Filmstar im Koma Kaufmanns Bruder in der AZ: "Niemand hat etwas geahnt"

Christine Kaufmann liegt seit einer Woche im Koma. Ihr Bruder spricht in der AZ. Foto: dpa

Filmstar Christine Kaufmann liegt seit einer Woche im künstlichen Koma. Sie hat Leukämie und eine Blutvergiftung. Ihr Bruder Hans-Günther erzählt in der AZ, dass nur noch ein Wunder sie retten kann

 

München - Für die meisten Menschen ist Christine Kaufmann (72, "Monaco Franze") eine berühmte Schauspielerin, Ex-Kinderstar und die Ex von Leinwand-Legende Tony Curtis († 2010, "Manche mögen’s heiß"). Für den bekannten Münchner Fotografen Hans-Günther Kaufmann (73) ist Christine der Mensch, der ihm am nächsten ist. Seine geliebte Schwester. Seine Familie. Sein Alles.

Als er sie das letzte Mal vor über einer Woche trifft, merkt er, dass etwas nicht stimmt. "Natürlich schmiedete sie euphorisch Pläne, das tat sie immer", erzählt er im Gespräch mit der AZ. "Aber sie klagte, dass sie zutiefst erschöpft und müde sei. Und endlich mal für ein paar Wochen Ruhe bräuchte. Sie brannte von allen Seiten."

Alarmzeichen: Ihr Bruder ist beunruhigt

Manche Schauspieler haben einen Hang zur Theatralik, doch bei ihrem Bruder legt Christine stets alle Rollen ab. Bei Hans-Günther ist sie sie selbst, so gut das geht. Deshalb nimmt er die Alarmzeichen wahr, ist beunruhigt, schlägt vor, dass sie zum Arzt gehen sollte. "Aber Christine hat das verdrängt. Dass es so schlimm sein könnte, war mir aber auch nicht klar. Niemand hat etwas geahnt", sagt er.

Zwei Tage später bricht Christine Kaufmann in ihrer Schwabinger Wohnung zusammen. Ihr Teenie-Enkel Raphael, Sohn von Tochter Allegra Curtis (50), die beide kürzlich bei ihr eingezogen sind, findet seine Oma – auf dem Boden liegend, bewusstlos. Raphael ruft Klaus Zey an, Christines vierten Ex-Ehemann, mit dem sie wieder ein gutes Verhältnis hat. Der alarmiert den Notarzt. Sie kommt in die Klinik, wird sofort ins künstliche Koma versetzt.

Die Familie wacht am Krankenbett

Die Schock-Diagnose(n): Leukämie, also Blutkrebs, dazu hat sie eine Sepsis und noch Viren einer verschleppten Grippe. "Als ich das gehört habe, hat es mich umgehauen", sagt ihr Bruder. "Mir hat es regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen. Die Leukämie muss explosionsartig ausgebrochen sein."

Christines ältere Tochter Alexandra Curtis (52) fliegt aus Amerika ein, deren drei Töchter und der Enkelsohn kommen ebenfalls nach München mit. Gemeinsam wacht die Familie nun täglich am Krankenbett. Nur Christines fast fünfjähriger Urenkel darf nicht auf die Intensivstation – aus Sorge vor Krankenhaus-Keimen.

Alle Kerzen für Christine

"Sie ist in wirklich guten Händen, die Ärzte ringen mit vollem Einsatz um Christines Leben", meint Hans-Günther Kaufmann. "Wir versuchen, Vertrauen zu haben und mit all unserer Liebe und Zuneigung zu helfen. Ich glaube daran, dass auch im Koma positive Schwingungen beim Patienten ankommen."

Er selbst ist sehr gläubig und ergänzt: "Gestern war ich mit meinem Sohn in vielen Kirchen und Kapellen im Münchner Umland. Wir haben alle Kerzen angezündet, die wir finden konnten, und haben viel für Christine gebetet." Denn so wenig Prognosen Ärzte in so einem dramatischen Fall geben können, so klar haben sie Christines Lieben gemacht, dass es wirklich ernst ausschaut. Sie müssen "mit allem" rechnen.

"Nur ein Wunder kann Christine retten"

Die Krankheit schnell in den Griff zu bekommen, sei leider unwahrscheinlich. "Nur ein Wunder kann Christine retten", sagt ihr Bruder – und schluckt. "Leukämie in Kombination mit einer Blutvergiftung und Grippe-Viren, dazu das künstliche Koma, das schafft den stärksten Körper." Was kaum jemand weiß: Schon ihre Mutter Geneviève hatte Leukämie. "Sie ist mit 82 Jahren daran gestorben", erinnert sich Hans-Günther. "Ich war dabei, bin bis heute traumatisiert. Jetzt bin ich bei Christine."

Wie es ihm dabei geht? "Es ist ein Mitleiden in den heftigsten Dimensionen. Christine hat den Wert des Lebens so sehr erkannt und geliebt, ja, sie liebt das Leben. Es bricht mir das Herz, sie nun so hilflos daliegen zu sehen." Die Familie unterstützt sich jetzt gegenseitig, aber: "Wir sind alle total fertig", sagt Hans-Günther. "Seit einer Woche liegt sie im Koma, ich kann nicht schlafen, nichts essen, an kaum etwas anderes denken. Trotzdem will ich Kraft haben – für Christine."

"Immer für eine Überraschung gut" - auch jetzt?

Als kraftvoll und stark bezeichnet er auch seine Schwester: "Sie ist eine tapfere und großartige Person, hat so viel in ihrem Leben erlebt – und überlebt. Sie war Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte, hat als 'Rosen-Resli' vielen Menschen eine Identität gegeben, das war aber auch ein enormer Druck von Anfang an. Sie hat sich bis jetzt allen Herausforderungen gestellt und sie bravourös gemeistert. Ich hoffe, wünsche und bete so sehr, dass Christine auch das packt."

Seine Stimme wird plötzlich noch sanfter. Hans-Günther Kaufmann überlegt kurz, schließlich sagt er: "Ich glaube fest daran: Wenn meine Schwester nicht mehr aufwacht, dann will sie nicht mehr aufwachen. Aber Christine hat immer ihr eigenes Ding gemacht. Sie war immer für eine Überraschung gut. Hoffentlich auch jetzt."


Diagnose Leukämie

Leukämie, auch Blutkrebs genannt, entsteht durch genetische Veränderungen von unreifen blutbildenden Vorläuferzellen – sodass diese sich nicht mehr vollständig zu funktionstüchtigen Blutzellen weiterentwickeln können und unkontrolliert vermehren.

Je nach Verlauf unterscheidet man akute und chronische Leukämie. Chronische Leukämie verläuft meist über mehrere Jahre und ist im Anfangsstadium häufig symptomarm. Sie wird oft zufällig festgestellt und beginnt meist schleichend. Erste Anzeichen können Unwohlsein, Ermüdung, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust sein.

Akute Leukämie (mit einem Altersgipfel über 60 Jahren) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die unbehandelt in wenigen Wochen bis Monaten zum Tode führen kann. Es gibt sehr vielfältige Symptome. Oft kann akute Leukämie aus völliger Gesundheit heraus entstehen und äußert sich wie ein schweres Krankheitsbild (Blässe, Schwäche, Blutungsneigung, Gewichts- und Appetitverlust, Müdigkeit, Nachtschweiß, etc.).

Die Auslöser für Leukämie sind noch nicht geklärt. Eine intensive Chemotherapie kann bis zu 99,9 Prozent der Krebszellen zerstören – ein kleiner Rest Leukämiezellen überlebt jedoch bei den meisten Patienten. Heilung ist kaum möglich. Aber: Neue Medikamente und Knochenmarkstransplantationen können Leukämie in Schach halten.

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