Forscher beweisen in Studie Langschläfer? Daran sind Ihre Gene schuld!

Würden Sie morgens auch gern länger liegen bleiben wie diese Katze? Wissenschaftler aus den USA haben jetzt den Grund dafür geliefert. Foto: dpa

Ob wir früh aufstehen und sofort putzmunter sind oder lieber lange im Bett liegen bleiben, ist kein Zufall. Das haben US-Forscher in einer Schlafstudie mit Zehntausenden Teilnehmern nachgewiesen

 

Nur noch fünf Minuten. Die Decke über den Kopf gezogen und noch mal ins flauschige Kissen gekuschelt. Diese Gnaden-Minuten am Morgen summieren sich schon mal schnell zu einer halben Stunde.

Wer sich so Tag für Tag aus dem Bett quält und von morgenaktiven Menschen im Büro belächelt wird, weil man bis Mittag grantelt, der kann diesen jetzt entgegenhalten: Langschläfer können gar nichts dafür, das liegt alles an den Genen. Das haben nun US-Forscher in einer großen Schlafstudie mit Zehntausenden Teilnehmern belegt.

Gen-Daten von rund 90.000 Menschen untersucht

„Wir wollten mehr darüber herausfinden, warum manche Menschen lieber früh aufstehen“, erklärt eine der Autoren, Youna Hu von der kalifornischen Firma „23andMe“. Die Forscher haben die Gen-Daten von rund 90 000 Menschen untersucht – und festgestellt: Frühaufsteher haben bei 15 Genen sehr häufig die gleiche Abfolge von Basenpaaren. Diese können den Wissenschaftlern zufolge dafür mitverantwortlich sein, dass manche von Natur aus früher aufstehen – andere dagegen lieber ausschlafen.

Diese vermeintlichen Frühaufsteher sind übrigens häufiger Frauen als Männer, wie die Wissenschaftler nun im Fachmagazin „Nature Communications“ weiter berichten. Sie neigen zudem weniger zu Schlafproblemen, sind seltener vom sogenannten Restless-Leg-Syndrom (RLS) – die Beine fühlen sich ruhelos an – betroffen und haben auch weniger Atemaussetzer im Schlaf.

Frühaufsteher sind weniger depressiv und schlanker

Und noch zwei interessante Details hat die Untersuchung ergeben: Frühaufsteher leiden zu einem Drittel weniger an Depressionen – und sie sind auch schlanker. Der Body Mass Index (BMI) bei den Langschläfern war demnach etwas höher, so die Forscher. Inwiefern es einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Erkenntnissen und dem Schlafverhalten gibt, wissen die Forscher noch nicht. Fakt ist bislang nur: Sieben der 15 jetzt identifizierten DNA-Abschnitte, die Frühaufsteher häufig haben, finden sich dort, wo auch Gene liegen, die mit der Inneren Uhr in Verbindung gebracht werden. Sie sind dafür verantwortlich, dass unsere Schlafdauer reguliert wird. Vier der neu beschriebenen Gene dagegen wurden bislang gar nicht mit Schlafen in Verbindung gebracht.

Die Teilnehmer der großen Schlafstudie hatten ihre DNA freiwillig zur Verfügung gestellt. Und zwar der Firma „23andMe“ – die in den USA durchaus umstritten ist. Das Unternehmen für Genanalysen ist schon mehrfach in die Kritik der Behörden geraten etwa aufgrund von moralisch zweifelhaften Angeboten von Genanalysen.

Dass unsere Gene mit dem Schlafverhalten in Verbindung stehen, haben aber auch schon andere Studien nahegelegt. So wurde etwa 2011 eine Untersuchung in sieben europäischen Ländern durchgeführt – dabei wollen Wissenschaftler ein Langschläfer-Gen entdeckt haben. Die Dimension der Studie war jedoch eine andere: Es wurden damals 4000 Menschen einbezogen.

Alles ist irgendwie genetisch veranlagt

Die Erkenntnis, dass das Schlafen mit unseren Genen zusammenhängt, ist für den Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley „plausibel“ und „ überhaupt nicht erstaunlich“, wie er der AZ erklärt. Alles sei eben in einer gewissen Weise genetisch in uns veranlagt – auch das Schlafverhalten. Aber es spielen auch andere Faktoren eine Rolle wie etwas das Alter.

Heißt das nun: Einmal Langschläfer, immer Langschläfer? Ein solcher wird jedenfalls nicht zum Frühaufsteher mutieren, glaubt Zulley. „Ich kann aber versuchen, etwas früher aufzustehen. Nicht mit Gewalt, das wäre sonst gegen meinen eigenen Rhythmus.“ Aber etwas früher aufstehen, das sei durchaus möglich. Auf seine Veranlagung allein könne man sich also nicht rausreden, findet Zulley: „‚Das sind eben meine Gene’ – das reicht nicht als Ausrede.“

 

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