Filmfest München Sunnyi Melles zu "Die Erfindung der Liebe": "Liebe ist unkontrollierbar"

Armine von Kirsch (Sunnyi Melles) lässt sich auf Daniel (Bastian Trost) ein. Foto: Coin Film / Govinda Van Maele

Am Residenztheater kann man Sunnyi Melles nicht mehr sehen, dafür aber auf dem Filmfest in „Die Erfindung der Liebe”

 

Eigentlich drehte Lola Randl „Die Erfindung der Liebe” bereits 2011, durch den plötzlichen Tod der Hauptfigur Maria Kwiatkowsky wurden die Dreharbeiten abgebrochen und nach einer längeren Pause aus alten und neuen Aufnahmen die Handlung um den Verlust neu angeordnet. Sunnyi Melles spielt die Hauptdarstellerin, die sich am Set mit Dilettanten abgeben muss und in der Geschichte selbst als reiche Amine von Kirsch von einem jungen Mann nur wegen ihres Geldes geheiratet wird. Und gegen alle Vernunft entsteht so etwas wie Liebe.

AZ: Frau Melles, ihre Figur wird ausgenutzt und entwickelt trotzdem eine Art Liebe zu dem Mann. Können Sie das nachvollziehen?

SUNNYI MELLES: Es gibt doch viele Beziehungen, in denen ein Partner aus Berechnung handelt. Wie oft sagt man, du hast mich doch nur benutzt. Das ist jedem schon einmal passiert. Und das tut weh. Aber wenn man wirklich etwas für jemanden empfindet, ist man fast hilflos. Liebe ist unkontrollierbar. Je weniger ich mit einer Figur zu tun habe, je unangenehmer sie mir ist, je widersprüchlicher sie scheint, um so interessanter wird sie.

Sie sind Lehrbeauftragte am Reinhardt-Seminar Wien im Fach Rollenstudium. Was lehren Sie ihren Schülerinnen? Was macht denn eine gute Schauspielerin aus?

Glaubwürdigkeit, Selbständigkeit, Durchhaltewillen, Wahrhaftigkeit. Wenn du nicht heulen kannst, nimm eine Zwiebel in die Hand und heule, sage ich immer. Wichtig ist auch das Zuhören und Mitdenken, sich der Rolle unterordnen. Schauspielerin sein ist ein harter Beruf. Man muss sich aber nicht alles gefallen lassen.

Wie reagieren Sie auf Kritik?

Gut. Ich möchte auch kritisiert werden. Mit Lola Randl bin ich oft bei den Dreharbeiten aneinander gerasselt, aber wir verstehen und vertrauen uns, werden weiter zusammen arbeiten. Der Film hat uns zusammen geschweißt. Ich kann streiten, dann muss aber Versöhnung kommen, egal wann. Eine falsche Harmonie macht gleichgültig. Auch wenn die Wahrheit manchmal weh tut, ich bin für Ehrlichkeit. Reibungen sind produktiv, ich mag es nur nicht, wenn ein Regisseur destruktiv ist.

Wenn Sie sich mit Ihren Kollegen nach der Theatervorstellung verbeugen, springen die Glückshormone. Wie ist das beim Film?

Im Theater gibt es schon dieses Herzklopfen, dieses ganze Lampenfieber, wenn man die Bühne betritt. Beim Drehen hat man vielleicht nur zehn Augenpaare, die einen beobachten und der Kontakt zum Publikum stellt sich meistens nur bei Premieren her. Aber die Glückshormone werden auch da ausgeschüttet und halten länger.

Sie stehen auf der Bühne, drehen Kinofilme, treten im Fernsehen auf, singen und tanzen. Wie schaffen Sie das?

Voraussetzung ist eine genaue Vorbereitung. Im Wiener Burgtheater stehe ich in drei Stücken auf der Bühne, als Königin der Nacht in Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahnsinnige”, als Ariel in Woody Allens „Eine Mittsommernachts- Sex-Komödie” und ich trete in der Shakespeares „Fool of Love” auf. Als nächstes kommt „Die Alkoholikerin”, ein Stück, das Thomas Vinterberg für mich geschrieben hat. Und wenn finanziell alles gut läuft, bin ich in zwei Kinoprojekten dabei.

Was machen Ihre Regiepläne?

Nachdem „Die Kameliendame” aus Termingründen nicht klappte, plane ich ein anderes Regieprojekt. Eine Film- und Opernregie, die Musik und Schauspiel vereint.

Fühlen Sie sich als Tragödin oder Komödiantin wohler?

Beides. Ich liebe tragikomische Rollen. Komisch zu sein, ist viel schwieriger als traurig zu sein. Lachen ist toll, aber bitte nicht den Anderen auslachen.


"Die Erfindung der Liebe", Sa, 19.30 Uhr, Arri

 

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