Folgen des Klimawandels Bayerns Skigebiete: "Immer höhere Regionen"

Dürfte wohl noch viele Jahre ein Skigebiet bleiben: Der Wendelstein, hier bedeckt von Neuschnee. Foto: Deutscher Wetterdienst

Hier erklärt eine Expertin des Deutschen Wetterdienstes, wie der Klimawandel den Sport in kommenden Jahrzehnten beeinflusst – und was sich dagegen tun lässt.

 

AZ: Frau Penda, Sie sind diplomierte Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Wie lange kann man in den Alpen noch die Pisten hinunterrasen, bevor die fortschreitende Erderwärmung den Wintersportlern einen Strich durch die Rechnung macht?

ELSBETH PENDA: Die Skifahrer und Snowboarder brauchen sich, was ihren Sport angeht, keine Sorgen machen, der Schnee wird nicht in zwei Jahren verschwunden sein. Und auch auf längere Sicht hin nicht. Die Klimaveränderung ist ein langer Prozess, da stellen sich nicht innerhalb von ein paar Jahren große Veränderungen ein.

In den letzten drei Jahren setzten die Winter erst sehr spät ein. Es gab zwar, wie in diesem Jahr, recht früh ergiebige Schneefälle. Aber der Dezember war dann doch sehr mild und herbstlich.

Das sind die ganz normalen und natürlichen Launen und Schwankungen des Wetters. Das hat mit dem Klima konkret nichts zu tun. Das Wetter hängt von unglaublich vielen Faktoren ab und wird davon beeinflusst.

Dann können Sie also keine Vorhersage für den Winter machen, wie viel Pulverschnee in den Bergen zu erwarten ist?

Eine Wettervorhersage beschäftigt sich mit den kommenden drei, vier Tagen – wie es in den nächsten drei, vier Monaten aussehen wird, kann niemand konkret sagen. Das wäre reine Spekulation. Das einzige was man anhand von meteorologischen Studien und Untersuchungen bereits heute sagen kann, ist, dass die Erderwärmung um zwei Grad in den nächsten 20 Jahren zunehmen wird. Davon geht man aus.

Was bedeutet das denn konkret?

Das bedeutet, dass die Schneefallgrenze, die jetzt bei ungefähr 700 Höhenmetern liegt, weiter nach oben steigt. Der Wintersport bewegt sich also in immer höhere Regionen, konzentriert und orientiert sich dort. Es würde also wenig Sinn machen, wenn man ein neues Skigebiet plant und baut, das bald unter der Schnee-Schallgrenze liegt.

Kann der gemeine Wintersportler einen Teil dazu beitragen, dass die Erderwärmung nicht so schnell voranschreitet?

Auf jeden Fall. Jeder noch so kleine Beitrag ist da gut und wichtig, gerade auf die Masse bezogen. Je weniger der Mensch an CO2 produziert und in die Atmosphäre bläst, desto besser.

Hätten Sie ein paar Tipps, wie man sich möglichst CO2-freundlich bewegt?

Das sind die ganz einfachen Dinge: Nicht immer ins Auto setzen und in die Berge rasen, sondern auch mal mit dem Zug. Oder einfach Fahrgemeinschaften bilden. Auch im ganz normalen Alltag kann man darauf achten, weniger Energie zu verbrauchen.

Hurrikan „Sandy” hat gerade Amerika durchgewirbelt. In den Alpen gibt es immer öfter Überschwemmungen. Ist das ein Indikator für die Klimaveränderung?

Man kann nicht alles auf den Klimawandel schieben. Das wäre zu einfach. Was jedoch stimmt: Die Naturkatastrophen nehmen zu. Und das bereitet mir Sorgen. Auch in unseren gemäßigten Breitengraden wird das spürbar. Extreme Regengüsse und Stürme häufen sich.

Warum?

Durch die steigende Erderwärmung gelangt mehr Feuchtigkeit in die Atmosphäre, dadurch werden die Temperatur-Gegensätze da oben größer. Und genau das lässt Wirbelstürme oder Regengüsse immer stärker werden.

Wie fahren Sie selbst in die Wintersportgebiete?

Oh! Ich muss zugeben, dass ich kein Wintersportler bin. Ich stehe nicht so auf Eis und Schnee, bevorzuge doch mehr Sonne, Meer und Strand.

 

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