Start am Donnerstag Markus Söder, das Münchner Filmfest und zu viel Geld

, aktualisiert am 26.06.2019 - 17:36 Uhr
Unser verehrter Herr Ministerpräsident hat einen etwas pubertären Filmgeschmack. Foto: dpa

Am Donnerstag eröffnet das 37. Filmfest München – und Ministerpräsident Markus Söder greift nach den Sternen.

 

München - Unsinn zu behaupten ist kein Alleinstellungsmerkmal der Politik, soll aber auch dort bisweilen vorkommen. Es gibt dann zwei Möglichkeiten: Man vergisst wieder, was man mal behauptet hat, oder man versucht, die Realität so hinzubiegen, dass man doch Recht hat. Das kann - siehe Ausländermaut - schmerzhafte Folgen haben (für den Steuerzahler).

Im vergangenen Jahr nutzte Ministerpräsident Markus Söder die Eröffnung des Münchner Filmfests, um sich in lupenreiner Generaldirektor-Haffenloher-Manier ("Ich scheiß' Dich sowas von zu mit meinem Geld") die Liebe der Filmschaffenden zu erkaufen. Er versprach Millionen Euro mehr, damit München bald der Berlinale den Rang ablaufen könne. Es war ja Wahlkampf.

Dreimal mehr Geld

Nun, zur Eröffnung des Münchner Filmfests ein Jahr später, hat Söder im Interview mit der "SZ" den Unsinn wiederholt – und das Budget des Festivals kräftig erhöht. Bislang gaben Stadt und Land je 1,75 Millionen Euro. Für dieses Jahr kommen von staatlicher Seite noch 1,6 Millionen Euro extra hinzu, ab kommenden Jahr jährlich 3 Millionen Euro zusätzlich. Mit anderen Worten: Innerhalb von zwei Jahren hat der Staat seine Steuergeldzuwendungen fast verdreifacht. Das gibt es so in keinem anderen Kulturzweig.

Söder erwartet von der Stadt, sich an der filmfestlichen Aufrüstung zu beteiligen und hätte gerne noch Geld vom Bund. Aber auch damit lässt sich die Lücke zum 26-Millionen-Euro-Festival Berlinale nicht schließen. Sie wird auch das einzige A-Festival des Landes bleiben, weil die internationalen Regularien nur ein A-Festival mit Wettbewerb pro Land erlauben.

Pubertärer Geschmack

Söders eigener Filmgeschmack ist dabei Meilen vom ambitionierten, teilweise exotischen Arthouse-Programm des Filmfest München entfernt. Seine Vorlieben sind gelinde gesagt Mainstream ("Bohemian Rhapsody"), wenn nicht gar die eines Pubertiers, das am liebsten Superhelden ("Avengers") und Weltraumabenteuer verfolgt.

Das hat nicht nur zur Begeisterung für die bayerische Raumfahrt geführt, sondern auch zur Idee, dass München zumindest mit Virtual Reality punkten könne. Dabei wird VR – bei aller Zukunftseuphorie – wohl immer ein Nischenprodukt bleiben, wie auch schon der 3D-Durchbruch im Kino nie so wie prophezeit stattgefunden hat. Einen neuen Filmfest-Schwerpunkt sollten ursprünglich noch Computerspiele bilden. Und da in der Union seit Rezo auch jeder weiß, was You-Tube ist, träumt Söder nun vom You-Tube-Festival in München.

Heillose Erwartungsüberfrachtung

Die inhaltliche Verwässerung bei gleichzeitig heilloser Erwartungsüberfrachtung ist keine besondere Hilfe für Festivalleiterin Diane Iljine und den künstlerischen Leiter Christoph Gröner. Sie bemühten sich auch bislang schon um ein Programm zwischen Anspruch und Massentauglichkeit. Und wer unter den heuer 180 Filmen aus 62 Ländern nichts nach seinem Geschmack entdeckt, hat schlichtweg kein Interesse am Kino.

Aber solange Söder kein Gesetz beschließt, das uns im Hochsommer von der Isar und aus den Biergärten in die Kinos zwingt, wird auch die Besucherzahl nicht groß zu steigern sein. Im vergangenen Jahr waren es 80.000 (wie schon 2009). Die Berlinale zählte im winterlichen Wettergrau knapp eine halbe Million Besucher. In Söders virtueller Gedankenwelt aber kann das Münchner Filmfest zur Bedeutung der Berlinale aufschließen – und der Club gewinnt die Champions League.

 

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