Forschungsprojekt Stadtverwaltung im Nationalsozialismus

Die LMU forscht, welche Rolle die Stadtverwaltung in der NS-Zeit gespielt hat. Am 2. Dezember werden die ersten Ergebnisse vorgestellt.

 

Maxvorstadt - Als erste deutsche Großstadt lässt München in einem breit angelegten wissenschaftlichen Forschungsprojekt die Rolle der Stadtverwaltung während der NS-Zeit untersuchen. München besaß für Entstehung und Aufstieg des Nationalsozialismus eine Schlüsselrolle. Im Kontext von „Machtergreifung“ und Machtsicherung der NSDAP spielte auch die Kommunalverwaltung als Herrschaftsinstrument eine wichtige Rolle.

Von der Geschichtswissenschaft wurde dieser Aspekt bislang noch nicht systematisch untersucht. Hier setzt ein vom Münchner Stadtrat im Jahr 2009 beschlossenes, mehrstufiges Forschungsprojekt an. In Kooperation mit dem Stadtarchiv führt das Historische Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) das Projekt in voller wissenschaftlicher Unabhängigkeit durch. Das Vorhaben geht zurück auf eine Pilotstudie zur Geschichte des städtischen Gesundheitsamtes während der NS-Zeit, die vom Referat für Gesundheit und Umwelt 2007 in Auftrag gegeben worden war. Diese Pilotstudie hatte eine enge Verstrickung der städtischen Gesundheitsverwaltung mit der Bürokratie des Unrechts nach 1933 ans Licht gebracht und die Notwendigkeit einer breit angelegten, wissenschaftlichen Untersuchung von Verwaltungshandeln in der Diktatur deutlich gemacht.

Seit Herbst 2009 loten Historikerinnen und Historiker des Historischen Seminars der Ludwig-Maximilians-Universität die Dimensionen nationalsozialistischer Stadtgeschichte am prominenten Beispiel Münchens aus. Das Interesse der Forscher gilt insbesondere den städtischen Ämtern als eigenständigen Akteuren im Herrschaftsgefüge des NS-Staates. Sie vermessen die kommunalen Handlungsspielräume im Spannungsfeld von übergeordneten staatlichen Instanzen und Machtansprüchen der in München ansässigen NSDAP-Institutionen.

Gefragt wird auch nach dem Wechselverhältnis mit gesellschaftlichen Akteuren wie beispielsweise den Kirchen und den freien Wohlfahrtsverbänden. Das Projekt richtet den Blick zudem auf die Erwartungen der Einwohnerschaft sowie auf das Beziehungsverhältnis zwischen der Stadtverwaltung und den Münchner Bürgerinnen und Bürgern. Denn städtische Behörden spielten bei der Herrschaftsvermittlung zwischen Staat und Gesellschaft eine zentrale Rolle. Sie agierten nicht nur als ausführende Verwaltungsinstanz, sondern auch in spezifischer Ambivalenz – als eigenständiger Akteur bei der Verfolgung und der Erbringung elementarer Dienstleistungen.

Die ersten im Rahmen des Projekts „Die Münchner Stadtverwaltung im Nationalsozialismus“ abgeschlossenen Studien werden am 2. Dezember im Großen Sitzungssaal des Rathauses vorgestellt. Für ihre Studie „Amtsgewalt und Volksgesundheit“ hat sich Annemone Christians mit dem öffentlichen Gesundheitswesen im nationalsozialistischen München beschäftigt. Die Untersuchung erscheint als Band 1 der im Wallstein Verlag (Göttingen) herausgegebenen Reihe „München im Nationalsozialismus. Kommunalverwaltung und Stadtgesellschaft“.

 

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