Flut in Deggendorf, Straubing, Passau Hochwasser in Bayern: Die Lage am Freitag

Aktuelle Bilder vom Hochwasser in Deggendorf: Die Lage ist weiter kritisch. Die Bürger sorgen sich um die Dämme. Die A92 ist wieder geöffnet. Foto: dpa

Bei Deggendorf kämpfen die Helfer um jeden Zentimeter Deich. Bei Günzburg ertrinkt eine Frau im Hochwasser. Die Hilfsbereitschaft der Bayern überwältigt auch die Profis

 

Deggendorf -  Seit sechs Tagen wird Bayern nun schon vom Hochwasser in Atem gehalten. Und noch immer gibt es keine Entwarnung: Besonders schlimm steht es derzeit um die Gegend um Deggendorf. Und am Wochenende soll von Frankreich aus ein neues Regentief nach Bayern ziehen.

Langsam aber sicher zieht sich das Hochwasser im Freistaat zurück und die Pegelstände fallen. Wie der Hochwassernachrichtendienst (HND) am Freitag meldete, registrierten noch 41 von 239 bayerischen Pegeln Hochwasser. Vor allem auf der Donau von Straubing bis Passau bleibt es bei Meldestufe 4.

Wie ein Sprecher des Landratsamtes am Freitag sagte, liege der Pegelstand momentan bei rund 7,60 Meter. „Wir hoffen, dass nichts mehr passiert. Es besteht aber immer noch die Gefahr, dass durchweichte Dämme brechen.“ Leichte Entspannung gibt es auf den Straßen: Die Autobahn 92 bei Deggendorf ist seit 6 Uhr wieder geöffnet, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die A3 sei hingegen im Hochwassergebiet weiter gesperrt.

Deiche an der Donau nicht auf neuestem Stand

Die Überschwemmungen an der niederbayerischen Donau haben gezeigt: Viele Deiche halten Hochwasser nicht mehr stand. „Im Hinblick auf das jetzige Hochwasser sind die Deiche zu niedrig. Die Deiche bieten Schutz gegen ein Hochwasserereignis, wie es etwa alle 20 bis 30 Jahre eintritt“, sagte Hermann Waas vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf der dpa. Seiner Einschätzung nach handele es sich beim jetzigen Hochwasser um eines, das alle 50 Jahre vorkomme. Technisch seien die Deiche in gutem Zustand.

Lesen Sie hier: Hochwasser in Bayern: Die Lage am Donnerstag

In Osterhofen bei Deggendorf drohte gestern ein Deich zu brechen. Auch bei Ruckasing hatte sich im Damm ein Riss gebildet. 750 Menschen in den bedrohten Ortschaften mussten gerettet werden. Damit mussten inzwischen 5000 Menschen in und um Deggendorf ihre Häuser verlassen.

Fischerdorf verwaist

Der Ort Fischerdorf ist seit Mittwochabend komplett verwaist. Die letzten hartnäckigen Einwohner mussten per Hubschrauber von den Dächern gerettet werden. Gerade noch rechtzeitig: Jetzt steht das Dorf bis zu den Dächern komplett im Wasser. Ein weiter blauer Himmel wölbt sich über dem gespenstisch menschenleeren Ort. Die Feuerwehrler gleiten fast lautlos mit ihren Booten durch die überfluteten Straßen.

Osterhofen: Kampf um die Deiche

Währenddessen kämpfen die Helfer in Osterhofen und Ruckasing um jeden Zentimeter Deich. Per Internet und Telefon haben die Gemeindeverwaltungen alle nicht unmittelbar vom Hochwasser betroffenen Anwohner zusammengetrommelt: Wer irgendwie kann, soll zum Wasserwirtschaftsamt, beim Befüllen von Sandsäcken helfen. Hunderte sind dem Aufruf gefolgt.

Am Morgen war Ministerpräsident Horst Seehofer mit dem Hubschrauber über Deggendorf geflogen. Es war schon sein dritter Besuch im Hochwassergebiet. „Es ist unbeschreiblich schlimm“, sagte er, sichtlich erschüttert. „Das übersteigt alle Dimensionen.“ In der Deggendorfer Stadthalle dankte er den Einsatzkräften aus ganz Bayern: „Die Bevölkerung ist stolz auf euch!“, sagte er.
Tatsächlich rückt Bayern zusammen: „Die Hilfsbereitschaft ist grandios“, sagt Leonhard Stärk vom Bayerischen Roten Kreuz. Das BRK musste zusätzliche Telefonleitungen schalten, um die Hilfsangebote koordinieren zu können.

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Eine Münchner Baufirma hat hunderte Bautrockner kostenlos zur Verfügung gestellt. Ein Autohaus in Deggendorf leiht Betroffenen für drei Wochen kostenlos Autos. Auf Facebook posten Menschen Unterkunfts-Angebote, Kleider- und Möbelspenden. Auch die Stadt München hilft: Sie schickt 100 Feuerwehrleute, Techniker der Lokalbaukommission, Mitarbeiter der Stadtreinigung und 19 Monteure der Stadtwerke nach Passau.

Frau stirbt bei Günzburg

In einem Donaukraftwerk bei Günzburg wurde gestern eine ertrunkene Frau gefunden.

Flut im Rest Deutschlands

Im Rest Deutschlands hat sich die Flut inzwischen weiter nach Norden verlagert: Während Sachsen langsam aufatmet, wappnen sich Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gegen die anschwellende Elbe. Auch hier rechnen die Behörden mit Rekordpegelständen. Kanzlerin Angela Merkel reiste gestern nach Bitterfeld, Bundespräsident Joachim Gauck will am Sonntag Halle besuchen.

Brandenburg:
Die Situation in den Brandenburger Hochwassergebieten bleibt dramatisch. Die Deiche halten, aber das Wsser steigt und steigt...
 

 

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