Formel 1 Formel 1: Stern sinkt, Stern strahlt

Michael Schumacher ist in Melbourne nur Zehnter geworden. Unzufrieden war er aber nicht. Foto: dpa

Nur Zehnter! Nach Platz sechs zum Auftakt folgt in Australien der nächste Dämpfer für Schumacher. Dennoch wirkt er gut gelaunt. Mercedes-Boss Haug erklärt’s mit der Firma.

 

MELBOURNE Was können drei Jahre machen mit einem Menschen? Kann es wirklich sein, dass drei Jahre relativen Nichtstuns aus Michael Schumacher einen entspannteren, einen strahlenderen Menschen gemacht haben? Ist aus dem zuweilen vom Ehrgeiz zerfressenem Rennfahrerroboter ein Racer geworden, der einfach nur Spaß am Vollgasgeben hat?

Michael Schumacher hat auch bei seinem zweiten Rennen seit seiner Rückkehr nichts mit der Entscheidung um den Sieg zu tun gehabt. Nach Platz sechs zum Auftakt in Bahrain ist der Rekordweltmeister in Australien nun nach einem unverschuldeten Dreher in der ersten Runde und dem daraus folgenden unfreiwilligen Boxenstopp am Ende Zehnter geworden M;it . 1:09,391Minuten Rückstand auf den Sieger Jenson Button.

Statt sich an der Spitze mit den Besten der Besten zu duellieren, befand er sich im Niemandsland und kämpfte unter anderem gegen einen Rennfahrer-Neuling wie Lucas di Grassi im unterlegenen Virgin und fuhr rundenlang hinter dem Spanier Jamie Alguersuari und dessen nur unwesentlich besseren Toro Rosso hinterher. Der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten brauchte gestern lange, um diesen erst 20 Jahre alten Spanier, der vor der Saison um das Cockpit hatte bangen müssen, zu überholen. Und als er es endlich schaffte, war für eine weitere Aufholjagd nicht mehr viel Rennen übrig gewesen.

Und doch stieg Schumacher nach dem Rennen aus dem Auto, winkte den Fotografen zu, setzte den Helm ab – und, ja, Schumi lächelte.

Platz zehn? Pah, macht doch nichts! „Wir haben heute genug Action gesehen“, sagte er. Tatsächlich war das Rennen in Melbourne bei wechselnden Wetterverhältnissen wesentlich ereignisreicher als der Gähn-Auftakt in Bahrain; Schumacher konnte da aber nach der ersten Runde freilich nur wenig dazu beitragen. „Am Start wurde gedrängelt, geschoben und gemacht. Ich war voller Tatendrang, fuhr an vielen vorbei – und dann kam ein Anklopfen von hinten. Da ging es dahin“, sagte er lakonisch zu seiner Berührung durch Fernando Alonsos Ferrari, der zuvor von Button angeschoben worden war und wegen der Schumacher seinen Frontflügel hatte wechseln müssen. Doch der 41-Jährige beteuerte, dass ihm auch das Fahren im Nirgendwo viel Spaß gemacht hätte. „Diese Jungs können auch richtig Gas geben. Phasenweise waren wir schneller als die Spitze. Er hat das Maximum gegeben.“

Ist der Rekordweltmeister altersmilde geworden? Oder noch so beseelt davon, endlich wieder Vollgas geben zu dürfen? Reichen ihm Duelle um Platz zehn jetzt wirklich schon zum Glück? Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, der Schumacher eine „sensationelle“ Leistung bescheinigte, fand bei „sky“ eine verblüffend einfache Begründung für Schumachers Gleichmut: „Wenn man beim Stern arbeitet, strahlt man. Das ist normal!“ Selbst wenn sein Stern im Sinken ist?

Bei allem Verständnis für Haugs Liebe zu seinem Arbeitgeber, so einfach wird das nicht sein. Haug weiß genauso gut wie Schumacher, dass die Silberpfeile derzeit nicht das Maß der Dinge sind in der Formel 1; womöglich haben die beiden Racer entschieden, sich in Geduld zu üben. Wobei: So ganz kann Schumi nicht aus seiner Haut. Als er sich am Samstag von Alonso behindert fühlte, geigte er dem Konkurrenten in der Ferrari-Box ziemlich lautstark seine Meinung. Von buddhahafter Sanftmut war da wenig zu spüren.

Filippo Cataldo

 

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