Filmfest Rosenmüller? Abgelehnt!

Marcus H. Rosenmüller bei den Dreharbeiten zu "Sommer in Orange" mit seiner Hauptdarstellerin Petra Schmidt-Schaller. Foto: Majestic

Das Münchner Filmfest will den neuen Film von Marcus H. Rosenmüller nicht zeigen – angeblich ist „Sommer in orange” nicht gut genug. Rosenmüllers Verleih und der BR sind sauer

Gabriel Kino München, Dachauer Straße, 18.30 Uh, Ende Mai: In einer geheimen Vorführung im kleinen Kreis wird der neue Film von Regisseur Marcus H. Rosenmüller über eine Bhagwan-Invasion in der oberbayerischen Provinz gezeigt: „Sommer in Orange”. Anwesend sind auch der Regisseur, die schwangere Drehbuchautorin Dagmar Gruber, Benjamin Herrmann vom Majestic-Filmverleih. Soweit, so normal.

Über alles Weitere besteht aber Streit. Denn anwesend waren auch noch Andreas Ströhl, der Festivalleiter des Filmfest München, und sein Verantwortlicher für die deutsche Reihe, Uli Maass.Noch während der Vorführung, berichten Augenzeugen, sei Rosenmüller sauer aus dem Kinosaal gekommen. Uli Maass habe den Film als Beitrag seiner Reihe „Neuer Deutscher Film” auf beleidigende und verletzende Weise abgelehnt.

"Wir wollen keine Filme beschädigen!"

Hat sich das Filmfest, das am 24. Juni startet, also die Premiere mit dem Publikums-Liebling Rosenmüller durch die Lappen gehen lassen? Festivalleiter Ströhl ist zu Recht irritiert: „Aus Fairness- und Vertrauensgründen reden wir grundsätzlich nie über die Filme, die wir sichten. Das sind wir den Machern schuldig. Wir wollen ja keine Filme beschädigen!”
Trotzdem drang die Ablehnung aus dem Kinosaal nach draußen. „Wir behandeln jeden Film beim Sichten gleich, egal, ob der Regisseur berühmt ist oder nicht. Und da ist es ganz normal, dass ein Film abgelehnt wird”, sagt Ströhl. Andere Festivals allerdings zeigen auch ein schlechteres Werk eines Regisseurs, wenn er nur berühmt genug ist, um für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Benjamin Herrmann vom Majestic-Filmverleih erkennt eine problematische Filmfestpolitik: „Das Filmfest München hat einen Hardcore-Arthouse-Stil. Filme, die populär sind, haben hier keine Plattform mehr, auch wenn sie alles andere als plump sind. Vielleicht fehlt hier einfach ein bisschen die Balance.”
Dabei hat das Verhältnis von Rosenmüller und dem Filmfest München gut angefangen: Der Millionen-Debüterfolg Rosenmüllers „Wer früher stirbt, ist länger tot” trat vom Filmfest München aus vor fünf Jahren seinen Siegeszug an. Uli Maass bezeichnet „Beste Zeit” als Rosenmüllers besten Film und nimmt für sich sogar in Anspruch, Rosenmüller als Regisseur entdeckt zu haben. Was Benjamin Herrmann anders in Erinnerung hat: „Schon ,Wer früher stirbt,...’ mussten wir dem Festival gegen Widerstand andienen.”

850 000 Euro Förderung

Sauer ist man auch beim BR, einem Mitgesellschafter des Filmfest München. Immerhin hat der Bayerische Rundfunk „Sommer in Orange” mitproduziert. Auch der Film- und Fernsehfonds Bayern (FFF) hat 850 000 Euro Produktionsförderung gegeben. Beide Institutionen hätten also das zweitgrößte deutsche Filmfest nach der Berlinale mit seinen 70 000 Besuchern gerne als Plattform für eine „Sommer”-Premiere genutzt. Letztlich muss ein Filmfest, um geachtet zu sein, natürlich auch seine Unabhängigkeit gegen die verschiedensten Interessen behaupten dürfen.
Filmfest hin, Filmfest her: Am 18. August startet „Sommer in Orange”. Zuvor wird es auch eine große Premiere geben – in München mit den Darstellern Petra Schmidt-Schaller, Oliver Korittke, Wiebke Puls und Brigitte Hobmeier. Dann können sich alle ein Bild machen, ob der Film auf dem Filmfest gut aufgehoben gewesen wäre.

 

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