Filmfest München Filmtipp: "Puppet Syndrome" Die Zärtlichkeit der Kunstfigur

Evgeniy Mironov als Puppenfrau. Foto: FFM

"The Puppet Syndrome" erzählt wunderbar poetisch von Partnerschaft und Wunschvorstellungen

 

Es beginnt wie im Märchen: Der kleine Petya ist so fasziniert von der Schönheit des rot gelockten Mädchens Lisa, dass er sie gleich aus dem Kinderwagen stibitzt. Nach ihrer Rückgabe entsteht über die Jahre der Kindheit eine enge Freundschaft, aus der später Liebe wird. Dann jedoch greift die bittere Hand der Realität ein.
Elena Hazanovs „Puppet Syndrome“ ist ein tragisches, aber gleichzeitig wunderschönes Spiel mit Symbolen und Metaphern. Petya (Chulpan Khamatova) ist seit frühester Kindheit versessen vom Puppenspiel. Mit Lisa (Evgeniy Mironov), die inzwischen seine Frau ist, führt er unsagbar schöne Tänze auf, bei denen sie selbst zur menschlichen Marionette wird. Untermalt mit der großartigen Musik von Nicolas Rabaeus entstehen hier unvergessliche und perfekt choreografierte Szenen. Das Blatt des Glücks wendet sich aber nach dem Tod des ersten Kindes: Lisa verfällt in Depressionen, Petya rettet sich aus seiner Einsamkeit, indem er die lebensechte Silikonpuppe Alice schafft – ein Ebenbild seiner Lisa. Der Konkurrenzkampf zwischen der echten und der unechten Angebeteten wird zum Grundkonflikt. Fragen nach Abhängigkeit und Kontrolle schweben ab der zweiten Hälfte über den Film, zum Irren wird aber keiner der beiden stilisiert. Dabei behält der Film keine lineare Erzählweise bei. Immer wieder werden Rückblenden zum Steinchen eines Mosaiks, das uns die jetzige Situation und Verfassung der Protagonisten näher bringt.
„Puppet Syndrome“ ist somit nicht nur ein ergreifendes Psychodrama, sondern auch eine fesselnde Studie über die Rolle, die wir von unserem Partner erwarten.   
Dienstag, 28.6.,12 Uhr, City (Vor dem Film: kurze Einführung durch Regisseurin Elena Hazanov und Produzentin Anna Katchko) und wieder am Fr, 1.7., 19.30 Uhr, City

 

0 Kommentare