Fingerspitzengefühl Opa Waldemar flicht die kleinsten Körbe der Welt

Gerademal acht Millimeter klein sind die Minikörbe, die Waldemar Backert aus Michelau herstellt. 1340 hat er bisher schon geflochten. Er verkauft sie für 20 Euro das Stück. Foto: dapd
 

MICHELAU Waldemar Backert liebt die kleinen Dinge des Lebens. Seit der Korbmachermeister aus dem oberfränkischen Michelau 1988 aus einer Laune heraus den noch heute mit acht Millimeter kleinsten Korb der Welt aus Weiden anfertigte, hat er sich vollends auf das Flechten von Miniaturen spezialisiert. Am 14. April wird der Künstler 80 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. „Ich habe noch Ideen für 150 Jahre“, erzählt der groß gewachsene Mann mit dem schneeweißen Haar.

Bis zu zwölf Stunden arbeitet er täglich in seiner karg eingerichteten Werkstatt. Rund 300 verschiedene Korbmodelle hat er bislang in sein Repertoire aufgenommen, ergänzt durch allerlei Möbelstücke vom Kinderwagen bis zur Sofa-Garnitur für Puppenstuben. Sichtlich stolz ist Backert auf seinen 5,5 Zentimeter großen Thüringer Splittenkorb mit eingeflochtenem Lebensbaum, den er für 585 Euro verkauft. „Da sitze ich schon ein paar Tage drüber“, erzählt er. Die genaue Arbeitszeit will er nicht verraten und verweist auf den alten Spruch, wonach Schönheit doch zeitlos sei. Da schaue er nicht auf die Uhr. „Je älter ich werde, desto mehr Spaß macht mir meine Arbeit“, verrät er.

"Was nützen mir Schmuckdosen, die in der Vitrine rumstehen?"

Denn im Laufe der Jahre gelinge ihm seine Flechterei immer feiner. Aus diesem Grund hat Backert von seinem Weltrekord-Körbchen, das er für den Korbmarkt in Lichtenfels angefertigt hatte, auch nicht die Nummer eins aufbewahrt, sondern die Nummer zehn. „Der sieht nämlich viel besser aus!“ Inzwischen hat er mehr als 1340 Stück davon hergestellt, die er für jeweils 20 Euro verkauft. „Viel Geduld ist das Wichtigste“, bringt Backert das Geheimnis seiner Kunstfertigkeit auf den Punkt. Und natürlich Fingerspitzengefühl, erzählt der Senior, der seine filigrane Handarbeit noch immer ohne Hilfsmittel und mit ruhiger Hand ausüben kann. Backerts Ehefrau hätte es jedenfalls lieber, wenn er größere Gebrauchsgegenstände anfertigen würde. „Aber was nützen mir Schmuckdosen, die in der Vitrine rumstehen? Da mache ich doch lieber Miniaturen auf Bestellungen, damit Geld reinkommt“, sagt er.

Wenn Waldemar Backert eines Tages stirbt, stirbt auch seine Kunst. Denn weder sein Sohn noch seine vier Enkelkinder wollen oder können in seine Fußstapfen treten. Doch solche Gedanken sind dem Jubilar fern: „Ich wünsche mir zum Geburtstag, dass es mir gesundheitlich gut geht“ Und wenn ihm doch mal alles zu viel wird, hat er ein einfaches Rezept zur Entspannung parat: „Dann mache ich ein neues Körbchen“.

 

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