Filmfestspiele von Venedig Das sind die Preisträger

Klimaaktivisten blockieren den roten Teppich für einen Protest im Rahmen der 76. Internationalen Filmfestspiele. Foto: Ettore Ferrari

Der „Goldene Löwe“ geht an „Joker“, Roman Polanskis „J’accuse“ erhält den Preis der Jury

 

Bevor der Galaabend am Samstag überraschenderweise genau die richtige Löwen-Entscheidung brachte, war noch wenige Stunden zuvor der Rote Teppich für eine ebenfalls richtige Aktion gekapert worden. Nach dem Motto „Global denken, lokal handeln“ hatten sich venezianische „Fridays for Future“-Aktivisten mit den lokalen Protesten gegen die Kreuzfahrtschiffe, die Lagune aufwühlen, zusammengetan zu einem blockierenden Sit-in vor dem Palazzo del Cinema. Dann kam der Abend. Und als Joaquin Phoenix zusammen mit Regisseur Todd Phillips aus der schwarzen Lexus-Limousine stieg, war klar: der beeindruckendste Film des Wettbewerbs würde jetzt Großes gewinnen – es wurde der Goldene Löwe als Bester Film für „Joker“.

Der Film erzählt, wie aus einem eigentlich sanften Ex-Psychiatriepatienten, der als Clown von einer Agentur vermittelt wird, durch Gewalterfahrung in einer verwahrlosten, sozial auseinanderfallenden Gesellschaft der brutale Gegenspieler von Batman wird. Dass Joaquin Phoenix nicht auch noch verdientermaßen die Coppa Volpi als bester Schauspieler bekam, sondern Luca Marinelli aus dem geschichtspolitischen Jahrhundertwende-Drama „Martin Eden“, liegt nur daran, dass man am Lido traditionell nicht einen Film mehrfach auszeichnet – und auch die Italiener als Gastgeber bedacht werden müssen.

Winken in Richtung Hollywood

Die groteske Halb-Dokumentation des Italieners Franco Maresco „La mafia non è più quella di una volta“ – sprich: Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie einmal war - bekam dann auch noch den Spezialpreis der Jury.

Der Triumph aber von „Joker“, der am 10. Oktober in die deutschen Kinos kommt, ist ein weiteres Winken des Lido Richtung Hollywood: Auf der Filmbiennale seid ihr gut aufgehoben! Wobei sich interessanterweise die Jury unter der argentinische Regisseurin Lucrecia Martel konsequent für das Kino und gegen Streaming entschieden hat, so dass auch das umjubelte Scheidungsdrama von Noah Baumbach, „Marriage Story“ mit Scarlett Johansson und Adam Driver, leer ausging.

Ein Raunen geht durch das Publikum

Als auf der Löwen-Gala gegen Ende der zweitwichtigste, so genannte „Große Preis der Jury“ bekanntgegeben wurde, ging vor dem stürmischen Applaus noch kurz ein Raunen durchs Publikum: Denn für „J’accuse“ hatte die Jurypräsidentin über ihren Schatten springen müssen. Zu Beginn der 76. Filmbiennale hatte sie erklärt, der Film dürfe eigentlich nicht im Wettbewerb sein, weil er von einem Regisseur stamme, der sich der Strafe in einem Vergewaltigungsprozess entzogen habe: Roman Polanski (86), gegen den seit Mitte der 70er ein US-Haftbefehl vorliegt, und der daher die Schweiz kaum noch verlässt – außer Richtung Frankreich, wo auch sein Film über die antisemitische Staatsaffäre Dreyfus gedreht wurde.

Die spielt zwar in Frankreich des späten 19. Jahrhunderts, aber neuer Antisemitismus, die Aushöhlung des Rechtstaats und der Pressefreiheit sind ja aktuell. Wie um sich selbst zu rechtfertigen und nicht in die Schusslinie der #MeToo-Bewegung zu geraten, erklärte Jurypräsidentin Martel, die Jury habe nur den Film selbst bewertet, und nicht die Person des Regisseurs.

Für die beste Regie wurde Roy Andersson ausgezeichnet, der in seinem Melodram „About Endlessness“ in kurzen Episoden in die traurigen Seelen von Menschen blickt. Der in Hongkong lebende Yonfan gewann den Preis für das beste Drehbuch für den Animationsfilm „No. 7 Cherry Lane“, eine liebevolle Dreiecksgeschichte. So ist auch Venedig als Dreiecksliebesgeschichte zwischen Europa, Hollywood und Italien zu Ende gegangen, in der wunderbarerweise nur die Liebe zum Kino eine Rolle spielte - und sonst gar nichts!

 

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