lippen kaum schöner ziehen können, Anfang der 80er, als "Do You Really Want to Hurt Me" auf jeder Fete schwüle Reggae-Stimmung verbreitet hat. Was nicht so ganz passt, ist der Schriftzug "Hölzl" im Hintergrund – der verzweifelte Boy-George-Verschnitt steht also nicht in London, sondern in Schwabing.

Am Auslöser war allerdings einer, den man leicht für einen britischen oder amerikanischen Roadfotografen halten könnte: Harald Rumpf zog damals durch die Münchner Straßen und Clubs und fing das ein, was spätestens in den 90er Jahren geschliffen und poliert wurde. Oder gar nicht mehr existiert. Autos sind da zu sehen, die noch Kanten hatten, Auslagen, die ein paar Monate länger hinter den Schaufenstern liegen durften, schrapplige Grillbuden und Cafés, die den staubig gewordenen Charme der 50er Jahre verströmten.

Discogirls und punkige Teenager

Vor allem aber hat sich Rumpf, der durch einfühlsame Dokumentarfilme bekannt geworden ist, für die Menschen zwischen Haidhausen und dem Hasenbergl interessiert.

Für aufgebrezelte Discogirls und punkige Teenager etwa, für Schulbuben, die geschminkt wie die Hardrocker von Kiss durch den Luitpoldpark radeln, und rotzige Mädels, die Kaugummiblasen ploppen lassen. Dazwischen posieren aalglatte Popper von der Leopoldstraße und schrille Szenegänger in Clubs, die längst verschwunden sind.

München war schon mal cooler in einer Zeit, als die Jungen noch davon geträumt haben, wie der Tscharlie aus den "Münchner Gschichten" durchs Siegestor zu reiten. Den gibt’s zwar nicht unter den Fotografien Harald Rumpfs, die jetzt im Gasteig ausgestellt sind. Dafür aber andere Helden und Heldinnen, die dem Betrachter vielleicht doch einen Tick näher sind.


Ausstellung: "Harald Rumpf. Billard, Fotografien aus dem München der 80er Jahre", bis 12. Januar täglich von 8 bis 23 Uhr im Gasteig, Foyer 1. Stock, Rosenheimer Str. 5, Eintritt frei.

Die Fotografien können übrigens auch käuflich erworben werden. Preise ab 800 Euro.

Bildband: "Billard", 176 Seiten, 75 Fotos, Allitera Verlag, 38 Euro.
Film: Rumpfs Obdachlosen-Doku "Münchner Freiheit" wird am Samstag, 15.30 Uhr, im Werkstattkino, Fraunhoferstr. 9, gezeigt.

 

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