Formel-1-Fahrer aus Gräfelfing Sutil: „Ich möchte mein Leben in den Griff kriegen”

Nach einem Jahr Pause ist der Gräfelfinger Adrian Sutil zurück in der Formel 1 – und kämpft nach seiner Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung um seinen Ruf. Er hofft auf eine zweite Chance

 

Barcelona - Adrian Sutil hat keine Zeit mehr für James Bond. Er hat zwar eine Schwäche für die Agententhriller, liebt besondern die „ganz alten Filme”. Doch zum TV-Schauen wird Sutil die Zeit fehlen in den nächsten Monaten.

Nach einem Jahr Pause gehört der Gräfelfinger schließlich wieder zum elitären Zirkel der Formel-1-Piloten.

Und seine zweite Chance geht er an wie eine Mission.

„Ich will nicht einfach bei jedem Rennen in die Punkte fahren und Fünfter oder Sechster werden, ich will aufs Siegerpodest”, sagt der 30-Jährige nach seiner Rückkehr zu Force India, „im Grunde unterscheidet sich mein Ziel nicht von jenem jedes Grand-Prix-Rennfahrers – ich will gewinnen und eines Tages Weltmeister werden. Davon sind wir beseelt.” Quasi, um seinem Anspruch Nachdruck zu verleihen, fuhr Sutil am Freitag bei den Tests in Barcelona in der Morgen-Session auf Platz zwei.

Sutil hat sich fit gehalten letztes Jahr. Etwas anderes blieb ihm ja nicht übrig. Die ganze Saison lang hatte er gehofft, dass irgendwo vielleicht ein Fahrer entlassen und man ihn reaktivieren würde. Doch Sutil hoffte vergebens. Und wartete. Er wartete lange, sehr lange. Auch in diesem Winter – und wurde am Ende belohnt. Erst am Donnerstag bekam er das letzte freie Cockpit. Force India, sein altes neues Team nahm ihn, den verlorenen Sohn, wieder auf.

Denn Sutils Pause letztes Jahr kam nicht von ungefähr. Obwohl man auch heute noch nicht so recht versteht wie ihm, dem kulturell gebildeten Fahrer mit den guten Manieren – Sutil hätte auch Konzertpianist werden können – dieser Schlamassel passieren konnte. Denn Sutil ist vorbestraft. Im Januar 2012 wurde der Gräfelfinger wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 200000 Euro und 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Danach wollte ihn kein Rennstall unter Vertrag nehmen – auch aus Angst, dass er für bestimmte Länder kein Visum erhalten könnte. „Jeder macht in seinem Leben Fehler”, sagt Sutil, „ich hoffe, dass die Menschen diese fünf Sekunden von Shanghai nicht so bewerten, dass sie mein Wesen wiedergeben. Sie sollen nicht für die Ewigkeit sein. Ich möchte mein Leben in den Griff kriegen.” Im April 2011 hatte Sutil nach dem Rennen in China mit seinem ehemaligen Kumpel Lewis Hamilton in einer Nobeldisco gefeiert. Es kam zu einem Handgemenge, in dem er Eric Lux, Teilhaber des Renault-Teams (heute Lotus) mit einem Champagnerglas in den Hals schnitt. Die beiden haben sich ausgesprochen. „Jeder hat im Leben eine zweite Chance verdient”, sagt Sutil.

Und seine will er unbedingt nutzen. Nach einem Jahr Auszeit ist der Gräfelfinger zurück bei Force India. Bei dem Team des schillernden Besitzers Vijay Mallya tritt er die Nachfolge seines Nachfolgers Nico Hülkenberg, der zu Sauber gewechselt war, an. Sutil will nun mit aller Macht zurück in die Zukunft, seinen Dämonen und der Vergangenheit davonrasen.

 

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