Filmfestspiele in Venedig George Clooney: Der Löwe vom Lido

George Clooney: Der "Löwe vom Lido" ist zurück. Die Gerüchte über ihn auch. Die Bilder von Clooney in Venedig. Foto: az/dpa/Claudio Onorati

Allen Eklats und Gerüchten zum Trotz: Der Hollywood-Star kommt zum Festival. Sein viertes Regie-Werk „Iden des März“ wird zum Auftakt des Star-Reigens gezeigt.

 

Eigentlich wollte er nicht mehr: Clooney hatte die Nase voll vom Lido, obwohl er es hierher nicht allzu weit hat von seiner Villa am Comer See. Aber vor zwei Jahren war der Eklat passiert, mitten in der Pressekonferenz. Im weißmarmornen Palazzo del Casinó zog sich ein brasilianischer Journalist bei laufenden Kameras erst das Hemd aus und zog auch noch schnell die Hose runter: Auf seine weiße Feinrippunterhose hatte er mit Fingerfarben geschrieben: „Nimm mich!".

Clooney blieb äußerlich cool und parierte süß-sauer: „Deine Krawatte ist schöner!“ Hinterher beschwerte er sich aber beim Festival-Chef Marco Müller, dass niemand den Blödsinn gestoppt hatte. Aber die Zeitungen hatten ihr Fortsetzungsspiel, nachdem Matt Damon in der seriösen „Repubblica“ geäußert hatte, Clooney solle doch einfach mit seinem Boyfriend nach Venedig kommen. Statt dessen kam er mit seiner Model-Freundin Elisabetta Canalis. Aber die Frage nach der sexuellen Orientierung eines Hollywood-Stars bleibt Teil eines grotesken Star-Medien-Spiels. Und niemand kann es besser spielen als der gerade 50-jährige George Clooney mit seinem gefährlich charmanten Haifisch-Lächeln.

Denn er ist makellos: lässig-männlich, sportlich, reich und glamourös. Dass Clooney der absolute Liebling vor allem auch der europäischen Medien ist, liegt außerdem daran, dass Clooney für uns das andere, nicht religiös-reaktionäre und sozial brutale Amerika verkörpert. Clooney ist der liberale, intelligente und auch riskant politisch engagierte Star. Und das beweist er noch einmal heute Nacht: Der „Löwe vom Lido“, wie ihn die Zeitungen hier bewundernd nennen, hat doch noch einmal die Scheinwerfer am roten Teppich der Filmbiennale in Venedig gewählt, um seinen Film „Iden des März“ als Eröffnungsfilm zu zeigen.

"Iden des März"

Clooney spielt einen Präsidentschaftskandidaten in den demokratischen Vorwahlen, einen Anti-Tea-Party-Typ zwischen Clinton und Obama, der eine sozialdemokratische Bewegung auslöst – bis den Mann mit dem cäsarischen Siegerlächeln ein ehrgeiziger, enttäuschter enger Mitarbeiter (Ryan Gosling) in einer Art Brutus-Mord auf dem Roten Teppich zur Macht zu Fall bringen könnte.

Clooney selbst kann am Gipfel seiner Starmacht als Blockbuster-Garant (von „Ocean's Eleven“ bis „Up in the Air“) mit intellektuellerem Filmkunst-Hintergrund (von Soderberghs „Out of Sight“ bis zum Coen-Film „Männer, die auf Ziegen starren“) nur noch über eines stolpern: ein Outing. Bei Clooney selbst ist der Fall besonders brisant, weil bei ihm die Star-Maschinerie auffallend genial läuft: Denn einerseits werden Stars zwar gerade auch als Paare gefeiert – wie Clooneys Musterfreunde Brad Pitt und Angelina Jolie beweisen.

Anderseits gibt es für mediale Reibungsflächen nichts Langweiligeres als Dauer-Liierte, weswegen Krisengerüchte neuer Schmierstoff sind. Clooney dagegen kann durch seine immer wieder aufgelösten Model-Beziehungen alle erotischen Projektionen der weiblichen Zuschauer durch Ungebundenheit offenhalten und gleichzeitig Männern das Traumrollen-Vorbild eines promisken „Dolce Vita“ geben. Homosexualität wäre in diesem Konstrukt tödlich.

Homosexualität bleibt Kassengift

Das erscheint gerade im angeblich so liberalen Filmgeschäft absurd, wo der Anteil an Homosexuellen so hoch ist, dass Liz Taylor einmal anerkennend meinte, „würde man die Schwulen aus Hollywood vertreiben, bliebe nichts übrig“. Dennoch bleibt noch im Jahr 2011 Homosexualität Kassengift: Einem schwulen Schauspieler nimmt ein Zuschauer keine heterosexuelle Liebhaberrolle auf der Leinwand mehr ab. Aber welche Rollen bleiben da noch? Der englische Dandy-Schauspieler Rupert Everett hat es ausprobiert und ein amüsantes Buch zum Outing als Filmstar verfasst: „Rote Teppiche und andere Bananenschalen.“

Clooney, der sich gerade erst vor zwei Monaten von seiner Freundin Elisabetta Canalis getrennt hat, hält bisher alle Gerüchte um die mörderische Frage, wer mit wem schläft, elegant in Schach. Dabei hilft dem 50-Jährigen eine Eigenschaft, die bei aller Aura, die Reichtum und Ruhm erzeugen, etwas besonders Seltenes ist: Charisma. Und so fiebert alles der Eröffnung des Festivals in dieser Nacht entgegen, wenn George Clooney im Blitzlicht- und Kreisch-Gewitter auf den Roten Teppich kommt – natürlich ohne auszurutschen oder gar zu Fall zu kommen.

 

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