Formel 1 Mercedes GP mit Sonderschichten vor Malaysia

Nach dem Flop von Melbourne steht für Mercedes GP in Malaysia viel auf dem Spiel. Beim zweiten Formel-1-Saisonrennen im "Glutofen" Sepang müssen die Silberpfeile beweisen, dass sie Weltmeister Sebastian Vettel wenigstens einigermaßen gefährlich werden können.

 

Stuttgart - Die Mechaniker schraubten Tag und Nacht, die Rennfabrik stand kaum still. Der deutsche Formel-1-Rennstall Mercedes hat die wenigen Tage nach dem Desaster von Melbourne mit Hochdruck genutzt, um den lahmen Silberpfeil wieder auf Touren zu bringen. "Das Licht ging dabei selten aus", schilderte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

"Jeder im Team ist positiv geblieben und hat seinen Kampfgeist ausgepackt. Ich erwarte daher ein besseres Wochenende für uns, ein Wochenende, auf dem wir in der Folge aufbauen können", betonte Rekordweltmeister Michael Schumacher vor dem Großen Preis von Malaysia an diesem Sonntag. Trotz des deprimierenden Doppelausfalls von Schumacher und Nico Rosberg beim Saisonstart in Australien sieht Haug keinen Anlass, sich jetzt an schwächeren Konkurrenten zu orientieren: Der Blick geht weiter zu Weltmeister Sebastian Vettel.

"Der Sieger der letzten Rennen ist stets die alleinige Messlatte für alle im Feld", sagte der Mercedes-Mann, meinte indes auch: "Wir müssen aber zunächst alleine auf uns und unsere Leistung schauen." Verrückt machen lässt sich Haug wegen des enormen Drucks nicht, der auf dem Team lastet. "Druck ist quasi das Grundnahrungsmittel der Formel-1-Aktiven", sagte der 58 Jahre alte Schwabe. "Der Erste hat ihn, um von der Pole Position aus zu siegen; der Letzte, um sich für das Rennen zu qualifizieren. Und der in der Mitte, um Plätze nach vorne gutzumachen." Wer Druck nicht möge, möge die Formel 1 nicht.

Doch trotz Haugs relativ entspanntem Umgang mit dem völlig verhagelten Auftakt steht den Silberpfeilen in Malaysia in doppelter Hinsicht ein extrem heißes Wochenende bevor. Während die enorme Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 35 Grad Mensch und Maschine allgemein zu schaffen machen, dürfen sich die nach dem guten Testfinale schon als Sieganwärter gehandelten Silberpfeile keinen erneuten Flop leisten. Sonst droht das Ziel des vorjährigen WM-Vierten in der Teamwertung, sich Schritt für Schritt an die Spitze zurückzuarbeiten, schon früh außer Reichweite zu geraten.

Um dieses Risiko maximal zu minimieren, haben die Ingenieure in den Werken in Brackley und Brixworth vor dem zweiten Saisonrennen am Sonntag quasi durchgearbeitet. Haug hofft, dass dank der Sonderschichten die Zuverlässigkeitsprobleme und Abstimmungsschwierigkeiten beim MGP W02 behoben werden konnten.

Haugs Hoffnung auf eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse zugunsten von Mercedes GP zumindest auf mittlere Sicht basiert auch auf den permanenten Umwälzungen in der Formel 1: "Die einzige Konstante in der Formel-1-Geschichte war immer die Veränderung - auch wenn es gefühlt oft ewig lange dauert, bis diese einsetzt."

Und so wie Red Bull mit dem neuen Überflieger Vettel sich inzwischen an die Spitze vorgearbeitet hat, geht Haug davon aus, dass Mercedes "Schritt für Schritt wieder dahin" kommt, "wo wir mit unseren Partnerteams schon waren". Mit McLaren und Brawn GP hat es schließlich zu mehreren Fahrer- und Konstrukteurstiteln gereicht. Und auch der erste Podestplatz für das neue Team vor einem Jahr in Malaysia macht Mut: Rosberg belegte damals Rang drei.

 

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