Finanzielle Einbußen Coronavirus: 33.000 Münchner in Kurzarbeit

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Auch bei BMW sind tausende Mitarbeiter betroffen. Foto: dpa

Die Kurzarbeiteranträge stapeln sich in der Arbeitsagentur am Kapuzinerplatz. Die Behörde muss alle Kräfte bündeln, um die Formulare zu bearbeiten.

 

München - München galt immer als die Stadt der vielen gut bezahlten Jobs. So waren die Arbeitslosenzahlen zuletzt wie gewohnt niedrig – bis das Virus sich immer weiter ausbreitete.

Die aktuellen Zahlen kann noch keiner genau beziffern. Denn die genauen Beschäftigtenzahlen liefert stets der zwölfte Tag des Monats. Zum 12. März 2020, also vor den Ausgangsbeschränkungen, zählte man innerhalb der Stadtgrenzen 32.587 Münchner ohne Job. Das waren 422 weniger als im Vormonat, durch die sogenannte "Frühjahrsbelebung", wie der saisonbedingte Anstieg der Beschäftigungsquote genannt wird. 3,7 Prozent betrug bis vor einigen Wochen noch die Arbeitslosenquote. Das ändert sich nun.

Im April kommen die spannenden Zahlen

Ob dramatisch oder nicht, das ist die große Frage, die rund um den 12. April beantwortet wird. Tausende Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer sind momentan in Sorge und stehen zum Teil vor existenziellen Problemen. Die Kurzarbeitsquote steigt jedenfalls rasant, seit Bars, Geschäfte, Restaurants, Wirtshäuser, Reisebüros oder Baumärkte die Türen schließen mussten. "Wir haben alle Ressourcen im Haus gebündelt, um den Ansturm der Kurzarbeitsanträge zu bewältigen", sagt eine Sprecherin der Arbeitsagentur.

Per Telefon oder Internet gelangen die meisten Kurzarbeitsanträge in die Agentur. Die Leitungen laufen unter Volllast und sind häufig belegt, "vor allem zu den Hauptzeiten zwischen 10 und 15 Uhr", so die Sprecherin. Daher lohne es sich, zu den Randzeiten anzurufen, zwischen 8 und 10 Uhr, sowie zwischen 15 und 18 Uhr. Laut Arbeitsagentur sind bisher aus allen Branchen 10.000 Anträge auf Kurzarbeit eingegangen. Laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) haben zuvor schon 869 Betriebe Kurzarbeit angezeigt.

33.000 Münchner bereits in Kurzarbeit

Deren Anträge wurden offenbar bereits geprüft. Betroffen seien fast 33.000 Beschäftigte, die nun Anrecht auf 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns haben. Mit Kind erhöht sich dieser Anteil auf 67 Prozent – für vorerst zwölf Monate, bezahlt von der Arbeitsagentur.

Der Anteil der Kurzarbeiter dürfte demnächst aber deutlich steigen, befürchtet der DGB. Es gibt zwar nicht viele Länder, in denen während einer Krise die Kurzarbeitsregelung Betriebe und ihre Mitarbeiter auffangen kann. In einer teuren Stadt wie München jedoch kann auch das schon existenzbedrohend sein. Versicherung, Miete, Kredit, Bauspar- und Finanzierungsverträge: "Das Kurzarbeitergeld muss auf mindestens 80 Prozent angehoben werden", fordert DGB-Regionsgeschäftsführerin Simone Burger.

Arbeitsagentur: Kurzarbeit "rettet Jobs"

Die Arbeitsagentur gibt sich vorerst zufrieden. "Dieses Instrument rettet Jobs", sagt Wilfried Hüntelmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit München. Die hohe Zahl der Anträge zeige, "dass die Arbeitgeber an ihren Mitarbeitern festhalten" und auch die Zeit nach Corona im Blick hätten.

 

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