Formel 1 in Monza Vettel nach Sieg ausgepfiffen

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel siegt in Monza, der Titel rückt immer näher. "Fantastisch, unglaublich", jubelt er. Die Tifosi pfeifen ihn bei der Siegerehrung aus. "Die Italiener sollten sich zusammenreißen", sagt Lauda.

 

Monza - Sebastian Vettel hielt sein Siegerinterview, aber die vor die Boxengasse geeilten Formel-1-Tifosi interessierte das nicht. "Alonso, Alonso", schrien die Ferrari-Fans und huldigten damit dem Zweiten des Rennens. Red-Bull-Pilot Vettel dagegen pfiffen sie aus.

Ganz klar: Mit seinem sechsten Saisonsieg – dem dritten in den vergangenen vier Rennen – hat der Deutsche in Monza einen riesigen Satz in Richtung vierter WM-Titel in Folge gemacht. Und das im Ferrari-Land.

"Ein fantastisches, unglaubliches Rennen", sagte Vettel, dem die Pfiffe der Ferrari-Fans egal waren: "Je mehr gepfiffen wird, desto besser war der Tag. Das ist ja auch eine Art Auszeichnung", sagte er, "wir sind stolz, die roten Jungs hier geschlagen zu haben."

RTL-Experte und Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda dagegen befand: "Die Italiener sollten sich ein bisschen zusammenreißen. Vettel hat verdient gewonnen."

Auf den Tag genau 22 Jahre nachdem Michael Schumacher in Monza seine ersten WM-Punkte ergattert hatte, triumphierte der 26-Jährige an der Stätte seines ersten Grand-Prix-Sieges (2008), vor Alonso und seinem Teamkollegen Mark Webber. Vettel hat nach 12 von 19 WM-Rennen nun 53 Punkte Vorsprung auf Alonso – und den Rest abgehängt.

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hatte sich bereits mit einem zwölften Platz im Qualifying seiner letzten Titelchancen beraubt. "Ich bin wie ein Idiot gefahren", entschuldigte sich der Brite, der als Neunter nur zwei Punkte mitnahm und als WM-Dritter schon 81 Punkte zurück liegt: "Das ist ein Desaster."

Kimi Räikkönen (Lotus, 88 Punkte zurück) verabschiedete sich mit einem Frontflügeldefekt aus den Spitzenrängen, wurde 11.. Bei Vettel war lediglich der Start heikel, weil er schlecht wegkam, sich dazu noch in der ersten Schikane verbremste. "Nur in der ersten Kurve war es eng", sagte der Sieger nach der Zieldurchfahrt im Boxenfunk.

Kleinere Probleme am Getriebe wurden Gott sei Dank nicht dramatisch. "Wir wissen, dass da etwas ist", funkte Red Bull ins Cockpit, "aber kein Problem." So hatte Vettel freie Fahrt und konnte beim letzten Europa-Rennen 2013 seinen insgesamt dritten Sieg auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke (bis 340 km/h) locker heim fahren, Alonso und Webber brachten ihn nie in Bedrängnis.

Von einer WM-Vorentscheidung wollte der Heppenheimer aber noch nicht sprechen: "Wenn man zu weit in die Ferne schaut, verpasst man vielleicht den Spaß, den man im Moment hat." Alonso jedoch gestand sich ein: "Sebastian muss schon ein paar Mal ausfallen, wenn wir noch Weltmeister werden wollen."

Richtig Spaß schien derweil Nico Hülkenberg in Monza zu haben. Der 26-Jährige war im Qualifying mit seinem arg limitierten Sauber völlig überraschend auf Platz drei gerast und hielt sich im Rennen bis zum Schluss vor dem Mercedes von Nico Rosberg, dem Franz Beckenbauer in der Mercedes-Box die Daumen drückte – Rang fünf und sechs für die deutschen Nicos.

Hülkenberg, der 2014 frei ist, empfahl sich so für höhere Aufgaben. Aktuell ist er sogar bei Ferrari im Gespräch, sollte die Rückhol-Aktion von Kimi Räikkönen noch scheitern. "Wir werden in den kommenden Tagen die Entscheidung treffen", sagte Ferrari-Boss Luca di Montezemolo.

"Ich prüfe alle Optionen und hoffe auf ein schnelles Auto. Ich biete meine Leidenschaft, meinen Speed und meinen unbedingten Willen zum Sieg", meinte Hülkenberg. Formel-1-Orakel Eddie Jordan konnte sich dessen Leistung indes nur so erklären: "Ich frage mich, was für eine Karotte sie vor ihn hingehängt haben. Eine Ferrari-Möhre?!"

 

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