Finalpleite in Göteborg EHC-Cracks zwischen Enttäuschung und Stolz

Faire Final-Verlierer: Der EHC um Yasin Ehliz, Mads Christensen und Derek Joslin (v.l.) gratuliert dem neuen Champion. Foto: imago/GEPA pictures

Die Enttäuschung über das verlorene Finale in der Champions League sitzt beim EHC Red Bull München tief – aber auch der Stolz über das Erreichte bricht sich Bahn. "Wir kommen wieder", verspricht Manager Christian Winkler.

 

Göteborg/München - Die Enttäuschung war spürbar. Aber auch ganz viel Stolz. Als Manager Christian Winkler beim mitternächtlichen Bankett des EHC Red Bull München nach der 1:3-Niederlage beim Champions-League-Finale in Göteborg das Wort ergriff, sprach er davon, wie sehr es schmerze, ein Endspiel zu verlieren.

Aber, gerichtet an seine Spieler, fügte er im Gothia Towers Hotel, dem größten Hotel Nordeuropas - 1.200 Zimmer, elf Suiten -, hinzu: "Wir sind so stolz auf euch, wie ihr die deutsche Fahne hochgehalten habt! Ihr habt dafür gesorgt, dass die Champions League auch in Deutschland ihren Stellenwert bekommen hat." (Hier gibt's die Highlights des Finales im Video)

Unter dem Applaus der rund 175 Edelfans, Sponsoren und Familienangehörigen rief Winkler, der nach seinem Knöchelbruch noch auf Krücken geht: "Frölunda war heute einen Tick besser, das muss man anerkennen – aber wir kommen wieder!" Die Stimmung auf dem Bankett blieb bei Kalbfleisch mit Kartoffelgratin und Gemüsebeilage trotzdem gedämpft, dezent, zurückhaltend.


Der Schmerz der Niederlage ist greifbar. Foto: dpa

 

EHC München: Finaleinzug bereits historischer Erfolg

Stolz und Enttäuschung, sie waren die Leitmotive eines Abends, wie ihn der EHC bislang nicht erlebt hatte. Zum einen, weil der Finaleinzug an sich ein historischer Erfolg für den Klub war – noch nie hatte ein deutsches Team in der 2014 gegründeten CHL auch nur das Viertelfinale erreicht. Zum anderen aber, weil es dem EHC, der in der DEL neunmal in Folge gewonnen hatte, diesmal so erging wie sonst seinen Gegnern in der Liga: Er traf auf einen Konkurrenten, der seine Klasse ausspielte – und die Chancen konsequent verwertete.

Frölunda nutzte seine ersten drei Überzahlgelegenheiten allesamt. Als Göteborgs Torwart Johan Gustafsson in der 39. Minute einen Schuss von EHC-Kapitän und DEL-Rekordtorjäger Michael Wolf lässig herunterpflückte, war jedem der 12.044 Zuschauer im ausverkauften Scandinavium klar: Göteborg würde sich den dritten Titel in vier Jahren holen.

Auch die Tatsache, dass mit Trevor Parkes einer der ihren zum besten Spieler der Champions League gewählt wurde, war den Red Bulls kein echter Trost. So blieb auch den Spielern, die nach der Partie von den rund 500 mitgereisten Fans gefeiert wurden, während die Gastgeber ihre Party mit Pokal, Konfetti und Feuerwerk starteten, nur die Hin- und Hergerissenheit zwischen Stolz und Schmerz.


Das Objekt der Begierde blieb für Goalie Danny aus den Birken unerreichbar. Fotos: GEPA pictures


EHC-Coach Jackson: "Den Respekt der Konkurrenten in Europa gewonnen"

"Ich bin stolz, wie sich die Mannschaft die ganze Champions-League-Saison über präsentiert hat", sagte Verteidiger Konrad Abeltshauser, "wir haben wieder gekämpft bis zum Umfallen. Es ist bitter, wenn man so kurz vor dem Ziel scheitert, aber man kann keinem einen Vorwurf machen. So schön der Sport ist, so schmerzhaft kann er sein."

Der Tölzer blies sofort zum Angriff auf Europas Thron im nächsten Jahr: "Es hat unglaublich wehgetan, aber das ist umso mehr Ansporn für uns, dass uns das nicht nochmal passiert. Wir wollen den Pokal unbedingt, wenn nicht heuer, dann eben nächstes Jahr." 

Dann wird einer nicht mehr dabei sein, für dessen Karriere sein erster internationaler Titel ein krönender Abschluss gewesen wäre: Kapitän Michael Wolf. So war der DEL-Rekordtorjäger nach dem Spiel auch zerknirschter als mancher Kollege. "Heute kann ich nicht viel Positives aus diesem Spiel ziehen", sagte er, "aber in ein paar Tagen, wenn wir darüber reden, werden wir erkennen, dass wir Großartiges geleistet haben."

Oder, wie es Trainer Don Jackson sagte, der seinem Team nun einen fünftägigen Kurzurlaub gewährt: "Heute haben wir nicht den Titel, aber den Respekt der Konkurrenten in Europa gewonnen."

 

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